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Politik Eine Impfpflicht würde nur eines bewirken – Widerstand
Nachrichten Politik Eine Impfpflicht würde nur eines bewirken – Widerstand
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15:09 29.10.2019
Tut gar nicht weh: Impfung gegen Masern Quelle: Rouelle Umali/XinHua/dpa
Kommentar

Einem Berliner Kinderarzt waren die andauernden Diskussionen mit impfskeptischen Eltern eines Tags zu viel. Er brachte ein Schild im Wartezimmer an: „Sie müssen nicht alle Ihre Kinder impfen lassen – nur die, die Sie behalten wollen“. Sein Sarkasmus wurde zum Internet-Hit. Das Schild ging im Wortsinne viral.

Impfen ist sinnvoll. Impfen ist lebensrettend. Und wer sich den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen verweigert, gefährdet nicht nur das Leben der eigenen Kinder, sondern trägt auch dazu bei, dass schwere Krankheiten wie Masern bei uns nicht ausgerottet werden können.

Das Zauberwort heißt „Herdenschutz“. Um diesen zu gewährleisten, müssten mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. In Deutschland gibt es große Schwankungen zwischen einzelnen Landkreisen und Stadtbezirken. Teilweise liegt der Schutz unter 90 Prozent. Masern und Co können sich dort schneller ausbreiten.

Herdenschutz“ versus Individualismus

Nun ist „Herdenschutz“ schon vom Begriff her ein rotes Tuch für Individualisten. Jeder Vater und jede Mutter wollen ja zuerst einmal, dass es ihren Kindern gut geht. Fast jeder hat zumindest im Hinterkopf Horror-Geschichten von gravierenden Impfschäden.

Einige glauben, dass Kinderkrankheiten das Risiko einer Impfung nicht wert sind. Ein ganz kleiner Teil der Eltern ist aus gefestigten, ideologischen Gründen gegen Impfungen.

Eine Impfpflicht aber hilft in allen diesen Fällen nicht. Die überzeugten Impfgegner würden sie als weiteres Beispiel des bösen Nanny-Staates sehen, der sich schon mit Schulpflicht, Sexualkunde und Zentralabitur in die freie Entfaltung ihres Nachwuchses einmischt. Zwischen der Angst vor Bevormundung und dem Hang zu Populismus existieren viele Verbindungslinien.

Zusammenhang zwischen Impfen und Autismus gibt es nicht

Donald Trump ließ sich 2014 – lange vor seiner Kandidatur für die Präsidentschaft – in einem seiner Tweets einmal so aus: „Gesundes Kleinkind geht zum Arzt, bekommt eine massive Dosis Mehrfachimpfung injiziert, fühlt sich schlecht, verändert sich – AUTISMUS. Viele solcher Fälle!“

Diese vielen Fälle aber gibt es nicht, der Zusammenhang zwischen Mehrfachimpfungen und Autismus wurde widerlegt. Der britische Arzt, der diese These aufstellte, ließ sich für seine Studie bestechen und verlor 2010 wegen unethischen Verhaltens seine Zulassung. Seine Behauptung aber wirkt noch immer.

Was würde eine Impfpflicht bei Impfgegnern bewirken? Widerstand. Ausweichstrategien, Tricks, noch mehr Abneigung gegen (auch gut gemeinte) Ratschläge von Behörden. Aus der Impfskepsis würde eine Impfgegner-Guerilla, die skeptische oder auch nur ängstliche Eltern in ihren Bann ziehen könnte.

Ja zum Impfen – nein zu noch mehr Bürokratie

Der Virologe Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission, hält eine Impfpflicht für „erstens sehr schwer durchzusetzen und zweitens möglicherweise auch in vieler Hinsicht kontraproduktiv“. An seine Warnung sollte man sich halten.

Ja zum Impfen, Ja zu Reihenimpfungen im Kindergarten, Ja zur Bedingung von Kitas und Schulen, nur Kinder mit Impfschutz aufzunehmen. Aber Nein zu einer Bürokratie, die nur zusätzlichen Aufwand und Kontrollzwang schafft und die Debatte weiter eskalieren lässt. Mit dem System der staatlich kontrollierten U-Untersuchungen von Kindern sind die Impfungen mit abgedeckt.

Übrigens: Von der Kontrolle Erwachsener spricht niemand. Dabei sind Auffrischungsimpfungen genau so wichtig wie die Erstimpfung. Hier hilft ohnehin nur Aufklärung.

Man kann das Ganze aber auch anders sehen...

Der Zwang zur Impfung muss kommen – will man die Masern endlich ausrotten. Meint Steven Geyer. Ein Kommentar, wieso wir Impfmuffel und Impfgegner zwingen müssen.

 

Bei so viel Unvernunft hilft nur noch die Pflichtimpfung

Von Jan Sternberg/RND