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Politik Im Zweifel sind wir alle nackt
Nachrichten Politik Im Zweifel sind wir alle nackt
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22:36 04.01.2019
Ein Mann fotografiert den ehemaligen Reichstag, heute Sitz des Deutschen Bundestages. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Berlin

Bis Freitag herrschte im politischen Berlin jene nach-feiertägliche Ruhe, die auch das Leben im übrigen Land prägt. Damit ist es nun vorbei. Der mutmaßliche „Hackerangriff“ auf Politiker, Journalisten und andere Prominente hat Parlament und Regierung in Angst und Schrecken versetzt.

Wie genau die Angreifer an die Daten gelangten, ist unklar. Doch einiges spricht dafür, dass sie bei Einzelpersonen ansetzten und dort all jene Informationen abgriffen, die sie kriegen konnten – in erster Linie bei Bundespolitikern. Zwar waren auch Bundestag und Bundesregierung insgesamt in den vergangenen Jahren Ziel von Attacken; aber vermutlich stammen die Daten nicht aus diesen. Das wiederum legt den Schluss nahe, dass die Aktion weniger auf Geheimdienste zurück geht, etwa auf russische, sondern von versierten Privatiers ausgeführt wurde. Ganz genau wird man das vermutlich nie erfahren.

Ziemlich sicher ist hingegen, aus welcher politischen Ecke der Angriff kam – nämlich aus der rechten bzw. rechtsradikalen. Dafür spricht nicht allein, wer ihm zum Opfer fiel und wer nicht, allen voran die AfD. Dafür spricht mindestens ebenso sehr, wie der Angriff in den sozialen Netzwerken von den einschlägigen Kreisen gefeiert wird. Da kennen Freude und Genugtuung keine Grenzen.

Der Vorgang belegt, was alle seit langem wissen, aber seit Freitag noch intensiver spüren – dass Daten zur Waffe in der politischen Auseinandersetzung werden können. Sie können digital ausgelesen und anschließend massenhaft digital verbreitet werden, ohne dass Sicherheitsbehörden dies verhindern könnten, zumindest nicht auf Anhieb. Es ist allerdings an den Anständigen auch in den Medien, die Weiterverbreitung solch schmutziger Daten nicht ebenfalls zu betreiben.

Dem folgt die vielleicht entscheidende Schlussfolgerung: Obwohl sich in den letzten Jahren immer mehr staatliche Institutionen um Cybersicherheit kümmern, scheint doch die tatsächliche Cybersicherheit in umgekehrt proportionalem Verhältnis zur Zahl eben dieser Institutionen zu stehen. Die Erkenntnis ist deshalb erneut ebenso banal wie brutal: Datenschutz ist mehr denn je Privatsache. Wer sich auf andere verlässt, der zahlt den Preis. Und dieser Preis kann hoch sein.

Immerhin greift an einem Tag wie diesem der berühmte Satz des Dichters Friedrich Hölderlin, der vom Leben viel und vom Internet nichts wusste. Er schrieb 1803 in seiner Hymne „Patmos“: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Die jetzt bekannt gewordene Attacke könnte jedenfalls, wie sich am Freitag ein Betroffener im Regierungsviertel ausdrückte, zum „Meilenstein für das Problembewusstsein vieler“ werden. Denn diese vielen haben gerade gesehen, wie man heute von der einen auf die andere Minute selbst in führender Position vor aller Augen nackt dastehen kann. Eine solche Erfahrung werden sich die allermeisten Deutschen gewiss ersparen wollen.

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Von Markus Decker/RND

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