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Politik CSU und SPD stürzen in Bayern ab - das amtliche Endergebnis
Nachrichten Politik CSU und SPD stürzen in Bayern ab - das amtliche Endergebnis
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08:20 15.10.2018
Verhaltener Applaus nach Markus Söders Rede. Die CSU hat bei der Landtagswahl ihre absolute Mehrheit verloren. Quelle: imago/Michael Trammer
München

Wahldebakel für CSU und SPD: Bei der Landtagswahl haben die beiden alten Volksparteien dramatische Verluste eingefahren. Die jahrzehntelang dominierende CSU von Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder verlor ihre absolute Mehrheit und braucht nun einen Koalitionspartner.

Die SPD mit Spitzenkandidatin Natascha Kohnen verzeichnet ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl und wurde nur noch fünftstärkste Kraft. Die Grünen dagegen erzielten einen Bayern-Rekord und bekamen die einzigen sechs Direktmandate, die nicht an die CSU gingen. Die AfD zieht zweistellig ins Maximilianeum ein und ist jetzt in 15 von 16 Landtagen vertreten. Die FDP erlebte eine Zitterpartie um die Rückkehr ins Parlament nach fünf Jahren Abwesenheit. Die Linke verfehlte die Fünf-Prozent-Hürde erneut.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erreichte die CSU mit einem Minus von 10,5 Prozentpunkten nur noch 37,2 Prozent - ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950. Die SPD halbierte mit Verlusten von 10,9 Punkten ihr Ergebnis von 2013 und landete bei 9,7 Prozent. Zweitstärkste Kraft wurden die Grünen mit 17,5 Prozent - mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu 2013. Es folgten die Freien Wähler mit 11,6 Prozent (plus 2,6 Prozentpunkte), dahinter die AfD mit 10,2 Prozent. Die FDP schaffte den Einzug ins Maximilianeum nach einer langen Zitterpartie am frühen Morgen mit 5,1 Prozent (plus 1,8). Die Linke scheiterte mit 3,2 Prozent (plus 1,1).

Hier geht es zum Liveticker zur Landtagswahl in Bayern

Daraus ergibt sich folgende Sitzverteilung: CSU 85, SPD 22, Grüne 38, Freie Wähler 27, AfD 22 und FDP 11. Fast drei Viertel (72,4 Prozent) der rund 9,5 Millionen wahlberechtigten Bayern hatten abgestimmt - deutlich mehr als bei der Landtagswahl 2013 (63,6 Prozent).

Seit 1962 hatte die CSU Bayern mit Ausnahme der Wahlperiode 2008 bis 2013 allein regiert. Nun hätte eine Koalition mit den Freien Wählern eine Mehrheit. Deren Chef Hubert Aiwanger sagte am Abend, seine Partei werde machbare Vorschläge vorlegen. „Und ich bin überzeugt, die CSU wird anbeißen.“ Auch ein schwarz-rotes Bündnis wäre möglich.

Eine komfortable Mehrheit hätte zudem eine schwarz-grüne Koalition. Die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze zeigte sich gesprächswillig: „Natürlich sind wir bereit, Verantwortung für dieses schöne Land zu übernehmen.“ Söder war jedoch skeptisch: „Inhaltlich sind die Grünen meilenweit entfernt.“ Er werde mit allen außer der AfD reden und strebe ein bürgerliches Bündnis an.

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Mit Blick auf die eigene Partei sagte Söder: „Das ist ein schmerzhafter Tag.“ Die CSU habe aber den klaren Regierungsauftrag erhalten. „Vom Bundestrend sich völlig abzukoppeln, ist nicht so leicht.“ Journalistenfragen nach der Verantwortung von Seehofer wich Söder aus. Dieser sagte im ZDF: „Natürlich habe ich als Parteivorsitzender auch Mitverantwortung für dieses Wahlergebnis.“ Über personelle Konsequenzen könne man gerne diskutieren. Für die Niederlage gebe es aber zahlreiche Ursachen - auch in München.

Gründe für den Absturz laut Analyse „hausgemacht“

Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen sind die Gründe für den Absturz der CSU aber „primär hausgemacht“. Die CSU zeige bei Regierungsbilanz, Parteiansehen und Sachkompetenzen Defizite und habe „ein erhebliches Personalproblem“: „Neben einem schwach bewerteten Ministerpräsidenten steht in Bayern ein massiv kritisierter Parteichef.“ Einer ARD-Analyse zufolge verlor die CSU jeweils 180 000 Wähler an Grüne und AfD sowie 170 000 an die Freien Wähler. Diesen Verlust dämpfte der Hinzugewinn von 200 000 bisherigen Nichtwählern.

Zum ersten Mal haben die Grünen der CSU Direktmandate abgerungen - fünf in München und eines in Würzburg. Zwei Direktmandate holte das Grüne-Spitzenduo aus Schulze und Ludwig Hartmann in München.

„Rückenwind, den hatten wir nicht“

SPD-Spitzenkandidatin Kohnen beklagte fehlende Unterstützung ihrer Partei aus Berlin. „Und Rückenwind, ja, den hatten wir nicht.“ Das Ergebnis sei ein Tiefschlag, sagte Kohnen. SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher sprach von einem Fiasko und Desaster.

Die scheidende Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) kritisierte offen den Kurs ihrer Partei in der jüngeren Vergangenheit. Man könne rechts gar nicht so viel gutmachen wie man in der politischen Mitte verliere. Die 73-Jährige flog nach mehr als vier Jahrzehnten aus dem Landtag.

AfD sucht nach Schuldigen

Die AfD hatte sich mehr erwartet - die niederbayerische Spitzenkandidatin Katrin Ebner-Steiner führte das Ergebnis auf die „Hetze der Altparteien“ zurück. „Da müssen wir das nächste Mal etwas präventiv eingreifen, dass wir keine offenen Flanken bieten können.“

Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CSU mit 47,7 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit geholt. Dahinter landete die SPD mit 20,6 Prozent, gefolgt von Freien Wähler mit 9,0 und Grünen mit 8,6 Prozent. FDP und Linke scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

Söder hatte das Amt des Ministerpräsidenten erst im März von Seehofer übernommen. Vorausgegangen war ein heftiger interner Machtkampf, der sich nach dem schlechten Abschneiden der CSU (38,8 Prozent) bei der Bundestagswahl 2017 verschärfte. Seehofer behielt aber den CSU-Vorsitz und wechselte als Innenminister ins Kabinett Merkel.

Von RND/dpa/ngo

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