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Nachrichten Politik Menschenrechtlerin wirft Justiz Sklavenarbeit vor
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12:41 30.06.2018
Menschenrechtlerin Olga Romanowa ist sich sicher: Gefangene in Russland werden ungerechtfertigt zu harter Arbeit gezwungen. Quelle: dpa
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Moskau

Eine Menschenrechtlerin hat der russischen Justiz vorgeworfen, Häftlinge auszubeuten. „Gefangene arbeiten wirklich sehr hart, ohne freie Tage und Pausen. Das ist auf dem Papier so nicht vorgesehen“, sagte Olga Romanowa von der Gefangenen-Hilfsorganisation Russland hinter Gittern (Rus Sidjaschtschaja) der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist Sklavenarbeit ohne Bezahlung. Und sie arbeiten nicht zum Wohle des Vaterlandes, sondern in die Taschen der Chefs.“

Menschenrechtler sehen demnach keine Verbesserung beim Kampf gegen Willkür und Korruption im russischen Strafvollzug. „Das System ist in sich geschlossen - daher sind auch die massive Verletzung von Menschenrechten und die Korruption in großem Stil möglich“, sagte Romanowa. Besonders viele Straflager gibt es im Westen der Republik Mordwinien, rund zweieinhalb Autostunden entfernt vom WM-Spielort Saransk. Am häufigsten würden Häftlinge in Nähereien eingesetzt.

Höchste Pro-Kopf-Quote von Häftlingen

Nach Angaben des russischen Justizministeriums erhielten arbeitende Häftlinge 2017 im Schnitt 229 Rubel (aktuell 3,16 Euro) pro Tag. Die russischen Strafvollzugsbehörde lehnte ein Interview ab und antwortete nicht auf eingereichte Fragen.

Russland hat die höchste Pro-Kopf-Quote von Häftlingen in Europa, auf 100.000 Einwohner kamen zuletzt 411 Gefangene. Die Behörden seien daran gewöhnt, Probleme durch Wegsperren zu lösen: „Wo kein Mensch, da kein Problem“, zitierte die Aktivistin ein in Russland geflügeltes Sprichwort. „Und ein Mensch in Haft ist genauso, als gebe es ihn nicht. Es trifft alle möglichen Gruppen: Politische, Unzufriedene, Asoziale, geistig Behinderte, Süchtige. Es ist einfacher, sie einzusperren als das Problem zu lösen.“

Von RND/dpa