Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik „Ein festes Renteneintrittsalter geht an der Lebenswirklichkeit vorbei“
Nachrichten Politik „Ein festes Renteneintrittsalter geht an der Lebenswirklichkeit vorbei“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:09 19.10.2018
Franz Müntefering (78), Ex-SPD-Chef, ist Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Quelle: imago/Chris Emil Janßen

Herr Müntefering, ist man heute mit 65 schon alt?

Nein, mit 65 ist man noch nicht alt. Wir Menschen leben heute länger als früher. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Es gibt in Deutschland inzwischen mehr als 5,5 Millionen über 80-Jährige. Die allermeisten von ihnen sind noch gut dabei.

Die Generation 65+ ist heute aktiver denn je. Gibt es bei den Älteren mehr Lust auf Neues?

Die Menschen hatten schon immer Lust auf Neues. Ich erinnere mich noch eine meine Jugend: Wer aus dem Sauerland wegzog, schenkte seinen Eltern ein Telefon, um in Kontakt zu bleiben. Das war damals das Neue. Seitdem hat sich viel verändert. Wichtig ist, dass auch die 65-Pluser noch teilnehmen an der Gesellschaft und nicht außen bleiben. Neu ist heute das Bewusstsein, dass man nicht das eigentliche Leben hinter sich lässt, wenn man aus dem Beruf ausscheidet. Zwischen 60 und 90 gibt es für viele noch 30 gute Jahre. Viele sind zivilgesellschaftlich engagiert.

Immer mehr Ältere in Deutschland arbeiten. Was steckt hinter dieser Entwicklung?

Das hat verschiedene Gründe. Die einen wollen gerne länger im Beruf bleiben. Die anderen versuchen in bezahlter Beschäftigung zu bleiben, um so mehr zu bekommen als nur die Grundsicherung. Ein fest fixiertes Renteneintrittsalter geht an der Lebenswirklichkeit vorbei. Die Menschen sind verschieden, gerade im Älterwerden. Berufe und Arbeitsbedingungen sind es auch.

Sie gelten als Vater der Rente mit 67, die haben Sie als Arbeitsminister eingeführt. Manche Experten sagen, man müsse noch darüber hinausgehen. Sie inzwischen auch?

Wir müssen flexibler werden. Auch wenn die Rente mit 67 erreicht ist, werden Arbeitnehmer mit mehr als 45 Beitragsjahren noch mit 65 in Rente gehen können, ohne jeden Abschlag. Ich bin dagegen, eine neue, höhere Altersgrenze zu setzen. Das faktische Renteneintrittsalter ist deutlich gestiegen. 1998 lag es bei 58 Jahren, inzwischen bei 63 im Schnitt, steigend, auch weil die Wirtschaft Ältere braucht.

Wie berechtigt ist Angst vor Altersarmut?

Es wird sehr viel Angst gemacht. Das ist nicht gut. Die allermeisten Renten werden auch in Zukunft ordentlich sein. Gerade in Haushalten, in denen mehrere Renten zusammenkommen. Wer darunter bleibt, muss stabilisiert werden. Die Grundsicherung ist das passende System.

Bei der Bundestagswahl war bereits ein Drittel der Wahlberechtigten älter als 65. Geben in Zukunft die Älteren politisch den Ton in der Republik an?

Die Älteren sind nicht egoistisch. Wir nennen unsere Interessen beim Namen. Das gehört zu Demokratie. Aber wir wissen und helfen dabei mit: Unsere Interessen dürfen nicht zu Lasten anderer Generationen gehen. Gerechtigkeit ist uns wichtig.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

Auch Piloten und Flugbegleiter können eine Arbeitnehmervertretung errichten – aber bislang nur durch Tarifvertrag. Arbeitsminister Hubertus Heil will ihnen diese Chance generell geben.

19.10.2018

Im Förderverein der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen sind die Risse nach der jüngsten Mitgliederversammlung nicht mehr zu kitten. Das sieht wohl auch der Stasiunterlagen-Beauftragte so.

19.10.2018

Die Koalition will das Kooperationsverbot lockern, FDP und Grüne wollen es zu Fall bringen. Die Oppositionsparteien wollen einer Grundgesetzänderung nur zustimmen, falls Union und SPD sich bewegen.

19.10.2018