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Politik „Reicher Besserwessi“: Friedrich Merz bei Anne Will in der Defensive
Nachrichten Politik „Reicher Besserwessi“: Friedrich Merz bei Anne Will in der Defensive
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08:10 19.11.2018
Friedrich Merz in der Sendung „Anne Will“ Quelle: Wolfgang Borrs/NDR/dpa
Berlin

Der Titel der Sendung lautete: „Das gespaltene Land – wer sorgt für Zusammenhalt?“ Anne Will hätte am Sonntagabend aber auch fragen können: Warum ist es im Sauerland so schön? Oder: Was kostet ein Privatflugzeug? Denn von den vier Gästen, die sie in ihre ARD-Talkshow eingeladen hatte, zählte nur einer – Friedrich Merz, einer der aussichtsreichsten Kandidaten im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz. Grünen-Chefin Annalena Baerbock, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Tagesspiegel-Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff waren offenbar eher als Garnitur gedacht.

Dass der Sauerländer der Star des Abends war, heißt wiederum nicht, dass er es einfach gehabt hätte. In gewisser Weise war sogar das Gegenteil der Fall.

Problemfall Privatflugzeuge

Zunächst wollte Will Merz zum Kronzeugen gegen die Politik von Kanzlerin Angela Merkel machen. Das funktionierte nur nicht. So wollte die Moderatorin wissen, ob es ein Fehler war, dass Merkel erst am Freitag nach Chemnitz gefahren ist, um mit den Bürgern der aufgewühlten Stadt zu sprechen. Merz erwiderte: „Es war gut, dass sie jetzt da war.“ Und angesichts der Bilder von den Hitlergruß zeigenden Männern in der Stadt fügte er hinzu: „Da läuft’s mir eiskalt den Rücken runter.“ Er wisse im Übrigen nicht, sagte Merz, ob er es an Merkels Stelle besser gemachte hätte. Nein, in die Rolle des Merkel-Kritikers ließ der Mann sich nicht bringen.

Mit Chemnitz war das Problem indes noch nicht umschifft. Denn da die Stadt in Ostdeutschland liegt, kam Will auf die Gesamtsituation dort zu sprechen. Hier behauptete der Westfale, zuletzt häufiger im Osten gewesen zu sein und Polikliniken schon immer gut gefunden zu haben. Er sprach ferner von einem anderen Erfahrungshorizont der Menschen und anderen politischen Strukturen. Doch überzeugend klang das nicht. Zudem sagte Merz den Satz, alle hätten unterschätzt, „wie lange der Integrationsprozess dauert“. Da fuhr ihm die Ostfrau Schwesig in die Parade. Sie wertete das Wort „Integration“ als Ausdruck mangelnder Augenhöhe. Viele Ostdeutsche dürften ihr da zustimmen.

Die dritte Gefahren-Zone der Sendung waren für den CDU-Politiker seine Tätigkeit als Aufsichtsratschefs des Vermögensverwalters Blackrock, sein Verdienst von einer Millionen Euro jährlich sowie seine Aussage, sich der gehobenen Mittelschicht zugehörig zu fühlen. Ja, Will nannte Merz – halb ernst, halb humorvoll – einen „reichen Besserwessi“. Und Schwesig setzte eilig nach, sie beneide ihn nicht um seine zwei Privatflugzeuge. Der Gescholtene gab sich als geerdeter Bewohner einer sauerländischen Kleinstadt zu erkennen, der sich mit Hilfe einer Stiftung zivilgesellschaftlich engagiere. Aber die Kluft zwischen seinem Millionen-Einkommen und dem deutschen Durchschnittslohn von knapp 3000 Euro monatlich, den kriegt er mit Worten halt schwer überbrückt. Da half auch Merz‘ launiger Hinweis nicht, unter anderem in einer Firma engagiert zu sein, die Taschentücher und Toilettenpapier herstelle.

Keine Achsenverschiebung nach rechts

Interessant war zu sehen, wie Merz versuchte, politisch Profil zu gewinnen, ohne dabei allzu sehr anzuecken. So bemerkte er sehr vorsichtig, es sei „bis heute nicht geklärt, auf welcher Rechtsgrundlage die Grenzen geöffnet wurden“. Er meinte, von Merkel geöffnet wurden. Als Baerbock ihm Paroli bot, ruderte Merz freilich zurück und sagte, er wolle nicht die Schlachten von gestern schlagen; und die Grenzöffnung sei ja zunächst auch eine „großartige humanitäre Geste“ gewesen. Als Merz erklärte, er wolle der AfD das Wasser abgraben, stellte er auf Widerspruch hin wiederum klar, dass er „keine Achsenverschiebung“ nach rechts wolle, sondern bloß eine Vergrößerung des Spektrum jener Christlich-Demokratischen Union, die er demnächst zu führen gedenkt – und das ebenfalls in Richtung der Grünen.

In der Summe war der Kandidat defensiver, als man ihn von früher kennt – was Anne Will zu der Feststellung veranlasste, er habe sich „die Themen nicht gegriffen“. Friedrich Merz bestritt dies gar nicht. Die Themen will er sich erst so richtig greifen, wenn die Wahl am 7. Dezember zu seinen Gunsten entschieden ist.

Von Markus Decker/RND

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