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Nachrichten Politik Schulze will den Coffee to go im Mehrwegbecher
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16:48 21.05.2019
„Wir Deutsche leben in einer Wegwerfgesellschaft“: Bundesumweltministerin Svenja Schulze will den Gebrauch von Mehrweg-Bechern ausbauen. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Berlin

Es sind eindrucksvolle Zahlen, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze am Dienstagmittag in Berlin vorstellt. Pro Stunde landen der SPD-Politikerin zufolge hierzulande 320.000 Einwegbecher im Müll – nachdem sie im Durchschnitt nur 15 Minuten in Gebrauch gewesen sind.

Zwar stellten die Plastikbecher an den rund 220 Kilogramm Verpackungsmüll, die jeder Bundesbürger pro Jahr produziert, nur einen geringen Anteil. Aber, so Schulze, der Einwegbecher tauge zum Symbol eines weitverbreiteten Lebenswandels: „Wir Deutsche leben in einer Wegwerfgesellschaft.“

Die SPD-Politikerin hat es zu ihrem Ziel erklärt, „überflüssige Einwegverpackungen so weit wie möglich zu verdrängen“. Denn einer von Schulze vorgestellten Studie des Bundesumweltamtes zufolge schaffen die jährlich in Deutschland ausgegebenen rund 2,8 Milliarden Becher und deren Deckel erhebliche Probleme – für kommunale Entsorger, aber auch für die Umwelt, in der sie oft genug achtlos landen.

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Um den Gebrauch von Einwegbechern zu verringern, setzt Schulze zuallererst auf die Zusammenarbeit mit Herstellern und Handel. Es gebe „ökologisch absolut sinnvolle Alternativen“, so Schulze, „nämlich Mehrwegbecher“.

Schulze will Hersteller sowie gastronomische Betriebe zur häufigeren Ausgabe von Mehrweg- statt Einwegbechern bewegen. Dies soll zunächst auf Grundlage freiwilliger Vereinbarungen geschehen. Doch „wenn die Industrie den freiwilligen Weg nicht mitgeht“, so Schulze, müsse man über andere Wege nachdenken. Andere Wege – die wären dann vor allem finanzieller Art. So ließen sich über das zu Jahresbeginn in Kraft getretene Verpackungsgesetz die Lizenzgebühren für Hersteller von Kunststoffartikeln anheben.

Wird der Kaffee teurer?

Denkbar sei zudem die Einrichtung eines „Vermüllungsfonds“: Bäcker, Kaffeeketten und weitere Verkaufsstätten sollten für Heißgetränke in Einwegbechern einen höheren Preis nehmen als für solche in Mehrwegbechern. Der Preisaufschlag käme dann den Kommunen zugute, um sie bei der Sammlung und Entsorgung der Plastikbecher zu unterstützen. Laut Umweltbundesamt stellen Einwegbecher inzwischen 15 Prozent des Müll-Volumens in kommunalen Abfalleimern.

Die Bundesumweltministerin kündigte zudem ein nationales Verbot von Bechern aus aufgeschäumtem Kunststoff an. Derlei Verpackungen sind in Deutschland deutlich seltener im Umlauf als im EU-Ausland; und wenn doch, dann werden meist Suppen darin transportiert und seltener Kaffee.

Die EU macht ernst

Ein solches Verbot erlaubt die von den EU-Staaten endgültig verabschiedete Richtlinie zum Verbot von Einweg-Plastik. Die Mitgliedstaaten haben nun zwei Jahre Zeit, die Vorgaben zur Verbannung von Einmal-Produkten, für die es Mehrweg-Alternativen gibt, in nationales Recht umzusetzen. Dazu zählen Plastikteller und -besteck sowie Strohhalme, Wattestäbchen und Luftballonstäbe.

Umweltministerin Schulze im Interview: „2019 muss das Jahr des Handelns werden“

Nach Ansicht der FDP im Bundestag ist Schulze eine „von EU-Richtlinien getriebene Ministerin“. „Erst Einwegplastik, jetzt Einwegbecher: Es reicht nicht, einzelne Produkte zu verteufeln oder zu verteuern“, sagte die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Judith Skudelny, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Wir brauchen einen intelligenteren Ansatz: Mit mehr Mülleimern im öffentlichen Raum, die öfter geleert werden und nicht ständig überfüllt sind, einer Kampagne zur Bewusstseinsbildung und Bußgelder für die unverbesserlichen Umweltsünder“, so Skudelny.

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Von Marina Kormbaki/RND

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