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Politik Boris Johnson gerät wegen Streit mit Freundin unter Druck
Nachrichten Politik Boris Johnson gerät wegen Streit mit Freundin unter Druck
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17:50 23.06.2019
Fragen zu einem Streit mit seiner Freundin, der einen Polizeieinsatz nach sich zog, brachten Boris Johnson bei einer Regionalkonferenz in Birmingham in Verlegenheit. Quelle: Ben Birchall/PA Wire/dpa
London

Der Favorit im Rennen um das Amt des britischen Premierministers, Boris Johnson, ist wegen unbeantworteter Fragen zu einem Polizeieinsatz bei seiner Wohnung in die Kritik geraten. Ein Nachbar hatte in der Nacht zu Freitag wegen eines lautstarken Streits die Polizei gerufen.

Mehrere Sonntagszeitungen in Großbritannien titelten mit der Weigerung des 55 Jahre alten Tory-Politikers, zu dem Vorfall Stellung zu nehmen.

Er hatte bei einer Regionalkonferenz der Konservativen Partei am Samstag in Birmingham mehrfach abgelehnt, sich zu Berichten über einen lautstarken Streit zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin zu äußern. Selbst erzkonservative Boulevardzeitungen wie die „Sun“, die hinter dem Bekanntwerden des Vorfalls eine „linke Verschwörung“ witterten, schlossen sich der Kritik an Johnsons Schweigen an. Der „Sunday Express“ titelte: „Warum sagt uns Boris nicht, was passiert ist?“

Polizei aus Sorge um Frau gerufen

Dem „Guardian“ liegt eine Audio-Aufnahme des Streitgesprächs vor. Scotland Yard hatte den Einsatz bestätigt, jedoch keine Namen genannt. Ein Anwohner habe aus Sorge um eine Nachbarin die Polizei verständigt, hieß es in einer Stellungnahme. Die Beamten hätten mit allen Bewohnern der betroffenen Wohnung gesprochen. Sie seien alle wohlauf gewesen und es habe keinen Anhaltspunkt für Vergehen oder Anlass zur Besorgnis gegeben.

Johnson und sein Konkurrent im Rennen um die Nachfolge von Theresa May, Außenminister Jeremy Hunt, präsentierten sich in Birmingham erstmals der Parteibasis. Bis Ende Juli sollen die geschätzt 160.000 Mitglieder der Konservativen Partei per Briefwahl über den neuen Parteichef und damit den Premierminister abstimmen.

„Boris Johnson war so enttäuschend“

„Ich fand Boris Johnson war so enttäuschend, es war unglaublich“, sagt der 74 Jahre alte Keith Jones nach der Veranstaltung. „Er plappert, er beantwortet die Frage nicht, er tut so, als sei es ein Witz“, klagt er. „Wie könnte er mit den Deutschen und Franzosen verhandeln, die würden ihn doch nicht ernst nehmen, oder?“ Er sei als Johnson-Enthusiast gekommen und gehe als Hunt-Enthusiast nach Hause, sagt er. Ähnlich äußern sich auch andere.

Hunt präsentiert sich als Mann der Vernunft. Die EU werde ihn zumindest anhören, wenn er neue Pläne vorlege, die eine Chance hätten, durchs Parlament zu kommen, prophezeit er. Einen EU-Austritt ohne Abkommen will er möglichst vermeiden, aber nicht ausschließen. Ob er die Mehrheit der konservativen Parteimitglieder mit dieser Botschaft überzeugen kann, bleibt fraglich.

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Von RND/dpa