Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik Die größte Gefahr für die Menschheit
Nachrichten Politik Die größte Gefahr für die Menschheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:54 23.09.2014
Quelle: dpa
Anzeige

Mit mehr als 100 Staats- und Regierungschefs haben die Vereinten Nationen versucht, auf ihrem Gipfel neuen Schwung in die Debatte um den Klimaschutz zu bringen. Auch namhafte Wissenschaftler und Hollywood-Stars reisten nach New York. Abgesandte aus allen Teilen der Welt forderten am Dienstag konkrete Schritte, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) vertreten.

Klimawandel bedroht den Frieden

Anzeige

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den Klimawandel die größte Gefahr in der Geschichte der Menschheit. «Wir haben uns noch nie solch einer Herausforderung gegenüber gesehen. Die menschlichen, ökonomischen und ökologischen Kosten des Klimawandels werden bald untragbar sein», sagte der Koreaner. «Der Klimawandel bedroht den so hart errungenen Frieden, unseren Wohlstand und die Chancen für Milliarden Menschen. Er ist die prägende Aufgabe unserer Zeit. Unsere Antwort wird die Zukunft entscheiden.» Ban forderte alle Regierungen auf, bis zum Klimagipfel in Paris zum Ende des nächsten Jahres «ernsthafte Zusagen» zur Reduzierung ihres CO2-Ausstoßes zu machen.

DiCaprio fordert zum Handeln auf

Der Hollywood-Star Leonardo DiCaprio (39) hat die Teilnehmer des UN-Klimagipfels eindringlich zum Handeln aufgefordert. «Dieses Gremium muss vielleicht mehr als irgendein anderes Gremium jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit diese schwierige, aber machbare Aufgabe angehen», sagte DiCaprio, der in der vergangenen Woche zum UN-Sonderbotschafter ernannt worden war, am Dienstag am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. «Sie können Geschichte schreiben, oder von der Geschichte verteufelt werden. (...) Mein Job ist es, Dinge vorzuspielen. Ihrer nicht.»

Regierungen und Industrie auf der ganzen Welt müssten «sofort entschiedene und deutliche Maßnahmen treffen». Der Klimawandel sei die «größte Herausforderung der Menschheit» und keine rein politische Angelegenheit, «sondern es geht dabei um unser Überleben», sagte DiCaprio. «Ich spreche nicht als Schauspieler, sondern als besorgter Bürger.»

EU verspricht verbindliche Klimaziele

Zuvor hatte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso verbindliche Klimaziele der Europäischen Union und Unterstützung von Entwicklungsländern versprochen. Bis 2030 würden die Länder der EU 40 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen und 30 Prozent ihres Energieaufwands einsparen, so Barroso in New York. Bis 2050 sollen sogar bis zu 95 Prozent der Emissionen eingespart werden. "Die EU wird bereit sein", sagte Barroso. "Wir werden in diesem entscheidenden Kampf nicht versagen."

Entwicklungsländern versprach der EU-Kommissionschef zudem in den kommenden sieben Jahren finanzielle Subventionen in Höhe von drei Milliarden Euro zur Unterstützung ihres Aufbaus von nachhaltigen Energieformen.

Vorbereitung des Weltklimavertrags 2015

Die Veranstaltung auf Einladung des UN-Generalsekretärs soll einem angestrebten Weltklimavertrag für über 190 Staaten den Weg ebnen. Er soll Ende 2015 bei der UN-Klimakonferenz in Paris verabschiedet werden und 2020 in Kraft treten. Ziel ist eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad. Sie ist in erster Linie dem Ausstoß von Treibhausgasen geschuldet.

Bis zum Ende des 1. Quartals 2015 sollen alle Staaten ihre Treibhausgas-Minderungsziele für den Weltklimavertrag mitteilen. Mitmachen sollen auch die USA und China, die sich bisher gegen verbindliche Vorgaben sperren.

Al Gore wirbt für erneuerbare Energien

Der frühere US-Vizepräsident Al Gore hat auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen für erneuerbare Energien geworben. «In wenigen Jahren werden 80 Prozent der Menschheit in Gebieten leben, in denen Strom aus Photovoltaik billiger ist als herkömmliche Energie. Dieser Markt boomt», sagte Gore am Dienstag in New York.

«Ein Grad Celsius ist der Unterschied zwischen Eis und Wasser. Die nächste Generation lebt in der Welt, über die wir heute entscheiden.» Unsere Kinder könnten uns zwei Fragen stellen, je nach dem Weg, den die Menschheit jetzt gehe, sagte Gore: «Wenn wir nichts tun, werden sie uns fragen: Was habt Ihr Euch dabei gedacht? Wir können aber auch dafür sorgen, dass sie fragen: Wir habt Ihr damals den Mut gefunden, den Kurs zu ändern?» Alles, was die Menschheit brauche, sei politischer Wille. «Und das ist ein nachwachsender Rohstoff.»

Potsdamer Klimaforscher dämpft die Erwartungen

Der führende Klimaforscher und Regierungsberater Hans-Joachim Schellnhuber dämpfte vor dem Gipfel die Erwartungen. "Mehr als positive Stimmungsimpulse für die Klimaverhandlungen werden in New York kaum gelingen", sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Er zeigte daher auch Verständnis für das Fehlen der Kanzlerin. Sie werde sicher teilnehmen, wenn es wirklich ans Eingemachte gehe, also in Paris 2015. Bei der Erderwärmung hätten die Domino-Effekte längst eingesetzt. "Aber wie viele Steine wie schnell fallen, hängt immer auch von unserem Handeln in den nächsten Jahrzehnten ab - wenn wir die Zwei-Grad-Linie halten, sind die Risiken wohl noch beherrschbar."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist in New York nicht dabei. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verteidigte das Fehlen der Kanzlerin. Die Bundesregierung sei bei dem Treffen mit ihrer Person und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) "bestens vertreten", sagte Hendricks der "Frankfurter Rundschau". Merkel bleibe weiter "Klimakanzlerin".

Merkels Fehlen eine "Blamage für die deutsche Politik"

Die Grünen kritisierten die Absage Merkels als "Blamage für die deutsche Politik". "Die Absage zeigt, wie wenig die Bundesregierung mit Klimaschutz und internationaler Solidarität am Hut hat. Sie betreibt Klientelpflege statt Klimaschutz", sagte Parteichefin Simone Peter der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Für das New Yorker Treffen forderte Hendricks ein breites "Bekenntnis zum Fahrplan zum Paris-Protokoll", das Kyoto ablösen soll. "Alle Staaten sollen bis März 2015 ihre eigenen, möglichst ambitionierten Klimaziele für das Zieljahr 2030 vorlegen. So entsteht eine Basis für den globalen Vertrag", sagte sie. Außerdem erwarte sie, dass eine Reihe von Ländern Gelder für den neuen Klimafonds bereitstellten, der den Entwicklungsländern Hilfen für Anpassung und klimafreundliches Wirtschaften gibt. Deutschland hat angekündigt, 750 Millionen Euro einzuzahlen. "Auch da gehen wir mit gutem Beispiel voran", sagte sie.

Anzeige