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Politik US-Armee soll Cyber-Angriff gegen Iran ausgeführt haben
Nachrichten Politik US-Armee soll Cyber-Angriff gegen Iran ausgeführt haben
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11:44 23.06.2019
Ajatollah Ali Chamenei, geistlicher Führer des Iran, wird durch eine Ausstellung der Luft- und Raumfahrtdivision der Revolutionsgarde geführt (Archivfoto). Quelle: Uncredited/Office of the Iranian
Washington

Nach dem Abschuss einer US-Drohne durch den Iran haben amerikanische Streitkräfte einem Medienbericht zufolge einen Cyber-Angriff gegen die iranischen Revolutionsgarden ausgeführt.

Die „Washington Post“ berichtete am Samstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf informierte Kreise, der Angriff am Donnerstagabend habe Computersystemen der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) gegolten, die zum Abschuss und zur Kontrolle von Raketen genutzt würden. US-Präsident Donald Trump habe den Cyber-Angriff genehmigt gehabt.

Die IRGC hatten in der Nacht zu Donnerstag eine US-Überwachungsdrohne mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Trump hatte einen für Freitag vorbereiteten Gegenschlag nach seinen Worten wenige Minuten vor dessen Ausführung gestoppt.

Die „Washington Post“ berichtete nun, das US-Verteidigungsministerium habe den Cyber-Angriff vorgeschlagen, nachdem die USA die IRGC für Attacken auf zwei Öltanker im Golf von Oman Mitte des Monats verantwortlich machten. Der US-Angriff auf die Computersysteme sei über Wochen oder gar Monate vorbereitet worden.

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Die Zeitung schrieb weiter, der Angriff durch das Cyber-Kommando der US-Streitkräfte habe zwar militärische Kontrollsysteme der Revolutionsgarden im Iran lahmgelegt, aber nicht zu Opfern geführt. Trump hatte einen für vergangenen Freitag geplanten konventionellen Angriff auf den Iran gestoppt, weil er die nach seinen Angaben 150 befürchteten iranischen Todesopfer im Vergleich zum Abschuss eines unbemannten Flugzeugs für unverhältnismäßig hielt.

Die „Washington Post“ berichtete, das US-Heimatschutzministerium habe Industrievertreter und Behörden am Samstag davor gewarnt, dass der Iran seine Cyber-Angriffe auf wichtige Branchen wie etwa den Energiesektor verstärkt habe. Der Iran habe das Potenzial, Computersysteme zu stören oder zu vernichten.

Trump kündigt neue Sanktionen gegen Iran an

Derweil kündigte der US-Präsident neue schwere Sanktionen gegen das Land an. An diesem Montag würden „bedeutende zusätzliche Sanktionen“ verkündet, schrieb Trump am Samstag auf Twitter. Er stellte zugleich in Aussicht, die Strafmaßnahmen wieder außer Kraft zu setzen – als Bedingung dafür hatte er zuvor genannt, dass sich die Führung in Teheran dauerhaft dazu verpflichten müsse, keine Atombombe zu bauen. Trump schrieb, er freue sich auf den Tag, wo die Sanktionen wieder aufgehoben würden – „je früher, desto besser“.

Zu seinem Angebot an Teheran sagte Trump vor Journalisten: „Wenn sie dem zustimmen, werden sie ein wohlhabendes Land haben, sie werden so glücklich sein, und ich werde ihr bester Freund sein.“ In Anlehnung an seinen alten Wahlkampfslogan „Make America Great Again“ („Macht Amerika wieder großartig“) fügte er hinzu: „Wir werden es „Make Iran Great Again“ nennen, ergibt das Sinn? „Make Iran Great Again“, das ist in Ordnung für mich.“

Weiter sagte Trump mit Blick auf die von streng muslimischen Geistlichen kontrollierte iranische Führung, es könne sehr schnell einen Deal geben. Das liege an ihnen. „Aber wenn sie sich dumm benehmen, wird das nie passieren.“ Trump flog am Samstag per Hubschrauber nach Camp David im US-Bundesstaat Maryland, wo er bei Treffen und Telefonaten über die Iran-Krise berate wollte.

Offen blieb zunächst, welche neuen Sanktionen kommen sollen. Trump sagte, bereits die derzeitigen Wirtschaftssanktionen hätten den Iran hart getroffen, nun würden „viele weitere“ folgen. „Iran ist im Augenblick ein wirtschaftliches Chaos, sie gehen durch die Hölle.“ Die USA würden nicht zulassen, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.

Trump: Angriff gegen Iran nicht abgesagt – nur gestoppt

Die seit Monaten andauernden Spannungen zwischen dem Iran und den USA hatten sich Ende der Woche gefährlich zugespitzt. Der Iran schoss am Donnerstag zuerst eine Aufklärungsdrohne ab, die nach Angaben aus Teheran den Luftraum des Landes verletzt und auf Warnungen nicht reagiert hatte. Nach US-Angaben flog das unbemannte Flugzeug dagegen in internationalem Luftraum.

Die USA bereiteten nach dem Abschuss der Drohne einen Gegenschlag für Freitag vor, den Trump nach seinen Worten nur zehn Minuten zuvor stoppte. Er begründete das mit der erwarteten Zahl von 150 Todesopfern im Iran. Trump verteidigte seine Entscheidung am Samstag und betonte zugleich, die militärische Option sei „immer auf dem Tisch, bis wir das gelöst bekommen“. In der Nacht zum Sonntag twitterte er. „Ich habe den Angriff gegen Iran nicht ’Zurückgerufen’, wie falsch berichtet wird. Ich habe ihn nur zum damaligen Zeitpunkt gestoppt“.

Trump bekräftigte, der Tod so vieler Menschen wäre unverhältnismäßig gewesen im Vergleich zum Abschuss eines unbemannten Flugzeugs. „Ich habe viele Freunde, die Iraner sind“, sagte er. „Ich will nicht 150 Iraner töten.“ Der Präsident fügte hinzu: „Jeder hat gesagt, ich bin ein Kriegstreiber, und jetzt sagen sie, ich bin eine Taube. Und ich denke, ich bin keins von beidem, wenn Sie die Wahrheit wissen wollen. Ich bin ein Mann mit gesundem Menschenverstand. Und das ist es, was wir in diesem Land brauchen.“

Iran will wegen Aufklärungsdrohne juristisch gegen USA vorgehen

Der Iran will unterdessen wegen der angeblichen Verletzung seines Luftraumes durch die abgeschossene US-Drohne juristisch gegen die USA vorgehen. Das kündigte die Vizepräsidentin und Leiterin der Rechtsabteilung im Präsidialamt, Lejla Dschonejdi, am Sonntag an. „Eine Spionagedrohne in den iranischen Luftraum zu schicken, ist ein klarer Verstoß Washingtons gegen internationales Recht, und daher erwägen wir auch, rechtliche Schritte gegen die USA einzuleiten.“

Dennoch sollten alle Seiten versuchen, eine Eskalation der Krise oder gar einen Krieg zu vermeiden, so die Vizepräsidentin laut Nachrichtenagentur Tasnim. Die iranische Führung will den Vereinten Nationen „unwiderlegbare Beweise“ für eine Verletzung seines Luftraums vorlegen. Außenminister Mohamed Dschwad Sarif hat bereits auf Twitter Koordinaten veröffentlicht, die belegen sollen, dass die US-Drohne vor ihrem Abschuss durch iranische Revolutionsgarden in iranischem Luftraum geflogen sei.

Von RND/dpa