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Politik USA-Experte: Obama angedeutet kollegial – Trump Mittelpunkt der Erde
Nachrichten Politik USA-Experte: Obama angedeutet kollegial – Trump Mittelpunkt der Erde
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16:25 30.10.2019
Der Vergleich. Quelle: imago images/ZUMA press/Shealah Craighead/The White House

Prof. Hochgeschwender, nach dem Einsatz gegen den Chef der Terrormiliz „Islamischer Staat“, al-Bagdadi, hat das Weiße Haus ein Bild von Donald Trump veröffentlicht, wie er gemeinsam unter anderem mit seinem Vizepräsidenten die Ereignisse am Bildschirm verfolgt. Was ist das für ein Bild?

Es handelt sich zunächst einmal um ein sehr statisches Bild, das vom Charakter her etwas langweilig ist, weil es im Grunde keinerlei Bezug zu dem Ereignis hat, auf das es sich bezieht. Man sieht fünf Personen, die relativ deutlich mit Trump in der Mitte abgebildet werden. Verglichen mit dem Bild der Obama-Administration während der Jagd auf Osama bin Laden, was deutlich dynamischer war, sehen wir ein sehr statisches Foto.

Was sieht man dort genau?

Was auf gar keinen Fall sein kann, ist, dass die sechs Männer in diesem Moment etwas von den Ereignissen sehen, denn sie schauen alle auf die Fotografin. Und wenn da wirklich ein Bildschirm wäre, stünde die Fotografin genau davor. Von der Darstellung her ist es sehr zweifelhaft, was dieses Foto darstellen soll. Bei dem Obama-Bild ist viel klarer, um welches Ereignis es geht und dass es sich um etwas Dramatisches handelt.

Das Obama-Bild ist ein Bild in Action …

Ja, wobei man natürlich auch sagen muss, dass Barack Obama ein Meister der Selbstinszenierung war. Er hatte ein sehr starkes Gespür dafür, was er der Öffentlichkeit zeigen wollte und was nicht. Solche Fotos kommen ja nicht einfach, sondern man will, dass sie der Öffentlichkeit gezeigt werden. Obama wollte also auch die Dynamik zeigen und das Teamwork, es ist ja ein Kollektiv, das hier tätig ist, zwar nicht mit Obama in der zentralen Position, aber trotzdem sieht ihn jeder. Und das Ganze vor dem Hintergrund, dass sich offenbar gerade etwas sehr Dramatisches abspielt, was ja vor allem Hillary Clinton mit ihrer Körpersprache signalisiert. Insofern ist das Foto ein Gesamtkunstwerk, das an die Öffentlichkeit gegeben wurde, um dann auch die Öffentlichkeit für sich einzunehmen. Gerade auch mit seinen Zeichen von Aufregung, von Mitgefühl, von Entsetzen, von interessiertem Zuschauen.

Ex-US-Präsident Obama im Situation Room. Quelle: AP

Und das ist bei dem Trump-Bild anders?

Bei Trump sehen wir ein Bild, das typisch ist für Trump. Es zeigt im Wesentlichen ihn. Alles ist auf ihn zentriert, alle schauen starr in die Kamera. Und er steht im Mittelpunkt von allem. Im Grunde geht es um Trump und nicht um die Tatsache, dass da gerade al-Bagdadi gejagt wird.

Donald Trump im Situation Room. Quelle: imago images/ZUMA Press

Aus welchem Grund werden solche Bilder überhaupt veröffentlicht?

Sie sollen Führungsstärke demonstrieren. Das sieht man übrigens auch auf dem Obama-Bild. Obwohl er nicht im Mittelpunkt steht, richtet sich der Blick auf ihn.

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Warum noch?

Zum anderen vermittelt es Authentizität und Unmittelbarkeit. Das hat man ja bei früheren Präsidenten auch schon gesehen. Es gibt ein Bild von John F. Kennedy während der Kuba-Krise, wie er und sein Bruder mit entschlossenen Gesichtern da sitzen und darüber diskutieren, was die nächsten Operationen sein werden. Man will dem Publikum vermitteln, es sei dabei gewesen und habe den authentischen Entscheidungsprozess miterlebt.

Aber man ist doch auch bei Trump dabei.

Nein, genau das ist das Problem an dem Trump-Bild. Man bekommt diesen Eindruck überhaupt nicht. Wir sehen sechs Männer, die starr in die Kamera schauen, und das vermittelt nicht das, was solche Bilder vermitteln sollen – was an der Selbstdarstellung von Trump liegt.

In den USA wird Trump für sein Handeln aber zum Teil auch gefeiert.

Es gibt Kommentatoren, die betonen, dass Trump mitgeholfen hat, al-Bagdadi zu fassen. Ich bitte Sie: Er hat zugesehen, mehr nicht. Geholfen haben und aktiv waren die Geheimdienste und die Spezialeinheiten des amerikanischen Militärs, unterstützt von den Kurden, die man gerade verraten hat, den Türken, den Russen und den Syrern. Insofern war Trump genauso wie Obama Zuschauer.

Sie haben eine Gemeinsamkeit schon genannt. Eine weitere ist, dass beide Präsidenten bei der jeweiligen Operation zusehen wollten – und sie wollten, dass ihnen beim Zusehen zugesehen wird.

Das ist das Entscheidende. Und da steht auch wieder die Idee im Mittelpunkt, sie seien wichtig für diese Operation. Sonst könnte man ja auch sagen, wir organisieren eine Ordensverleihung, und im Mittelpunkt stehen die Soldaten, die die Operation durchgeführt haben. So schieben sich immer diese Bilder vor die Aktion der Soldaten. Und das betrifft nun tatsächlich Trump und Obama. Obama kann man davon nicht ausnehmen. Er hat sich und sein Sicherheitskabinett ebenfalls in den Mittelpunkt gedrängt – und damit diejenigen, die eigentlich gehandelt haben, an den Rand.

Kann man anhand der Bilder den Stil der beiden Präsidentschaften miteinander vergleichen?

Ich glaube, dann würde man sie überinterpretieren. Es geht um den Vergleich der intendierten Selbstdarstellung. Bei Obama ist es das Element des angedeuteten Kollegialen, während Trump immer der Mittelpunkt der Erde ist. Dass auch Obama im Grunde ein autoritärer Präsident war, der im Weißen Haus ziemlich herumgefuhrwerkt hat, kommt in den Fotos nicht zum Ausdruck. Weil Obama ein besseres Gespür dafür hatte, dass man auch die Schattenseiten seines Charakters in der Darstellung nach außen treten lässt. Während Trump kein Empfinden dafür oder kein Interesse daran hat, wie er wirkt. Interessanterweise hat er dann aber doch ein Gespür dafür, dass die Wähler, die ihn sowieso wählen, das alles auch noch ganz toll finden. Insofern beobachten wir eine gewisse Ambivalenz in der trumpschen Selbstdarstellung.

Auffällig ist, dass auf dem Trump-Bild keine Frauen zu sehen sind, obwohl doch angeblich die CIA-Chefin im Raum gewesen sein soll.

Ja, das habe ich auch gelesen. Wobei insgesamt ja noch etwas ungeklärt ist, wann genau die Trump-Fotografin das Bild geschossen hat. Es bleibt unklar, welchen Zeitpunkt wir hier genau haben: vor der Operation, mittendrin oder nachher? Und wer befindet sich noch im Raum? Das ist alles ungeklärt. Die Tatsache, dass sich keine Frauen im Raum oder zumindest auf dem Foto befinden, sagt etwas über Trump aus: Es ist eine sehr männliche Welt, die Trump repräsentiert. Obwohl er ja mit sehr vielen Frauen zusammenarbeitet – vor allem in der Medienarbeit. Nun hängt es bei Obama auch damit zusammen, dass Hillary Clinton damals gerade Außenministerin war, und deshalb an prominenter Stelle sitzt. Wäre zu dem Zeitpunkt ein Mann Außenminister gewesen, würde das Bild unter Gendergesichtspunkten auch anders aussehen. Ich möchte aber noch hinzufügen, dass ich die Debatte um das Foto ein wenig übertrieben finde.

Warum das?

Ob das Bild nun langweilig ist oder gelungen, bleibt im Grunde irrelevant – verglichen mit dem, was passiert ist, nämlich dass al-Bagdadi erschossen wurde oder sich selbst in die Luft gesprengt hat. Das Obama-Foto mag von der Komposition her das bessere sein, aber entscheidend ist doch das, was passiert ist.

Wo sehen Sie das Problem?

Das Trump-Bild lenkt in doppelter Sicht vom Geschehen ab. Zum einen konzentriert sich alles wieder auf Trump und seine Selbstdarstellung, zum anderen lenkt es von der Rede und den Antworten ab, die Trump nach seiner Rede auf Fragen von Journalisten gegeben hat. Die waren politisch viel problematischer, als es dieses Foto jemals sein kann. Was Trump dabei gesagt hat, dürfte in Teilen erfunden sein, vermutlich haben nicht einmal die Soldaten in dem Tunnel mitbekommen, wie es al-Bagdadi in seinen letzten Sekunden ergangen ist.

Sie kritisieren, dass Trump unter anderem gesagt hat, al-Bagdadi sei wie ein Feigling gestorben.

Ja, der Westen geht sehr fahrlässig mit dem Begriff „Feigling“ um, was aus dem Munde eines Mannes, der sich vor Vietnam gedrückt hat, noch fahrlässiger klingt. Wir wissen einfach nicht, was in den letzten Augenblicken vor al-Bagdadis Tod passiert ist. Vermutlich hatte er Angst, aber wir können es nicht mit Bestimmtheit sagen. Und auch Trump weiß es nicht. Selbst Trumps Verteidigungsminister hat im Nachgang gesagt, er wisse nicht, woher Trump diese Informationen hat.

Zur Person: Michael Hochgeschwender ist Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er veröffentlichte 2016 das Buch „Die Amerikanische Revolution. Geburt einer Nation 1763–1815“ (C. H. Beck, 512 Seiten, 29,95 Euro) und ist einer der profiliertesten USA-Experten in Deutschland.

Von Kristian Teetz/RND

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