Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik Wahl in Argentinien: Strahlender Sieger mit großer Fallhöhe
Nachrichten Politik Wahl in Argentinien: Strahlender Sieger mit großer Fallhöhe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:23 28.10.2019
Der Siegestaumel ist groß. Viele Argentinier sehen in ihm den Heilsbringer nach langer Krise: Alberto Fernandez, Präsidentschaftskandidat der Peronisten. Quelle: Fernando Gens/dpa
Buenos Aires

Kurz vor Mitternacht strömten die Menschen zum Obelisken: „Wir haben uns unser Land zurückgeholt“, sagt Fernando Rodriguez und stürzt sich in den Freudentaumel. Es sind ein paar Tausend Menschen gekommen, um den Sieg des linken Oppositionskandidaten Alberto Fernandez zu feiern. Es wird getrommelt, getanzt, gefeiert. Mit rund 48 Prozent hat sich Fernandez gegen den konservativen Amtsinhaber Mauricio Macri (40 Prozent) durchgesetzt. Ein klarer, aber kein vernichtender Sieg wie noch nach den Vorwahlen vor ein paar Wochen zu erwarten war, als die beiden Spitzenkandidaten satte 15 Prozent trennten.

Als das Wahlergebnis noch gar nicht feststand, kämpfte sich Alberto Fernandez im Auto von seiner Luxuswohnung im Nobelviertel Puerto Madero in Richtung Lager seiner Anhänger. Dutzende Reporter drückten die Kameras und Mikrofone durch das Seitenfenster. „Passt auf, Passt auf“, rief Fernandez angesichts des schier erdrückenden Chaos erschrocken. Es war ein Vorgeschmack auf das, was auf ihn nun zukommt. Ganz Argentinien und auch der Rest Lateinamerikas schaut in diesem Moment auf den neuen starken Mann im „Casa Rosada“, dem Regierungssitz in Buenos Aires.

Als Heilsbringer verehrt - doch die Herausforderungen sind riesig

Fernandez wird von seinen Wählern als Heilsbringer verehrt. Er hat ihnen im Wahlkampf ein anderes, ein neues Land versprochen und zugleich auch eine Rückkehr zu alten Verhältnissen in Aussicht gestellt. “Vor vier Jahren haben wir gehört, dass sie gesagt haben, sie kommen nie wieder, aber wir sind über Nacht zurückgekehrt und wir werden besser sein“, rief Fernandez am Abend zu. Doch ab sofort werden keine populistischen Schlachtrufe mehr reichen, Fernandez muss Entscheidungen treffen.

Die Herausforderungen sind riesig: Es droht wieder einmal eine Hyperinflation, die argentinische Wirtschaft lahmt, er muss sich gegenüber der Linksdiktatur Venezuela und sich zu den umstrittenen Wahlen in Bolivien positionieren. Von nun an ist Fernandez nicht mehr Angreifer, sondern selbst angreifbar. Und er hat mit der unter Korruptionsverdacht stehenden Vize-Präsidentin Cristina Kirchner ein machtbewusstes Alphatier im Rücken, die auch ihre Ansprüche stellen wird. Diejenigen, die Fernandez nicht gewählt haben, werden genau hinsehen wie die nun vom Duo Fernandez/Kirchner personell bestückte Justiz mit den Korruptionsvorwürfen umgeht.

Mehr zum Thema

Korruption: Ex-Präsidentin Kirchner angeklagt

Was im allgemeinen Siegestaumel untergeht

Fernandez hat die Messlatte hochgelegt und wird sich daran messen lassen müssen. Er will die Armut und den Hunger spürbar reduzieren. Rund 40 Prozent der Argentinier leben in Armut, diese Menschen erwarten dringend Hilfe. Die Armutsbekämpfung hatte der glücklose Macri auch schon versprochen. Dessen Wirtschaftspolitik ist gescheitert, er hat es nicht verstanden, die Bevölkerung für einen schmerzhaften Sparkurs zu gewinnen. Vor allem aber hat er nie einen Draht zu den armen Bevölkerungsschichten knüpfen können. Er hatte ihnen nichts anzubieten.

Im allgemeinen Siegestaumel gehen zwei Dinge fast unter: In der Hauptstadt Buenos Aires feierte der konservative Bürgermeister Horacio Rodriguez Larreta einen historischen Wahlsieg. Ihm wird nun eine wichtige Rolle als Oppositionsvertreter zufallen. Und mit den 40 Prozent ist der Sockel für eine gesunde Oppositionsarbeit gelegt, die magische 50 Prozent-Grenze hat Fernandez nicht überspringen können. Die Mehrheit der Argentinier hat Fernandez nicht gewählt.

Mehr zum Thema

Krisengespräche im Krisenland – Buenos Aires rüstet sich gegen Gewalt

Wie antwortet Argentinien auf die langjährige Krise?

Argentinien braucht nun schnelle Antworten auf eine Krise, die bereits weit vor Macris Amtszeit begann. Noch am Abend meldete sich die Zentralbank zu Wort und versucht mit ersten Maßnahmen die Lage zu beruhigen. Das Land braucht das Geld ausländischer Investoren, das Kapital des Internationalen Währungsfonds, aber genau das betrachtet das Fernandez-Lager als Teufelswerk. Sie geben dem Neoliberalismus und dem Kapitalismus die Schuld.

Bleibt ein anderer Investor, der sich in Lateinamerika schon überall eingekauft hat: China. Peking stellt zum Beispiel keine Fragen, wenn es um die Förderung von klimafeindlichem Erdöl und Gas geht, oder den umweltfeindlichen Bergbau. Auch darauf will Fernandez weiter setzen. Er hat trotz Klimawandelaus aus wirtschaftlichen Gründen gar keine andere Wahl.

Von Tobias Käufer/RND

Der brutale IS-Anführer Abu Bakr Al-Bagdadi ist tot. Unter dem Druck von US-Spezialkräften nahm er sich das Leben, wie Donald Trump am Sonntag verkündete. Der US-Präsident inszeniert den Schlag als Ende des IS, doch die ausländische Presse warnt einhellig davor, nun nachlässig zu werden.

31.10.2019

Einen Tag nach dem Absturz der CDU bei der Thüringer Landtagswahl gibt es in der Partei heftige Kritik an Parteichef und Spitzenkandidat Mike Mohring. Im Mittelpunkt steht dessen vorsichtige Öffnung für ein Regierungsbündnis mit der Linkspartei. Vize-CDU-Chef Mario Voigt warnt, die Partei riskiere, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.

28.10.2019

Vor allem zwei Parteien gelang es bei der Thüringer Landtagswahl, den Mitbewerbern Wähler abzuwerben. Keiner konnte mehr frühere Nichtwähler an die Wahlurnen bewegen als die AfD. Die Wählerwanderung im Überblick.

28.10.2019