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14:26 17.02.2019
US-Vizepräsident Mike Pence: „Das iranische Regime befürwortet einen weiteren Holocaust und versucht ihn auch zu erreichen.“ Quelle: Tobias Hase/dpa
Teheran/Tel Aviv

US-Vizepräsident Mike Pence hat dem Iran auf der Münchner Sicherheitskonferenz vorgeworfen, einen neuen Holocaust zu planen. Wörtlich sagte er: „Das iranische Regime befürwortet einen weiteren Holocaust und versucht ihn auch zu erreichen.“ Was hat es damit auf sich?

Das Wort „Holocaust“ stammt von dem griechischen Wort „holókaustus“ und bedeutet „völlig verbrannt“. Als Holocaust bezeichnet man im deutschen Sprachgebrauch vor allem die systematische Ermordung von etwa sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten.

„nuclear holocaust“ – eine Zerstörung durch Atomwaffen

Das gilt auch im Englischen. Dort wird allerdings auch heute noch der Begriff „nuclear holocaust“ verwendet. Er steht für eine umfassende Zerstörung durch Atomwaffen. Der damalige US-Präsident George W. Bush warnte 2007 in einer Rede, der Iran könnte durch seine Atompolitik den Nahen Osten „unter den Schatten eines nuklearen Holocausts“ stellen. In dieser Linie steht nun auch der Vorwurf von US-Vizepräsident Pence.

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Israel ist der Erzfeind Nummer eins des Irans, und die Zerstörung des Staates Israel und die „Befreiung Palästinas“ gehören seit 40 Jahren zur außenpolitischen Doktrin des Landes. In Israel leben zudem mehr als sechs Millionen Juden.

Auch Netanjahu stellte Bezug zum Holocaust her

Das veranlasste auch schon Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dazu, die Drohungen aus dem Iran mit dem Holocaust in Beziehung zu setzen. Bei seinem Moskau-Besuch im Mai 2018 sagte er: „Es ist schwer zu glauben, dass es 73 Jahre nach dem Holocaust bei uns im Nahen Osten ein Land gibt - den Iran -, das offen dazu aufruft, den Staat Israel zu zerstören.“

Israel versucht nach eigener Aussage, eine Etablierung des Irans im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien zu verhindern, und greift dort immer wieder Stellungen der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) an.

Grenze zum Antisemitismus überschritten

Zwar soll die Feindseligkeit des Irans offiziell nur politisch und gegen Israel als Staatsgebilde gerichtet sein. Aber die Aussagen einiger iranischer Politiker, Kleriker und besonders von Generälen der IRGC überschreiten häufig die Grenze zum Antisemitismus.

Der ehemalige iranische Präsident, Mahmud Ahmadinedschad, hatte nach seinem Amtsantritt 2005 gesagt, dass Israel von der Landkarte des Nahen Ostens getilgt werden soll. Auch bezeichnete der Hardliner den Holocaust als ein „Märchen“.

Für den Iran ist Israel noch immer der Erzfeind

Sein Amtsnachfolger Hassan Ruhani hat sich zwar von den anti-israelischen Bemerkungen seines Vorgängers distanziert – und auch den Holocaust als eine historische Tatsache bezeichnet. Aber auch für den neuen Präsidenten ist Israel ein Erzfeind, der besiegt werden muss. Im November nannte er Israel ein „Krebsgeschwür im Nahen Osten“.

Der oberste iranische Führer, Ajatollah Ali Chamenei, bezeichnete Israel 2013 als „tollwütigen Hund“. In der Vergangenheit hatte er - mit Bezug auf Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini - Israel ebenfalls ein „Krebsgeschwür“ genannt, das es auszumerzen gelte. 2018 hatte er jedoch die Aussage von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der Iran wolle Israel zerstören, zurückgewiesen. Vor einigen Tagen drohte ein Kommandant der IRGC mit einem Angriff auf Tel Aviv und Haifa, falls die USA den Iran angreifen sollten.

Harte Vorwürfe zwischen Ruhani und Netanjahu

Ruhani warf US-Präsident Donald Trump, Israel und Saudi-Arabien vor, sie wollten das islamische System mit Wirtschaftssanktionen schwächen und im Iran einen Regimewechsel erzwingen. Netanjahu wiederum hatte dem Iran im vergangenen Jahr vorgeworfen, umfangreiche Forschungen zum Bau einer Atombombe für einen möglichen künftigen Gebrauch heimlich aufbewahrt zu haben.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) verteidigte anschließend das Atomabkommen von 2015. Sie verwies auf ihren Abschlussbericht, wonach sie seit 2009 keine glaubwürdigen Hinweise mehr darauf hatte, dass der Iran an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitete.

Von RND/dpa

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