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19:26 16.09.2019
Ist die steigende Zahl von Einser-Abiturienten Beleg für gestiegende Qualität von Schulen?
Berlin

Für die einen sind es gute Nachrichten: Immer mehr Schüler in Deutschland schließen ihr Abitur mit einer Eins vor dem Komma ab. Doch Experten warnen: Schon heute fehle es Studienanfängern häufig an Grundkenntnisse, die guten Noten täuschen. Was sagen die Zahlen über das Bildungssystem in Deutschland tatsächlich aus? Hier die fünf wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie hat sich die Zahl der Einser-Abiturienten verändert?

Laut einer Umfrage der "Rheinischen Post" hatte 2018 mehr als jeder vierte Schulabsolvent einen Notenschnitt von mindestens 1,9. Zehn Jahre zuvor war es noch jeder fünfte. Beim Spitzenreiter Thüringen erhielten im vergangenen Jahr 37,9 Prozent der Abiturenten ein Einser-Zeugnis. 2008 waren es noch 30,5 Prozent. Dahinter folgen Sachsen mit 34,6 Prozent (2008: 22,4) und Bayern mit 31,5 Prozent (24). Den niedrigsten Anteil an Einser-Abiturienten verzeichnete Schleswig-Holstein mit 17,3 Prozent. Als einziges Bundesland stammen die Daten aus 2017. Hier waren es 2008 14,9 Prozent. Auf dem vorletzten Platz landete Niedersachsen mit 21,7 Prozent (16,1). Nur in Baden-Württemberg ist der Anteil der Einser-Absolventen im Vergleichszeitraum um 1,6 Prozentpunkte leicht gesunken. Die Verbesserung der Abiturnoten zeigt ebenfalls ein Blick auf die Zahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) für die Jahre 2006 bis 2016. In Thüringen hat sich der Notendurchschnitt in diesen zehn Jahren von 2,33 auf 2,18 verbessert.

Woher kommen die Unterschiede zwischen den Ländern?

Besonders in jenen Ländern, die eine besonders hohe Schulqualität haben, schneiden die Schüler auch am besten ab. Laut Bildungsmonitor 2019 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) haben Sachsen, Bayern und Thüringen bei der Bewertung der Schülerkompetenz die Nase vorn – genau wie bei der Zahl der Einser-Abiturienten. Diese Unterschiede zwischen den Ländern gibt es seit mindestens zehn Jahren. Daran scheinen auch die langjährigen Bemühungen der KMK, das Abitur durch einen gemeinsamen Aufgabenpool nach und nach zu vereinheitlichen, nichts geändert zu haben.

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Wird das Abitur in Deutschland immer leichter?

Der Deutsche Hochschulverband beurteilt die Entwicklung der Abschlussnoten negativ. Der „Noteninflation“ müsse Einhalt geboten werden, sagte DHV-Sprecher Matthias Jaroch der „Rheinischen Post“. „Wir sehen es mit Sorge, dass die Abiturnoten besser werden.“ Viele Schüler sehen das anders und hatten nach den diesjährigen schriftlichen Abiturprüfungen in Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern Online-Petitionen an die Kultusministerien gerichtet und sich über die hohen Anforderungen beschwert. In Bayern hatten Abiturienten gar um die Herabsetzung des Notenschlüssels im Fach Mathematik gebeten.

Was sagen Lehrer und Professoren?

Nicht nur die Noten der Abiturienten haben sich in den vergangenen Jahren verbessert, sondern auch die Anzahl der Abiturienten ist vielerorts gestiegen. Volker Ladenthin, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn, glaubt, dass dass die höheren Abiturientenquoten einen Einfluss auf die Qualität der Abiturienten haben. Es gebe „mehr Studierende, die Schwierigkeiten beim einfachen Verstehen theoretischer Texte haben."

Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für allgemeinbildende Schulen, sieht hingegen eine positive Entwicklung. „Ich würde sagen, dass die pädagogische Arbeit an Gymnasien insgesamt besser geworden ist“, sagt sie dem RND. Das habe mehrere Gründe: „Zum einen sind die Jugendlichen zielstrebiger geworden.“ Die Schüler hätten klarere Vorstellungen, von dem was sie machen möchten. Allerdings hänge das auch damit zusammen, dass der gesellschaftliche Druck gestiegen sei. Die Eltern sind deutlich ehrgeiziger geworden und auch der NC vieler Studienfächer sei höher als zuvor.

Mehr zum Thema: Ministerin fordert: Wir brauchen in Deutschland ein zentrales Abitur.

Sind die guten Noten überhaupt ein Problem?

"Die Tendenz zu mehr höheren Bildungsabschlüssen in Deutschland begrüßen wir. Die guten Noten sind zu allererst das Verdienst der Schülerinnen und Schüler, die dafür hart gearbeitet haben", sagt Oliver Kaczmarek, Sprecher für Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion. Aber auch das System der zentralen Prüfungen habe dazu geführt, dass die Schulen sich immer optimaler auf die Prüfungssituation vorbereiten.

Götz Frömming, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion sieht in den Noten eine Gefahr für das Bildungssystem. „Es ist besorgniserregend, wenn immer mehr junge Menschen das Abitur bestehen, beste Noten erzielen, aber immer weniger wissen und können.“

Katja Suding, bildungspolitische Sprecherin der FDP, weist auf die Probleme mit Abiturienten an den Hochschulen hin. „Wenn zugleich die Anzahl der Einser-Abiturienten immer weiter steigt, dann ist offensichtlich etwas faul.“

„Bessere Noten im Abitur bedeuten nicht zwangsläufig eine Senkung der Anforderungen“, meint hingegen Margit Stumpp, Sprecherin für Bildungspolitik der Bundestagsfraktion der Grünen. Es könne auch schlicht daran liegen, dass die Unterrichtsqualität besser und damit der Lernerfolg größer geworden ist. Ähnlich urteilt auch Birke Bull-Bischoff, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion die Linke. „Wir deuten die Verbesserung der Abiturnoten zum einen als ein erstes positives Indiz für mehr Bildungsqualität.“ Zum anderen sei es aber ebenso ein Anzeiger für wachsenden Druck auf Schülerinnen und Schüler.

Mehr zum Thema: „Wir müssen das Abitur retten.“

Von Sebastian Stein und Fabian Boerger/RND

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