Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik Wenn Angela Merkel über Katzenfotos im Internet spricht
Nachrichten Politik Wenn Angela Merkel über Katzenfotos im Internet spricht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 19.03.2019
Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Bürgerdialog in Bremerhaven. Die Schülerin fragte sie nach ihrer Meinung zu Uploadfiltern. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Bremerhaven

Die eine Antwort gibt Angela Merkel ohne Nebensätze, ohne Nachdenken und sehr entschlossen. Ob sie auch manchmal aus der Haut fahre, fragt der Moderator die Bundeskanzlerin. „Ja“, antwortet Merkel schnell und spricht das Ausrufezeichen dabei mit. Das passiere, „wenn ich denke, es könnte besser laufen“, sagt sie. „Ich bin auch manchmal unzufrieden mit mir selbst, wenn mir etwas nicht gelingt.“

Einen Nagel in die Wand schlagen, schiebt sie schnell hinterher. Bei aller Entschlossenheit soll wohl doch lieber keiner an die Politik denken, an eine wutschnaubende Merkel in den oberen Etagen des Kanzleramts zum Beispiel, nach einer Horst-Seehofer-Stichelei im Streit um die Flüchtlingspolitik. Das ist nicht das Bild, das Merkel da hinterlassen will.

„Es gibt genügend Haushalt von Emotionen“, versichert sie noch und hat die Emotionen da so bürokratisch verpackt, dass sie wieder zur öffentlichen Merkel passen, zur bedächtigen Kanzlerin.

Merkel ist zu einem „Bürgerdialog“ nach Bremerhaven gereist. Bürger fragen Kanzlerin, das ist die Idee. 60 Personen haben sich dazu in einer ehemaligen Fischverpackungshalle zusammengefunden, ausgewählt von der örtlichen Zeitung, der Handelskammer und der Universität. Über ihnen hängen Fischskelette, direkt über der Kanzlerin ist ein Finnwalskelett plaziert.

Warum die Bremen-Wahl wichtig ist

In zwei Monaten wird in Bremen gewählt, die CDU ist nicht so aussichtslos wie sie bisher meist war. Ein Sieg der CDU könnte die SPD so erschüttern, dass in Berlin die Regierung zerbricht, so meinen es manche in der Koalition. Wenn das so wäre, würde Bremen und Bremerhaven mit einer Mehrheit für die CDU den Schlusspunkt unter Merkels Kanzlerschaft setzen.

Sie schaut nochmal vorbei bei diesen Wählern, die sie fragen nach Chancen für mittelständische Unternehmen, Krankenpflege, nach der Mütterrente und nach einem Autogramm für den zehnjährigen Sohn. Das Herzensthema der CDU – Steuersenkungen – spielt keine Rolle, auch nicht das der SPDdie Grundrente.

Dafür fragt eine 15-Jährige nach Merkels Meinung zur Urheberrechtsregelung der EU. „Einen Riesenaufstand in der Internetgemeinde“ gebe es ja da, sagt Merkel. Zensur werde befürchtet. „Das sehe ich nicht so“, sagt Merkel. „Wir wollen nicht das Internet beschneiden.“ Es gehe darum, dass im Internet nicht einfach gratis sein könne, was man in der realen Welt kaufen müsse. Dabei gehe es vor allem um die Nutzung durch Unternehmen, und nicht um „mal sieben Takte und das Foto meiner Katze“. Noch nicht deutlich genug? „Wenn Sie ein Lied komponieren, und das hat sie viel Arbeit, Kraft und Schweiß gekostet, hätten Sie auch gerne, dass die Leute etwas dafür zahlen“, sagt Merkel. Und sie verweist darauf, dass der Widerstand gegen die EU-Regel von Youtube mitorganisiert werde, die an den Netzinhalten schließlich verdienten.

Die Klimapolitik und das Wochenendhaus

Noch ein anderes Demonstrationsthema gibt es zur Zeit: Seit Wochen gehen Schüler auf die Straße, um eine bessere Klimaschutzpolitik einzufordern. Ein Mann aus Niedersachsen fragt: „Was machen Sie persönlich?“ Merkel hat bereits über Versorgungssicherheit und die Sorgen der Menschen in Kohlegebieten geredet. Nun überlegt sie. „Mein Wochenendhaus ordentlich dämmen“, fällt ihr ein. Und: „Kein Plastik wegschmeißen, wenn’s geht.“

Das ist dann auch das Thema der 7-jährigen Alicia. „Warum gibt es so viel Müll in den Meeren?“, will sie wissen. „Das ist eine Katastrophe“, antwortet Merkel. Sie erzählt von vermüllten Stränden, die sie gesehen hat. Und dann fällt ihr auch hier noch ein Beispiel ein: „Wir brauchen kein Plastikpartygeschirr.“ Alicia, kein Plastikpartygeschirr!

„Werden Sie in die Forschung zurückkehren?“, will dann noch eine Wissenschaftlerin aus dem Publikum wissen. „Mich kann man da nicht mehr gebrauchen“, antwortet Merkel. „Da kann ich eher einen Beitrag leisten in dem Bereich, in dem ich viele Jahre gearbeitet habe – in der Politik.“ Es hört sich nicht so an, als hätte Merkel einen Rückzug ins Private vor, wenn es vorbei ist mit der Kanzlerschaft, nach der Bremenwahl, oder auch später.

Von Daniela Vates/RND

Grünen-Chef Robert Habeck hat beim Berliner Salon des RND dazu aufgerufen, die „Fridays For Future“-Proteste von Schülern ernst zu nehmen. Es sei nicht falsch, für die gute Sache die Schule zu schwänzen.

18.03.2019

Wieder eine neue Brexit-Wendung im britischen Unterhaus: Parlamentspräsident John Bercow hat eine uralte Regel herausgekramt und könnte so Premierministerin May den Brexit nochmals erschweren.

18.03.2019

Wieder Verwüstung auf den Champs-Élysées, wieder Krisensitzungen: Der Regierung scheint es nach den jüngsten Krawallen bei den „Gelbwesten“-Demos endgültig zu reichen. Sie beginnt durchzugreifen.

18.03.2019