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Politik Zieht’s junge Frauen an den Herd? Im Gegenteil
Nachrichten Politik Zieht’s junge Frauen an den Herd? Im Gegenteil
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19:44 15.10.2019
Deutschlands Jugend macht derzeit vor allem auf den Straßen auf sich aufmerksam. Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dp
Berlin

Offenheit für verschiedenste Lebensweisen, Bekenntnis zum vereinten Europa, Ablehnung von Ausländerfeindlichkeit, Bereitschaft zu politischem Engagement: In allen erdenklichen Feldern sind die 12- bis 25-Jährigen von heute toleranter und progressiver eingestellt als die Generationen vor ihnen. So hat es die neue, erneut groß angelegte Shell-Jugendstudie ergeben.

Nur in einem Feld entsteht der Eindruck, in der Jugend gebe es eine Rückkehr zu den Vorstellungen und Werten der eigenen (Ur-)Großeltern – obwohl die Elterngeneration sich doch seit Jahren abmüht, davon wegzukommen: bei der Rollenverteilung der Geschlechter innerhalb der Familie. Gefragt, welcher Partner im Beruf kürzertreten solle, wenn es zugleich ein zweijähriges Kind zu betreuen gäbe, sind sich junge Männer und junge Frauen einig: Mama sollte Teilzeit arbeiten, Papa macht im Job nur geringe Abstriche.

Und doch irrt, wer daraus schließt, dann seien ja all die politischen Bemühungen verfehlt, den Frauen in der Arbeitswelt zur Gleichberechtigung, den Männern zu mehr Zeit mit dem eigenen Nachwuchs und den Kindern zu einer flächendeckenden Betreuung im Kleinkindalter zu verhelfen.

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Der Wunsch, eine Familie zu gründen, bleibt erfreulicherweise auch unter der heutigen Jugend groß – und auch der Anspruch beider Geschlechter, dass Männer sich mehr in die Erziehung und Betreuung der Kinder einbringen.

Das Gegenteil ist der Fall: Der Wunsch, eine Familie zu gründen, bleibt erfreulicherweise auch unter der heutigen Jugend groß – und auch der Anspruch beider Geschlechter, dass Männer sich mehr in die Erziehung und Betreuung der Kinder einbringen sollten. Auch das zeigen die Zahlen. Nur hat sich auch bei den unter 25-Jährigen längst herumgesprochen, dass sich das heutzutage nicht mit einem Vollzeitjob vereinbaren lässt. Dass der Anspruch, sich in beiden Welten voll einzubringen, zu Stress und Überlastung führt.

Es liegt sicher an jahrhundertelang tradierten Vorstellungen, dass nach wie vor die Frauen zuerst bereit sind, im Job kürzerzutreten und auch sie selbst das den Männern nicht zumuten mögen – und ihnen die Erziehungsarbeit offenbar noch immer nicht so recht zutrauen. Und das, obwohl die jungen Frauen von heute besser ausgebildet sind als die Männer gleichen Alters und obwohl eine größere Zahl von ihnen politisch engagierter ist als in den Frauengenerationen zuvor.

Je weniger sie allerdings gezwungen sind, sich zu entscheiden, desto weniger hängen junge Frauen diesem Pragmatismus – der ja nicht zuletzt in Abhängigkeit und Altersarmut führt – an. Man sieht das daran, dass die Mädchen und Frauen in Ostdeutschland zu deutlich weniger Abstrichen bereit sind. Dort gibt es mehr Kitas – und seit Jahrzehnten wird vorgelebt, dass Mütter auch in Vollzeit arbeiten können.

Von zwei großen Missverständnissen in der Debatte trennen

Auch die Forscher hinter der Studie erklärten, dass besonders der Westen wohl noch in einer Übergangsphase stecke. Diese sollte in Deutschland allerdings gleich dazu genutzt werden, sich von zwei großen Missverständnissen in der Debatte zu trennen: Erstens, dass Vereinbarkeit von Kind und Karriere ohne Abstriche machbar sei. Und zweitens, dass der erstrebenswerte Idealzustand eine Vollzeit-Erwerbsarbeit von beiden Elternteilen sei. Denn so falsch liegen die jungen Frauen ja nicht, wenn sie ihre kleinen Kinder auch sehen wollen, statt sie stets ganztags in der Kita zu lassen.

Nun müssen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nur noch ganz dringend ein paar Rechte durchsetzen: das der Kinder, den Papa genauso oft zu sehen wie die Mama. Das der Frauen, im Job und im Alter nicht mehr Verzicht üben zu müssen als die Männer. Und das der Väter, zumindest phasenweise etwas weniger am Arbeitsplatz und etwas mehr bei der Familie präsent zu sein.

Von Steven Geyer/RND

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