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Promis Glauben Sie an Frieden in Israel?
Nachrichten Promis Glauben Sie an Frieden in Israel?
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20:01 21.10.2016
Die Oscar-Preisträgerin mit den vielen Talenten: Natalie Portman legt ihr Regiedebüt vor. Ein Gespräch über Israel, Familie und den Sprung ins kalte Wasser. Quelle: Getty Images
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Frau Portman, die ersten drei Jahre Ihres Lebens haben Sie in Jerusalem verbracht. Erinnern Sie sich daran?
Meine Erinnerungen beruhen eher auf Geschichten, die mir meine Eltern erzählt haben. Später sind wir aber alle paar Jahre nach Israel gefahren, wann immer wir uns die Reise leisten konnten. Ich erinnere mich daran, wie ich als Siebenjährige leckeres Eis bei meinen Großeltern gegessen und aus der Verpackung Betten für meine Puppen gebastelt habe. Überhaupt, das Essen meiner Großmutter!

Hat Ihr Vater, ein Arzt, viel über sein Leben in Israel erzählt?
Oh ja, Geschichten aus seiner Kindheit oder von seinen Eltern und deren Emigration nach Palästina in den Dreißigerjahren. Er hat auch von seinen Großeltern gesprochen, die er aber nie kennengelernt hat. Sie wurden in Auschwitz ermordet. In den USA ging ich zunächst auf eine jüdische Schule: Auch da lernte ich viel über Israel – und Hebräisch.

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Hat Ihnen Ihre Mutter so aufregende Geschichten erzählt, wie es die Mutter von Amos Oz tut, dessen autobiografischen Roman "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" Sie nun verfilmt haben?
Nein, meine Mutter wollte mir immer zu guten Träumen verhelfen. Deshalb gingen ihre Geschichten ungefähr so: "Ein Hase hüpft durchs Feld ..." Geklappt hat es trotzdem nicht. Als Kind hatte ich viele Albträume.

Was ist Israel für Sie: Urlaubsland oder Ihre zweite Heimat?
Beides. Ich fühle mich schon zu Hause dort. Israel ist wie eine große Familie. Alle kennen sich um zwei Ecken. Die Leute gehen ruppig miteinander um, sind aber zugleich warmherzig. Wenn in Jerusalem jemand stürzt, kommen zehn Leute herbeigerannt und helfen ihm auf die Beine. Da würde auch jeder sofort gut auf dein Baby aufpassen.

Was ja für Sie wichtig sein könnte: Sie erwarten Ihr zweites Kind ...
... mit meinem fünf Jahre alten Sohn war ich auch schon in Israel. Ich liebe die hebräische Sprache, Sprachen überhaupt. Ich wünschte, ich würde mehr Sprachen sprechen.

Sie sprechen Englisch, Französisch, Hebräisch. Das ist doch was.
Das ist okay. Aber meine jüdischen Großeltern sprachen so ungefähr 15 Sprachen.

Das klingt jetzt sehr nach dem Roman, der davon handelt, wie die Eltern von Amos Oz sich im jungen Staat Israel ein neues Leben aufbauen wollen.
Unbedingt! Als ich das Buch las, war ich überwältigt. Die Großeltern meines Vaters emigrierten ebenso wie die Eltern von Amos Oz aus Osteuropa, um der Judenverfolgung zu entkommen. Auch sie gehörten zu den aschkenasischen Juden. Sie fühlten sich wie echte Europäer, waren sehr stolz. Und nun saßen sie mitten in der Wüste. Sie hatten ebenso wie die Eltern von Amos Oz Familie und Freunde verloren. All das habe ich von meinem Vater gehört, meine Großeltern redeten nicht darüber.

Wie haben Sie mit dem Autor Amos Oz zusammengearbeitet?
Er hat von Anfang an gesagt: Mach dein eigenes Ding. Ans Set kam er nur einmal. Das war für ihn emotional einfach zu heftig. Zwei Dinge waren ihm wichtig: Ich sollte nicht versuchen, den Selbstmord seiner Mutter mit simplen Vereinfachungen zu erklären, denn diese Tat sei für ihn immer noch ein Rätsel. Und: Verfolgung und Tod seiner Familie in Europa sollten deutlich werden.

Sie spielen die Mutter, Fania, die einen traurigen Satz im Film sagt: "So gut wie keiner weiß irgendwas vom anderen, nicht mal von dem Menschen, mit dem man verheiratet ist." Sehen Sie das auch so?
Es folgt noch ein weiterer Satz: "Oft weiß man noch nicht einmal von sich selbst etwas." Da ist was dran: Wie oft passiert es, dass man etwas tut und sich im selben Moment fragt: Warum habe ich das getan, ich weiß doch, dass es dumm war? Wie sollen wir dann erst einen anderen Menschen kennen? Natürlich ist da der beständige Wunsch, sich mit anderen zu verbinden. Gleichzeitig umgibt uns aber eine essenzielle Einsamkeit. Sie können niemals das Verhalten eines anderen Menschen exakt vorhersagen.

Nicht mal das vom eigenen Ehemann?
Das ist doch das Schicksal von Ehen überall in der Welt: Offensichtlich heiratet jeder, weil er glaubt, die Person gefunden zu haben, mit der er den Rest des Lebens verbringen wird – und dann werden mehr als die Hälfte der Ehen wieder geschieden.

Natalie Portman als Mutter Fania in ihrem Regiedebüt "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis". Quelle: Focus World

Sie haben Psychologie studiert, in Havard. Hilft Psychologie beim Filmemachen?
Ich habe gelernt zu beobachten, so ähnlich, wie das auch Schauspieler tun. Aber auch hier gilt: Stets muss man das Geheimnis menschlichen Verhaltens respektieren. Die Psychologie versucht, Regeln dafür zu ergründen, die Kunst erlaubt sich, diesen Regeln zu widersprechen.

Es gibt noch einen weiteren zentralen Satz im Film: "Es gibt nur einen Weg, einen verheißungsvollen Traum in seiner Gänze zu bewahren: Man darf niemals versuchen, ihn zu verwirklichen." Richtig?
Ein Traum kennt keine Grenzen, die Wirklichkeit schon. Die Realität widerspricht oft den Erwartungen. Manchmal ist sie sogar besser als der Traum, manchmal ist sie enttäuschend.

Wie war es denn, als sich der Traum vom Hollywoodstar für Sie verwirklichte?
Schwer zu sagen, ich stand schon so früh im Interesse der Öffentlichkeit. Ich weiß gar nicht so recht, wie es davor war. Zudem war das ein allmählicher Prozess, das passierte nicht einfach über Nacht.

Galten Sie nicht spätestens nach "Léon – der Profi" als Star, also im zarten Alter von 13 Jahren?
In den USA konnte ich auch danach noch unerkannt über die Straße gehen. Dort wurde "Léon" als französischer Arthouse-Film wahrgenommen. Damals gab es ja auch das Internet noch nicht.

Aber nach "Star Wars" kannte sie jeder.
Auch da schützte mich meine Familie wie in einer Art Kokon. Ich hatte nie das Gefühl, anders behandelt zu werden als die anderen.

Ihr Israel-Film ist Ihr Regiedebüt: Gab es Momente, in denen Sie dachten, den Dreifachjob packe ich nicht, Drehbuchautorin, Hauptdarstellerin, Regisseurin?
Dieses Gefühl hatte ich, bevor es losging. Ich musste unendlich viele Absprachen treffen mit Locationscouts, Kostümdesignern, Kameraleuten ... Als das Drehen losging, war alles okay. Das ist wie beim Marathon: Die Vorbereitung ist das Härteste. Wenn du erst mal läufst, dann läufst du. Na gut, ich bin noch nie einen Marathon gelaufen ...

Hat Ihnen Ihr "übersteigertes Selbstbewusstsein" geholfen, von dem Sie mal gesprochen haben?
Das soll ich gesagt haben? Richtig ist, dass ich mir manchmal Dinge zutraue, die ich gar nicht kann. An manche Sachen gehe ich ganz unrealistisch ran. Was gar nicht schlecht ist: Erst im Rückblick stelle ich dann fest, dass ich noch gar nicht vorbereitet war. Aber dann bin ich schon ins Wasser gesprungen und muss schwimmen.

Sind Sie schon mal untergegangen?
Ich habe Filme gemacht, mit denen ich nicht zufrieden war. Aber das Schöne am Beruf eines Schauspielers ist: Anders als bei einem Chirurgen stirbt daran niemand. Man kann etwas riskieren, ohne zu viel Angst vor dem Scheitern zu haben. Danach rappelt man sich auf, und alles ist wieder gut.

Im Hintergrund Ihres Films ist der Holocaust immer gegenwärtig: Empfinden Sie das auch in Ihrer Familie so?
Der Holocaust gehört zu meiner Familiengeschichte. Wichtig scheint mir, die Erfahrungen weiterzugeben, immer wieder aufzuklären, wie gefährlich Vorurteile sind. Da müssen jedes Mal wieder Alarmglocken schrillen. Zugleich gilt es aber auch, unsere Identität als Nation, als Volk, als ethnische Gruppe über die Schönheit und den Reichtum unserer Kultur zu definieren – und nicht nur über die Opferrolle.

Warum war es Ihnen vor ein paar Jahren so wichtig, am Broadway das Mädchen Anne Frank zu spielen?
Annes Tagebuch aus ihrem Versteck im Amsterdamer Hinterhaus war für mich ein prägendes  Buch. Es repräsentiert das, was wir verlieren, wenn Kriege wüten. So viele wunderbare junge Talente werden einfach ausgelöscht. Denken Sie nur an die Waffengewalt in den USA oder die syrische Tragödie.

Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie mit einem französischen, amerikanischen oder einem deutschen Journalisten sprechen?
Ja, aber nur in dem Sinn, welche Fragen ich von ihnen gestellt bekomme. Französische Journalisten lieben intellektuelle Fragen, amerikanische wollen meist was zur Popkultur wissen, deutsche fragen nach meinem Jüdischsein – sogar bei Filmen, die damit nichts zu tun haben.

Glauben Sie, dass es in Israel irgendwann Frieden zwischen Juden und Arabern geben wird?
Ich hoffe darauf, sehr! Ich glaube, wir können gar nichts anderes tun, als zu hoffen.

Zur Person

Ihr Auftritt als Balletttänzerin in dem Psychothriller "Black Swan" brachte Natalie Portman den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Quelle: Fox Searchlight

Hollywood-Star Natalie Portman ist unter die Regisseurinnen gegangen. Sie hat ihren ersten Spielfilm gedreht und sich dafür eine ganz besondere Vorlage ausgesucht: Die Oscar-Preisträgerin hat sich den mehr als 800 Seiten starken, autobiografischen Roman "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" des israelischen Schriftstellers Amos Oz vorgenommen, in dem dieser aus seiner Kindheit erzählt.

Das Buch spielt zur Zeit der Gründung des Staates im Nahen Osten. Es gilt als Meisterwerk und als eines der meistverkauften in Israel, ja, beinahe als ein Werk nationaler Geschichtsschreibung.

Ihre bisherigen Rollen hätten nicht unbedingt auf eine solche Wahl schließen lassen: Portman glänzte bereits als 13-Jährige im Krimi "Léon – der Profi" an der Seite eines Auftragskillers, gespielt von Jean Reno. Sie war die mutige Königin Padmé Amidala aus dem "Star Wars"-Universum und ebenso die psychopathische Balletttänzerin aus dem Thriller "Black Swan".

Bewusstsein für jüdische Wurzeln

Für diesen fulminanten Auftritt als "Schwanensee"-Besessene gab es dann auch den Oscar (und nebenbei lernte sie ihren Ehemann, den Balletttänzer Benjamin Millepied, kennen). Und doch hat das Leben der Natalie Portman mehr mit dem jüdischen Staat zu tun, als mancher Fan wissen dürfte.

Geboren wurde Natalie Portman am 9. Juni 1981 als Neta-Lee Hershlag in Jerusalem, ihr Vater war ein israelischer Arzt, ihre Mutter Amerikanerin. Die drei ersten Jahre ihres Lebens verbrachte Portman in Israel, bevor die Familie in die USA auswanderte. Portmans Urgroßeltern väterlicherseits wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Ihre Großeltern wanderten in den Dreißigerjahren aus Europa nach Palästina aus. Sie gehörten zu jener Gründergeneration des Staates Israel, der Amos Oz ein so liebevolles wie streckenweise auch düsteres literarisches Denkmal gesetzt hat. Portman spielt im Film zugleich die weibliche Hauptrolle, die von dunklen Gedanken getriebene Mutter des kleinen Amos, der das Ankommen im neuen Staat nicht gelingen will.

Herzensprojekte und Hollywood

Ihrer jüdischen Wurzeln war sich die Schauspielerin stets bewusst: Sie ging in den USA auf eine jüdische Schule, sie besitzt nicht nur die amerikanische, sondern auch die israelische Staatsbürgerschaft, und sie spricht fließend Hebräisch. Ihre Sprachkenntnisse hat sie bei zahlreichen Israel-Aufenthalten immer weiter aufpoliert, nun noch einmal eigens für ihre Rolle in "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" (Kinostart: 3. November).

Den Film hat Portman auf Hebräisch und nicht auf Englisch gedreht – womit schon klar sein dürfte, dass es sich nicht um einen handelsüblichen Blockbuster, sondern um eine persönliche Angelegenheit handelt. Ihr nächstes glamouröses Hollywood-Projekt steht aber auch schon vor dem Kinostart: In "Jackie" spielt Portman die Präsidentengattin Jacqueline Kennedy in den Tagen nach der Ermordung ihres Ehemannes. Natalie Portman hat eben viele Begabungen – und nebenbei noch einen Havard-Abschluss in Psychologie in der Tasche.

Von Stefan Stosch

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