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Promis Trauen Sie noch ihrem Smartphone?
Nachrichten Promis Trauen Sie noch ihrem Smartphone?
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20:01 05.08.2016
Die neue Ingrid Bergman? Schauspielerin Alicia Vikander hat eine bemerkenswerte Karriere hingelegt – und brilliert als geheimnisvolle Roboterfrau ebenso wie in Blockbustern wie "Jason Bourne". Quelle: Getty Images
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Frau Vikander, haben Sie sich schon daran gewöhnt, so begehrt in Hollywood zu sein?
Schauspielerin wollte ich schon sehr früh werden, aber ich dachte dabei immer an Schweden. Von Hollywood hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt. Das war einfach zu weit weg. Für mich fühlt sich das alles immer noch ziemlich fremd an. Aber da geht es wohl nicht nur mir so. Was mich ein bisschen beruhigt, ist Matt Damons Reaktion auf den Rummel rund um "Jason Bourne". Er hat zu mir gesagt: An diese verrückten Momente gewöhnt man sich nie, das ist nicht das normale Leben.

Wie haben Sie dann wohl erst den Moment empfunden, als Sie im Februar den "Oscar" für "The Danish Girl" in die Hand gedrückt bekamen?
An die Zeit auf der Bühne erinnere ich mich kaum noch. Da war eine große Uhr vor mir, die die Sekunden von 40 bis Null runterzählte. Mehr weiß ich nicht. Meine Erinnerungen setzen erst danach  ein – im Backstage-Raum, als ich mit meiner Familie und mit meinen Freunden gefeiert habe.

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Haben Sie überhaupt Zeit, Erfolge wie den "Oscar" zu genießen?
Zwei Tage nach der "Oscar"-Gala musste ich schon wieder am Set des "Bourne"-Films stehen. Seitdem bin ich mehr oder weniger unterwegs bei Dreharbeiten. Momentan passt ein Freund auf den "Oscar" auf, bis ich ihn mit nach Hause nehme. Und zu Hause ist für mich London, wo ich seit vier Jahren lebe. Da ist meine Basis. Aber in London war ich dieses Jahr auch erst insgesamt fünf Tage.

Wie halten Sie dieses Arbeitstempo durch?
Die Arbeit empfinde ich auch als Glück. Ich drehe mit den Leuten, zu denen ich früher bewundernd aufgeblickt habe – jetzt zum Beispiel mit Tommy Lee Jones. Zwischendurch stelle ich aber auch mal mein Telefon ab und verschwinde zum Yoga. Ich habe auch schon ein paarmal versucht, eine längere Pause einzulegen. Aber dann rufen Regisseure wie Paul Greengrass oder Wim Wenders an. Was soll man da machen?

Angekommen in der Hollywood-Elite: Alicia Vikander an der Seite ihres Kollegen Matt Damon, anlässlich der Präsentation des Films "Jason Bourne" in Madrid. Quelle: dpa

Was steht denn als nächstes auf Ihrem Programm?
Am 17. August beginnen in Bayern die Dreharbeiten für den ersten Film mit meiner eigenen Firma Vikarious Productions. Das Drama "Euphoria" dreht sich um zwei Schwestern, die von Eva Green und mir gespielt werden. Charlotte Rampling ist ebenfalls mit an Bord: als unsere Mutter.

Klingt nach echter Frauenpower.
Stimmt, es gehört auch noch die Regisseurin Lisa Langseth dazu, mit der ich schon früher in Schweden gearbeitet habe. Es kann ja auch nicht schaden, sich in der Kinoindustrie mit Frauen zusammenzutun. In Hollywood wird ja jetzt erst versucht, endlich den weiblichen Faktor zu stärken. Andererseits bin ich es inzwischen leid, dauernd danach gefragt zu werden, wie es sich anfühlt, einen starken weiblichen Part zu spielen, etwa wie jetzt im "Bourne"-Film. Da geht es doch nicht um weiblich oder männlich! Im Jahr 2016 sollten wir über solche Fragen hinweg sein. Aber sind wir leider nicht: Wenn ich auf meine insgesamt 15, 16, 17 Spielfilme zurückschaue, dann waren da gar nicht so viele drunter, in denen ich große Szenen mit anderen Frauen hatte.

Wie sehr unterscheidet sich für Sie ein überschaubarer Wim-Wenders-Film von einem Riesending wie "Jason Bourne"?
Bei meiner ersten Big-Budget-Produktion – das war "Seventh Son" – hatte ich mir das noch richtig glamourös vorgestellt. Aber dann war es wie immer: Man traf morgens den Regisseur im Trailer und besprach Drehbuch und Szenen. Erst auf dem Set merkst du den Unterschied: Bei "Jason Bourne" hatten wir 2000 Statisten vor der Kamera! Das war sogar für Matt Damon ein Rekord. Und dann ist da natürlich noch die Publicity für so einen Film, deshalb sitzen wir beide ja jetzt hier.

Gleich eine ganze Reihe Ihrer Filme hat mit der digitalen Revolution zu tun – "Ex Machina", "Inside Wikileaks", jetzt "Jason Bourne". Zufall?
Das liegt daran, dass diese Themen erst jetzt auftauchen. Vor ein paar Jahren existierte künstliche Intelligenz ja noch gar nicht in unserem Universum. Als ich die Roboterfrau im Film "Ex Machina" gespielt habe, haben mich die Leute gefragt: Ist das die Zukunft? Und ich habe geantwortet: Das ist die Gegenwart. Wir erschaffen doch schon Maschinen, die beständig dazulernen.

Wie wirklichkeitsnah ist Ihre Rolle als Cyberagentin in "Jason Bourne"?
Die Welt hat sich mächtig gewandelt, seit Bourne vor knapp zehn Jahren von der Leinwand verschwand. Eine ganz neue Generation ist am Werk, die mit ihren Technologien darüber bestimmt, wie wir leben.

Was meinen Sie?
Zur Vorbereitung auf die Rolle habe ich Leute getroffen, die ähnliche Fähigkeiten haben wie die Agentin, die ich spiele. Sie alle sind um die 30, sie haben ihre ersten Firmen gegründet, als sie noch Teenager waren, sie haben gleich mehrere Doktortitel. Einige haben auch Erfahrung als Hacker. Sie gehören zu den brillantesten Leuten, die ich je getroffen habe. Sie können zum Beispiel allein aufgrund der digitalen Informationen, die innerhalb einer riesigen Menschengruppe hin und her geschickt werden, zu einem hohen Prozentsatz vorhersagen, was gleich passieren wird und wie die Leute sich verhalten werden. Davon hatte ich bis dahin keine Ahnung, das hat mich richtig umgehauen: Wir glauben, dass wir Individuen mit freiem Willen sind. Aber so einfach ist das nicht mehr.

Kammerspielthriller mit künstlicher Intelligenz: In "Ex Machina" verkörperte Vikander die undurchschaubare Roboterfrau Ava. Quelle: Universal Pictures

Sind Sie selbst in den sozialen Netzwerken unterwegs?
Meine Eltern sind es erstaunlicherweise, auch viele meiner Freundinnen. Wäre ich zehn Jahre später geboren worden, würden Twitter und Facebook für mich vermutlich einfach dazugehören. Aber ich erinnere mich noch genau, wie ich davon hörte, dass die erste Computerklasse in Schweden eingerichtet wird. Als Instagram vor ein paar Jahren auf den Markt kam, habe ich es gleich ausprobiert. Aber die App hat mich nur gestresst. Das gehörte nicht zu meinem Leben. Bei Facebook habe ich mich mal angemeldet, aber ich nutze es nicht mehr.

Trauen Sie denn überhaupt noch Ihrem Smartphone?
Wir können schlecht vor Technologien Angst haben, die wir selbst erfinden und die Unternehmen und Regierungen nutzen. Diese Entwicklungen  gehören gewissermaßen zur menschlichen Evolution. Aber das Bedürfnis nach Sicherheit steht gegen den Anspruch auf Privatheit. Und das Letzte, was wir aufgeben dürfen, ist unser Recht auf Privatsphäre. Sie ist die Essenz von Freiheit, Demokratie und öffentlicher Rede.

Haben Sie Angst, bald in einem Überwachungsstaat zu leben?
Ich schicke jedenfalls keine E-Mails mit persönlichen Informationen mehr herum. Das Internet ist raus aus dem unschuldigen Alter, in dem jeder Dinge postete, ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Als ich hier in Berlin vor ein paar Wochen mit Wim Wenders gedreht habe, lieferte sich das FBI gerade einen Fight mit Apple um die Entschlüsselung des iPhones. Das war ein großes Thema hier unter Jugendlichen.

Das FBI hat das Telefon am Ende ja auch ohne Apples Hilfe geknackt ...
Stimmt, aber darum muss es in Zukunft gehen: Wir müssen Wege finden, wie Daten sicher vom Sender zum Empfänger gelangen, ohne dass Regierungen Einblick erhalten können. Mir geht es da wie Ihnen: Wer weiß, ob da etwas außer Kontrolle geraten könnte? Wir müssen uns schließlich auf Dinge verlassen, die wir nicht wirklich verstehen.

Zur Person

Mit ihrem ersten Oscar: Alicia Vikander wurde als beste weibliche Hauptdarstellerin für "The Danish Girl" ausgezeichnet. Quelle: afp

Der Weg von Schweden nach Hollywood ist vielleicht gar nicht so weit. Da muss man sich nur mal ein paar Schauspieler anschauen, die es ganz aktuell jenseits des Atlantiks zu Ruhm gebracht haben. Stellan Skarsgård ist dort gefragt, gerne auch in Blockbustern ("Avengers: Age of Ultron"), ebenso gut im Geschäft ist Noomi Rapace ("Carol").

Die Geschwindigkeit allerdings, mit der sich Alicia Vikander ihren Platz in den USA erobert hat, ist geradezu atemberaubend. Die 27-Jährige ist in wenigen Jahren zum Darling des internationalen Kinos aufgestiegen und dreht nun einen Film nach dem anderen. Aktuell ist sie als Cyberagentin im Thriller "Jason Bourne" zusammen mit Matt Damon zu sehen.

Auslöser für Vikanders beispiellose Karriere war das dänische Historiendrama "Die Königin und der Leibarzt" an der Seite von Mads Mikkelsen (ebenfalls ein Skandinavier, allerdings Däne), in dem sie als todkranke dänische Königin Caroline Mathilde zu bestaunen war. Darauf folgte ihr erster englischsprachiger Auftritt, die Tolstoi-Verfilmung "Anna Karenina", die sie zusammen mit Jude Law und Keira Knightley bestritt. Dann ging es Schlag auf Schlag: "Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt", "Seventh Son", "Codename U.N.C.L.E.", "Im Rausch der Sterne" – das sind nur einige Filme, in denen sie bleibenden Eindruck hinterließ.

Ohne Schauspielschule zum "Oscar"

Bei den Golden Globes im Vorjahr brachte Vikander das Kunststück fertig, sich gleichzeitig als beste Hauptdarstellerin und als beste Nebendarstellerin nominieren zu lassen. In dem einen Film, "Ex Machina", verwandelte sie sich in eine Roboterfrau, die zu Gefühlen fähig ist, in dem anderen, "The Danish Girl", hatte sie den Part einer selbstlos liebenden Ehefrau, die ihren Mann bei einer Geschlechtsumwandlung unterstützt.

Die Geschichte beruhte auf wahren Begebenheiten und spielte zu großen Teilen in Dresden: Der dänische Maler Einar Wegener (später: Lili Elbe) war Anfang der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts einer der ersten Menschen auf diesem Planeten, die eine solch riskante Operation wagten. Ohne die Unterstützung seiner Frau Gerda hätte er das womöglich nie getan. Die Kritiker waren unisono begeistert darüber, wie gut Alicia Vikander neben Eddie Redmayne zu bestehen wusste. Für ihre Rolle waren zuvor Nicole Kidman, Charlize Theron und Rachel Weisz im Gespräch gewesen.

"The Danish Girl" brachte Vikander den "Oscar". Damit war die Tochter eines Psychiaters und einer Bühnenschauspielerin im Olymp angekommen, ohne je eine Schauspielschule besucht zu haben. In Schweden hatte sie sich zur Ballerina ausbilden lassen, was vielleicht auch ihre Präsenz vor der Kamera erklärt. Wegen einer Verletzung musste sie auf die Schauspielerei umsteigen, zog nach London, lernte Englisch.

Zu ihren nächsten Projekten gehört das Drama "The Light Between Oceans" mit Michael Fassbender. Momentan steht sie für Wim Wenders als Tiefseeforscherin in "Submergence" vor der Kamera. Manche Leute vergleichen Alicia Vikander bereits mit Ingrid Bergman. Und die stammte aus welchem skandinavischen Land? Genau.

Von Stefan Stosch

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