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Wirtschaft 50.000 IG-Metall-Mitglieder demonstrieren für Klimaschutz und sichere Arbeitsplätze
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12:25 02.07.2019
Kundgebung #FairWandel vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Quelle: dpa
Berlin

Hauptsache Schatten. Ein Platz unter einem Baum ist bei Temperaturen von rund 30 Grad und Sonne allemal beliebter, als direkt vor der Bühne am Brandenburger Tor durchgegart zu werden. Dick mit Sonnenmilch eingerieben, mit Bier und Wasser ausgestattet, verlagern Tausende Besucher die Kundgebung #FairWandel der IG-Metall unter den Schutz der Bäume entlang der Straße des 17. Juni.

Die Suche nach Schutz hat an diesem Tag Symbolcharakter: Viele der 50.000 Menschen, die in 800 Bussen und zehn Extrazügen nach Berlin gereist waren, sind verunsichert. Sind die schnell voranschreitende Digitalisierung in ihren Betrieben, der globale Markt und die dringend nötige Bekämpfung des Klimawandels vereinbar mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes?

Stahlkocher sind gekommen, Autobauer und Angestellte aus Fabriken. Menschen aus Unternehmen, für die der ökologische Fußabdruck und Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz keine ganz hohe Priorität haben. Der Umstieg auf umweltfreundlichere Produktionsweisen und immer digitaler werdende Prozesse bereitet ihnen Sorge.

Angestellte in der Automobilindustrie sollen E-Autos herstellen. Doch wer legt sich ein Fahrzeug mit Elektromotor an, wenn die Versorgung mit den nötigen Ladestationen einem Flickenteppich gleicht? Andere, die seit vielen Jahren in ihren Berufen sind, fühlen sich abgehängt. Niemand bringt ihnen die neuen, digitalen Arbeitsweisen, Programme und Systeme bei.

„Die Digitalisierung ist zugleich zerstörerisch und verheißungsvoll“, ruft Jörg Hofmann, Vorsitzender der IG-Metall, von der großen Bühne runter. „Sie krempelt unsere Arbeitswelt komplett um und greift tief in unseren Alltag ein.“

Unternehmen sind nicht auf Wandel vorbereitet

Der Gewerkschaftler Hakan Civelek hört sich Hoffmanns Rede im Schatten an. Er ist mit seinen Kollegen aus Mettmann zwischen Düsseldorf und Wuppertal angereist und weiß, wovon Hofmann spricht. Er ist Vorsitzender der IG-Metall in Velbert und kümmert sich um 20.000 Arbeitnehmer aus 650 kleinen und mittelständischen Betrieben. Zu seinen Aufgaben gehört, dass er die dringend notwendige Transformation in die Unternehmen bringt und sie so fit für den Wettbewerb hält.

„Es gibt einen riesigen Wandel. Wenn die Unternehmen jetzt nicht aufpassen, werden sie abgehängt, und viele sind darauf nicht vorbereitet“, sagt Civelek. Wettbewerbsfähigkeit und Digitalisierung seien die Hauptprobleme. Über die Umwelt redet er nicht. Das tut IG-Metall-Chef Hofmann auf der Bühne: „Die Pariser Klimaschutzziele sind für uns nicht verhandelbar. Wir wollen unseren Planeten unseren Kindern in einem lebenswerten Zustand überlassen“, sagt er.

Umweltdebatten spielen für die rund 150 Angestellten der ehemaligen Drahtwerke in Trier und Horath gerade keine Rolle. Seit drei Wochen streikt die Belegschaft unbefristet. Fast alle sind zur Kundgebung angereist. Vor drei Jahren wurde ihre Firma vom Stahlhersteller Riva aus Italien übernommen. Seitdem verdienen sie 20 bis 30 Prozent unter dem Tarif der Metall- und Elektroindustrie.

„Meine Kollegen und ich leiden wirklich. Von zehn oder elf Euro in der Stunde kann man nicht mehr gut leben”, sagt Sergej Perepelkon. Globalisierung, Digitalisierung – der große Wandel rollt über Perepelkon und seine Kollegen hinweg.

Die 50.000 Demonstranten wollen verhindern, dass sie dasselbe Schicksal ereilt. Die meisten hier haben andere Existenzsorgen als die Fridays-for-Future-Aktivisten, die oft an selber Stelle demonstrieren. Klimaschutz treibt die Arbeiter nicht so sehr um. Schmelzende Polkappen und steigende Meerespegel sind weit weg. Sie setzen sich für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze ein.

Lesen Sie auch: „E-Autos fressen Jobs“: Interview mit IG-Metall-Chef Jörg Hofmann

Seit drei Wochen im Streik: Sergej Perepelkon (ganz rechts) mit Angestellten des Unternehmens Riva. Quelle: Manuel Behrens

Von Manuel Behrens/RND

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