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Wirtschaft Brandenburger Unternehmer fürchten Dieselfahrverbot
Nachrichten Wirtschaft Brandenburger Unternehmer fürchten Dieselfahrverbot
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20:39 30.03.2017
Dieselfahrzeugen droht wegen der hohen Umweltbelastung künftig ein Fahrverbot. Quelle: imago
Potsdam

Matthias Trzeciok, Geschäftsführer der Dahmeland Bau GmbH aus Zeesen bei Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald), hat derzeit „gemischte Gefühle“. Und das liegt nicht am launigen Frühlingswetter. Einerseits ist der Chef von 19 Mitarbeitern, die vor allem auf Baustellen in Berlin beim Rohbau, Mauern und Trockenbau tätig sind, froh darüber, dass der Wohnungsbau in der Hauptstadt brummt. Auch andere brandenburgische Unternehmen profitieren vom kräftig anziehenden Häuslebau in Berlin.

Andererseits bereitet es ihm große Sorge, dass in Berlin die blaue Umweltplakette eingeführt werden soll. In Städten mit besonders schlechter Luft, etwa hoher Konzentration von Stickoxiden, sollen dann nur noch besonders schadstoffarme Fahrzeuge mit der blauen Plakette einfahren dürfen. Das Problem für die Zeesener Firma und viele andere Handwerker und Baufirmen in Brandenburg: Ihre Fahrzeuge werden zumeist von Dieselmotoren angetrieben, die besonders viele Stickoxide ausstoßen.

Trzeciok ist vor allem deshalb sauer, weil seine Transporter gerade mal zwischen einem und drei Jahren alt sind und der Euro-V-Abgasnorm entsprechen. Sollte die blaue Plakette kommen, sieht der Firmenchef für das Geschäft in Berlin schwarz. 93 Prozent der Aufträge seines Unternehmens werden derzeit in Berlin realisiert. Viele davon im Bereich der Umweltzone innerhalb des S-Bahnrings.

Viele erfüllen nicht die Euro-6-Norm

Auch bei der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e. V. (FG Bau) werden die Alarmglocken geläutet. „Würde Berlin ernst machen und zeitnah eine blaue Plakette für den Innenstadtbereich einführen, hätte das massive Auswirkungen auf die regionalen Bauunternehmen und die Bautätigkeit in Berlin“, erklärt Hauptgeschäftsführer Reinhold Dellmann. Nach einer Befragung unter den 900 Mitgliedsunternehmen nutzen drei Viertel der Betriebe Dieselfahrzeuge. Mehr als die Hälfte gibt an, dass ihre Fahrzeuge der derzeit höchsten Abgasnorm, Euro 6, nicht entsprechen.

„Die Einführung der blauen Plakette und damit de facto Fahrverbote in den Innenstadtbereichen von Berlin oder auch Potsdam und Cottbus für Dieselfahrzeuge würden die Bauwirtschaft massiv betreffen“, warnt Delllmann. Würde die Plakette bereits zum 1. Januar 2020 eingeführt, befürchten knapp 70 Prozent der Firmen, dass sie erhebliche Investitionen für die Neuanschaffung von Fahrzeugen tätigen müssten. 59 Prozent rechnen mit der Einschränkung ihrer Geschäftstätigkeit.

„Einführung mit Augenmaß“ gefordert

Daher fordert die FG Bau „eine Einführung der Plakette mit Augenmaß“. Bauunternehmer Trzeciok hält eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2025 für „sinnvoll“. Vielleicht könnte man je nach den bisherigen Abgasstufen differenziert vorgehen, schlägt er vor. Am liebsten wäre ihm, dass es bundesweit einheitliche Regelungen zur Reduzierung von Stickoxiden gibt.

Die Luft in den Städten müsse besser werden, meint der Unternehmer. Allerdings dürfe das nicht im Hauruckverfahren angegangen werden. Die Unternehmen müssten genügend Zeit zum Reagieren bekommen. Und über Vorschläge aus Berliner Senatskreisen, die Transporte innerhalb der Innenstadt mit „Transportfahrrädern“ zu bewältigen, kann man auf dem Bau dagegen nur müde lächeln.

Eitel Sonnenschein kann die FG Bau ansonsten beim Blick auf die brummende Konjunktur vermelden. Nach der aktuellen Frühjahrsumfrage schätzen 85 Prozent der Firmen ihre derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Zwei Drittel rechnen in diesem Jahr mit einem weiteren Umsatzanstieg. 58 Prozent der Brandenburger Hochbauer sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage „sehr zufrieden“.

Jeder zweite erwartet in diesem Jahr bessere Geschäfte als 2016. Für eine Eintrübung der Aussichten sorgt allerdings der Mangel an Fachkräften. Derzeit sind rund 650 Stellen nicht besetzt. Kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht.

Von Reinhard Zweigler

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