Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wirtschaft DGB-Studie: Fast jeder dritte Azubi ist mit seiner Ausbildung unzufrieden
Nachrichten Wirtschaft DGB-Studie: Fast jeder dritte Azubi ist mit seiner Ausbildung unzufrieden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:33 29.08.2019
Fast jeder dritte Azubi ist mit seiner Ausbildung unzufrieden.

Überstunden, Mobbing oder grobe Verstöße gegen das Arbeitsrecht - zwar sind die meisten Auszubildenden in Deutschland mit ihrer Lehrstelle „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Doch im Ausbildungsreport, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Donnerstag in Berlin zum 14. Mal veröffentlicht hat, liegt der Anteil der Zufriedenen erstmals unter der Marke von 70 Prozent. Vor zehn Jahren seien es noch 75,5 Prozent gewesen, heißt es beim DGB.

Der hat teils drastische Schilderungen gesammelt: "Obwohl minderjährig, arbeite ich teilweise 12 Tage am Stück, drei Sonntage im Monat und auch an Feiertagen“, beschwert sich eine angehende Hotelfachfrau im Onlineforum „Dr. Azubi“. Eine andere Userin klagt über ihre Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin, dass sie „4-mal am Tag Kundentoiletten samt Kloschüssel und Pissoire putzen muss“.

In einigen Berufen ist es besonders schlimm

Dabei wirken die offiziellen Zahlen auf den ersten Blick glänzend: Die Lehrherren in Deutschland boten laut Bundesagentur für Arbeit zuletzt etwa 556 000 Ausbildungsplätze an - 8000 mehr als vor einem Jahr. Nur 497 000 junge Leute gaben an, eine Lehrstelle zu suchen. Das sind 24 000 weniger als vor Beginn des vorigen Ausbildungsjahr. Allerdings will kaum jemand Bäcker werden. Oder Fleischer. Oder Klempner.

Und das könnte aus Sicht des DGB an den teilweise problematischen Arbeitsbedingungen liegen. Vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe hat einen schlechten Ruf, der sich auch im DGB-Ausbildungsreport niederschlägt. Für ihre Studie hatte die Gewerkschaft mehr als 16 000 Lehrlinge aus den 25 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen befragt. Und 52 Prozent der Köche sowie 57 Prozent der Hotelfachleute gaben an, regelmäßig von Überstunden betroffen zu sein.

Das spiegelt sich auch in der Gesamtzufriedenheit mit dem Ausbildungsberuf wieder: Angehende Köche gehören zu den unzufriedensten Azubis. Ebenfalls unglücklich sind dem DGB zufolge künftige Friseure, Maler und Lackierer, Hotelfachleute und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk.

Besonders zufrieden zeigten sich hingegen Auszubildende als Industriemechaniker, Verwaltungsangestellte, Industriekaufleute, Mechatroniker und Zerspannungsmechaniker.

Bei Problemen mit Ausbildungsbetrieb: Das können Azubis tun

Laut Studie muss zudem fast jeder achte Jugendliche unter 18 Jahren verbotenerweise mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten - vor einem Jahr war es nur jeder zehnte. „Die Auszubildenden dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden“, mahnte deshalb die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. Ausbildungsberufe, in denen überlange Arbeitstage häufig vorkommen, haben oft eine hohe Abbrecherquote.

Ein weiteres Problem bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen ist die Tatsache, dass viele jungen Leute nur bedingt zum Ortswechsel bereit sind. In Gegenden wie Mecklenburg gibt es nach Angaben der Arbeitsagentur Lehrstellen vor allem in der Gastronomie und nur wenige in anderen Berufen. Dagegen gibt es in Bayern in vielen Bereichen zu wenige Bewerber.

Bei der Digitalisierung hapert es

Einen Schwerpunkt des DGB-Ausbildungsreports lag in diesem Jahr auf der notwendige Digitalisierung der Ausbildung - und auch hier scheint es erheblichen Nachholbedarf zu geben: Nach eigener Einschätzung werden lediglich 54 Prozent der Jugendlichen gezielt darauf vorbereitet, im Berufsalltag digitale Technologien zu nutzen. Die digitale Ausbildung an der Berufsschule bewertet jeder dritte Azubi nur als „ausreichend“ oder gar „mangelhaft“.

Der Gewerkschaftsverband fordert deshalb eine bessere technische Ausstattung der Berufsschulen sowie eine bessere Qualifizierung der Lehrkräfte. „Die Mittel aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern müssen auch an den beruflichen Schulen ankommen“, mahnte DGB-Vize Elke Hannack.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) machte sich dafür stark, die Berufsschulen besser auszurüsten: „Sie brauchen nicht nur eine hochwertige und zeitgemäße Ausstattung, sondern auch im Umgang mit der Technik versierte Lehrer“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sieht grundsätzlich aber auch die Azubis in der Pflicht: „Die persönliche Eignung, das Engagement und die Sozialkompetenzen sind ebenso wie die fachliche Eignung der Auszubildenden entscheidende Voraussetzungen für den Ausbildungserfolg.“

(mit DPA)

Lesen Sie auch: Handwerker erklärt: Darum haben meine Mitarbeiter ein Drei-Tage-Wochenende

Lesen Sie auch: Lohnt sich eine Ausbildungsversicherung?

Von Christoph Höland/RND

Der Ton deutscher Banken gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) wird schärfer: Nun warnt der oberste Sparkassen-Chef der Bundesrepublik vor weiteren Belastungen für die Kunden.

30.08.2019

E-Scooter sind umstritten - weil die Unfallzahlen hoch und der Platz in den Städten begrenzt ist. Trotzdem haben die umweltfreundlichen Kleinst-Vehikel eine Chance verdient. Dafür braucht es aber mehr Engagement vom Gesetzgeber und von Kommunen, findet unser Autor.

29.08.2019

Lautlos, energiesparend und trotzdem umstritten: Seit ihrer Einführung polarisieren E-Scooter die Bundesrepublik. Nun machen Experten Vorschläge, wie sich die Potentiale besser auschöpfen ließen. Doch gleichzeitig zeichnen sich die ersten Verleih-Pleiten ab.

29.08.2019