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Wirtschaft Deutschland bleibt steiniges Pflaster für Start.ups
Nachrichten Wirtschaft Deutschland bleibt steiniges Pflaster für Start.ups
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09:14 28.10.2019
Bei den Startups in Deutschland fehlt Kapital für die weitere Expansion. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
München

Allen politischen Bekenntnissen zum Trotz bleibt Deutschland ein steiniges Pflaster für Start-ups. Hauptproblem bleibt die Finanzierung, wobei nach Einschätzung mehrerer Branchenvertreter und Fachleute eine paradoxe Situation entstanden ist: Der Staat fördert zwar mittlerweile die Gründung von Start-ups. Doch einheimische Geldgeber, die Jungunternehmen nach der Gründungsphase weiteres Wachstum ermöglichen können, fehlen nach wie vor. So geraten erfolgversprechende deutsche Start-ups dann häufig in Abhängigkeit ausländischer Investoren, mit der Gefahr, dass die Technologie über kurz oder lang abwandert.

"Bei den Investoren gibt es nach wie vor ein Riesenloch im mittleren Bereich", sagt Carsten Rudolph, Geschäftsführer der Förderagentur BayStart-up in München. "Die ersten ein, zwei Millionen Euro sind für die meisten Start-ups kein Problem. Die Investorenszene für die Frühphase hat sich erfreulich gut entwickelt", sagte Rudolph der Deutschen Presse-Agentur.

Doch ein Problem bleibt: In Deutschland gibt es zu wenig Risikokapitalfonds, die Start-ups den nächsten Schritt ermöglichen: "Schwierig wird es ab 10 Millionen Euro aufwärts, wenn es für ein Start-up darum geht, die Welt zu erobern. Und je weiter Sie nach Norden kommen, desto dünner wird das Ganze", sagt Rudolph.

Das Geld kommt aus dem Ausland

Die Folge: Start-ups, die wachsen wollen, sind meist auf ausländische Geldgeber angewiesen, wie Paul Wolter sagt, Sprecher des Bundesverbands Deutsche Start-ups. "Das Wachstumskapital ist ein Engpass." Das wird auch außerhalb der Start-up-Szene bestätigt: Geldgeber für die Wachstumsphase seien sehr oft ausländische Investoren, sagt Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). "Es sind viele deutschen Start-ups keine deutschen Start-ups mehr."

So gerät in der Anfangsphase mit deutschen Staatszuschüssen entwickelte Technologie schlussendlich unter ausländische Kontrolle. Und das wiederum führt nach Angaben der Fachleute häufig dazu, dass die Technologie ins Ausland abfließt. "Wenn sich ein Start-up nach China verkaufen muss, ist das volkswirtschaftlich nicht unbedingt sinnvoll", sagt Rudolph dazu.

Große Abhängigkeit von Staatsgeldern

Zudem zeigt der regionale Blick, dass große Teile Deutschlands eine Start-up-Steppe sind, in der wenig wächst. Laut "Deutschem Start-up-Monitor" - einer alljährliche Studie des Bundesverbands und der Unternehmensberatung PwC - werden etwa drei Viertel aller Start-ups in sechs Bundesländern gegründet: NRW, Berlin, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hamburg. Im restlichen Bundesgebiet - vor allem in Ostdeutschland - tut sich sehr wenig.

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Und finanziell tun sich Gründer außerhalb Bayerns und Berlin offensichtlich besonders schwer: An Start-ups in diesen beiden Bundesländern sind über 40 Prozent der Förderzusagen des High Tech Gründerfonds geflossen, wie dessen regionaler Auswertung zu entnehmen. Der HTGF ist ein Kooperationsprojekt von Bundesregierung und Privatwirtschaft.

Die Banken können Start-ups kaum helfen

Banken müssen bei der Gründungsfinanzierung vorsichtig sein, sie sind rechtlich verpflichtet, bei der Kreditvergabe keine unüberschaubaren Wagnisse einzugehen. Nicht umsonst lautet eine deutsche Übersetzung des englischen Begriffs Venture Capital "Wagniskapital". "Es liegt in der Natur der Sache, dass das Ausfallrisiko bei Unternehmensgründungen höher ist als bei etablierten Unternehmen, die es seit zwanzig Jahren gibt", sagt Herbert Maier, Leiter Unternehmenskunden Süd bei der Commerzbank.

Banken hätten bei der Gründungsfinanzierung stets "mit einer mehr oder weniger großen Black Box zu tun", sagt Maier dazu. Die Kompetenz der Bankberater ist nach Worten des Bankmanagers "extrem wichtig, sei es um auf Risiken hinzuweisen oder Tipps für den Businessplan zu geben". Die Commerzbank hat sich über ihre Tochter "Main Incubator" selbst an etwa 30 Finanz-Start-ups beteiligt.

Ein wesentlicher Grund für den allgemeinen Mangel einheimischer Geldgeber ist nach Einschätzung der bayerischen Industrie- und Handelskammern das deutsche Steuerrecht: Viele Start-ups scheitern, dementsprechend setzen auch viele Investoren Geld in den Sand. BIHK-Hauptgeschäftführer Gößl fordert daher bessere Abschreibungsmöglichkeiten für Risikokapital: "Wagnisfinanzierung braucht steuerliche Unterstützung."

RND/dpa

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