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Wirtschaft Die Bahn kommt nicht: Wie Kunden ihre Ansprüche durchsetzen können
Nachrichten Wirtschaft Die Bahn kommt nicht: Wie Kunden ihre Ansprüche durchsetzen können
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10:00 16.11.2018
Überall Verspätungen – und dann auch noch in Englisch: Unpünktliche Züge ärgern Bahnreisende immer wieder. Oft stehen ihnen aber Entschädigungen zu. Quelle: Foto: Lino Mirgeler/dpa
Berlin

Bahnreisende sollen nach dem Willen des EU-Parlaments künftig deutlich höhere Entschädigungen bei Zugverspätungen erhalten. Die Europaabgeordneten stimmten am Donnerstag in Straßburg für entsprechende Vorschläge.

Was will das Europaparlament erreichen?

Nach dem Parlamentsbeschluss sollen Bahnunternehmen bei Verspätungen von mehr als einer Stunde die Hälfte des Ticketpreises zurückerstatten. Drei Viertel würden bei mehr als eineinhalb Stunden und der komplette Ticketpreis bei mehr als zwei Stunden Verspätung fällig.

Wie sieht die Regelung in Deutschland bisher aus?

Bisher haben Bahnreisende in Deutschland höchstens Anspruch auf die Hälfte des Fahrscheinpreises: Ab einer Stunde Verspätung am Zielort gibt es ein Viertel des Ticketpreises zurück, bei mehr als zwei Stunden ist es die Hälfte. Besitzt man eine Bahncard 100, gibt es 10 Euro in der zweiten Klasse, wenn der Zug mehr als 60 Minuten zu spät ankommt.

Ab wann gelten denn die neuen Regeln?

Ob das Parlament mit seinen Forderungen Erfolg hat, steht noch nicht fest. Bevor die neuen EU-Regeln in Kraft treten können, müssen die Abgeordneten einen Kompromiss mit dem Rat der Mitgliedsstaaten finden. Es geht darum, die seit 2009 bestehenden Regeln zu den Fahrgastrechten zu aktualisieren.

Wann habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Schon jetzt spielt laut Deutscher Bahn der Grund für die Verspätung keine Rolle. Auf höhere Gewalt kann sich der Konzern im Gegensatz zu Fluggesellschaften nicht berufen. Lokführerstreik, Sturmschäden, geflutete Strecken – kommt ein Zug deshalb zu spät oder fällt er aus, hat man trotzdem Anspruch auf Entschädigung oder Kostenerstattung.

Wie bekomme ich eine Entschädigung?

Die Entschädigung müssen Kunden beim bahneigenen Servicecenter für Fahrgastrechte beantragen. Dafür gibt es im Zug, am Bahnhof oder online zum Ausdrucken ein Formular. Das müssen sie ausfüllen und in einem Reisezentrum abgeben oder per Post an die Bahn schicken.

Geht das nicht auch online oder wenigstens per E-Mail?

Auf digitalem Weg lässt sich der Antrag auf Entschädigung nicht senden. Die Deutsche Bahn will das auf lange Sicht auch ändern. Doch technisch ist das angeblich komplex und herausfordernd.

Ist das nicht gerade für Vielfahrer lästig?

Ganz sicher. Deshalb hat die Bahn einen Tipp: das Formular online ausfüllen und im Computer speichern. Daten wie Anschrift oder Kontoverbindung müssen dann nicht jedes Mal wieder eingetragen werden. Ausdrucken und verschicken oder am Bahnhof vorbeibringen ist aber unvermeidlich.

Wie lange dauert es, bis das Geld fließt?

Die Bahn muss einen Antrag innerhalb eines Monats bearbeiten. Meist gehe es schneller, sagt ein Bahnsprecher. Anfang November betrug die durchschnittliche Zeit zehn Tage. Ansprüche ließen sich in der Regel ohne Probleme durchsetzen, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Und wenn es dennoch Probleme gibt?

Bei Streitfällen müssen Verbraucher die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr anrufen. Sie schlichtet in 60 bis 70 Prozent der Fälle im Kundensinne.

Von Violetta Heise und Tom Nebe