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Wirtschaft Die Öko-Standards drohen zu scheitern
Nachrichten Wirtschaft Die Öko-Standards drohen zu scheitern
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20:51 12.06.2017
Ist auch Bio drin? Der Wunsch nach gemeinsamen Standards droht zu platzen. Quelle: dpa
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Brüssel

Das Ziel der Verordnung klingt denkbar simpel: Wo „Bio“ draufsteht, muss auch „Bio“ drin sein. Doch der Versuch der 28 Mitgliedstaaten, sich auf gemeinsame Standards für den Wachstumsmarkt zu einigen, zieht sich schon drei Jahre hin. Erst vor wenigen Wochen wurde ein Treffen zur Verständigung von Europäischer Kommission, EU-Parlament und Mitgliedstaaten kurzfristig abgesagt. Begründung: keine Chance auf Einigung.

Als die Agrarminister der Gemeinschaft am Montag in Luxemburg zusammenkamen, um informell über das Thema zu beraten, platzte dem deutschen Agrarminister Christian Schmidt (CSU) denn auch erkennbar der Kragen: „Wenn wir in den nächsten Wochen nicht zu einem Ergebnis kommen sollten, dann muss ein neuer Anlauf gestartet werden“, sagte er. Seine Amtskollegen waren einverstanden. Bis zur Sommerpause soll es noch einen letzten Kompromissversuch geben.

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Dutzende Standards sorgen für Chaos

Der Bio-Markt legt seit Jahren rasant zu. Allein im Jahr 2015 lag die Steigerungsrate bei rund 13 Prozent in Deutschland. Zu viel für die 26.855 Betriebe, die sich auf 1.185.471 Hektar verpflichtet haben, die EU-Vorschriften für den ökologischen Landbau einzuhalten – diese Zahlen entsprechen 9,7 Prozent der Betriebe auf etwa 7,1 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Doch der Verbraucher will mehr. Um die Nachfrage zu stillen, wird importiert, aus anderen EU-Ländern, aber auch aus Drittstaaten. 64 Importstandards sorgen für ein heilloses Chaos, zusammen mit den unterschiedlichen Wünschen der Mitgliedstaaten sei ein „praktisch kaum zu entwirrendes Durcheinander“ entstanden, heißt es in Brüssel.

Das beginnt bei der Frage, wie der Bio-Anbau davor geschützt werden kann, mit Pestiziden von konventionell genutzten Flächen kontaminiert zu werden. Einige nordische Länder bestehen auf Ausnahmeregelungen für Gewächshaus-Herstellung. Die Frage, ob Bio-Höfe auch herkömmliches Saatgut erwerben dürfen und ob welchen Anteil des Viehfutters sie mindestens selbst anbauen müssen, steht im Raum. Brüssel wollte in seinem Entwurf von 2014 ehrgeizige Ziele setzen: So sollte die Pestizidbelastung die Grenzwerte von Babynahrung nicht überschreiten. Das war damals selbst dem Bundesverband für Umwelt- und Naturschutz (BUND) zu ambitioniert.

Mängel verunsichern Verbraucher

Viele Verbraucher reagieren verärgert. Immerhin gaben die Bundesbürger 2016 rund 9,5 Milliarden Euro für eine gesunde Ernährung aus biologisch kontrolliertem Anbau aus. Die Nachricht, dass eine Vielzahl der Produkte nicht dem hohen deutschen und europäischen Standard entsprechen, sorgt immer wieder für eine Vertrauenskrise. Vor drei Jahren watschte die Verbraucherzentrale Hamburg gleich mehrere Hersteller von Bio-Produkten ab, weil die verwendeten Zusatzstoffe nicht den Vorgaben entsprachen. Und auch in diesem Jahr erreichten die Kommission wieder zahlreiche Beschwerden über vermeintlich seriöse Kontrollstellen, die das Bio-Siegel verliehen, obwohl es keineswegs angebracht wäre.

Die neue Brüsseler Öko-Verordnung soll solchen Praktiken einen Riegel vorschieben. Doch dazu müssten alle Beteiligten und die zuständigen Verbände mitmachen. Der Bund Ökologische Landwirtshaft (BÖLW) hat jedenfalls inzwischen die wesentlichen Forderungen der EU übernommen und spricht sich für intensivere Kontrollen der Importe aus Drittändern, für die Weiterentwicklung der Überwachung und der Bio-Geflügelhaltung aus. Außerdem soll der Einsatz von Öko-Saatgut erhöht und Regeln für den Anbau in Gewächshäusern ergänzt werden. Damit müssten eigentlich alle leben können, möchte man meinen. Für eine Einigung der Gemeinschaft hat es dennoch bisher nicht gereicht.

Von Detlef Drewes/RND