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Wirtschaft Dübel, Brandschutz, Kabeltrassen: Scheitert die BER-Eröffnung schon wieder?
Nachrichten Wirtschaft Dübel, Brandschutz, Kabeltrassen: Scheitert die BER-Eröffnung schon wieder?
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00:23 20.05.2019
Bleibt der BER eine ewige Baustelle? Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup will jedenfalls keine Eröffnungsgarantie abgeben. Quelle: Torsten Gellner
Potsdam

Der Zeitplan von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup ist straff. Viel darf nicht mehr dazwischenkommen, damit es diesmal mit der Eröffnung klappt. Die wichtigsten Wegmarken, bis die erste Maschine vom BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) abhebt, sind datiert auf Sommer, Herbst und Frühjahr. Der Winter kommt nicht vor. Das soll vielleicht ein gutes Omen sein.

Notstromkabel und Brandmelder: Seit Jahren wird am neuen Hauptstadtflughafen an den gleichen Problemen gearbeitet. Können die Termine diesmal eingehalten werden?

Im Sommer (Juli/August) soll der Tüv mit den Wirkprinzipprüfungen beginnen können, wobei die Gebäudetechnik auf Herz und Nieren getestet wird. Im Herbst (September/Oktober) soll das Terminal beim Bauordnungsamt in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) als fertig gemeldet werden. Im Frühjahr (März/April) erwartet der Flughafenchef dann die Nutzungsfreigabe durch das Bauamt. Dann wäre noch bis Oktober 2020 Zeit für den finalen Testlauf, bei dem der Flughafenbetrieb mit Mitarbeitern und Komparsen getestet wird.

An diesem Zeitkorsett hält Lütke Daldrup fest, der sich am Freitag dem Aufsichtsrat erklären muss. Die einst großzügigen Zeitpuffer sind inzwischen abgeschmolzen. Zwei zentrale Gewerke sind im Verzug, hinzu kommt der Ärger mit den nicht zertifizierten Dübeln. Welches sind die Hauptrisiken, die einer Eröffnung im Wege stehen?

Kabel und Brandmeldeanlage im Verzug

Da ist zum einen der anhaltende Ärger mit den Kabeltrassen und der Brandmeldeanlage. Für die Verkabelung ist die Firma ROM, für die Brandmeldeanlage ist Bosch zuständig. Beide brauchten länger als geplant, und beide Gewerke sind noch immer nicht mängelfrei. Für Bosch könnte das teuer werden. Mit der Firma hatte der Flughafen eine Bonus-Malus-Regelung getroffen, wonach Abschläge fällig werden, wenn Termine überschritten werden.

Dass am Flughafen deswegen noch einmal größere Umbauten nötig seien, weist die Geschäftsführung zurück. Es müsse lediglich eine Kabelpritsche verbreitert werden, von 20 auf 30 Zentimeter, damit die dort verlegten Kabel mehr Platz haben. Dies betrifft einen Strang von etwa 25 Metern Länge. Bis Ende Mai soll dies geschehen sein.

Risikofaktor Wirkprinzipprüfung

Selbst wenn der Kabelsalat rechtzeitig bis Juni behoben wird und die Brandmeldeanlage funktioniert, bleibt das Risiko bestehen, dass die vom Tüv begleitete Wirkprinzipprüfung neue Probleme offenbart. Dabei werden die einzelnen Anlagen des komplexen Sicherheitssystems – von der Notstromversorgung bis zur Sprinkleranlage – getestet und vor allem, wie sie miteinander funktionieren.

Wenn die Prüfung schief geht, verzögert sich die Baufertigstellungsanzeige. Lütke Daldrup hält dieses Risiko allerdings für gering, da die Anlagen immer wieder zumindest einzeln getestet worden seien.

Abhängig vom Landesamt

Und dann bleiben da noch die vom Tüv monierten Dübel ohne Zulassung. Zwar hat der Flughafenchef dementiert, dass es sich dabei um Plastikdübel handelt, die bei großer Hitze schmelzen. Vielmehr seien Metalldübel verbaut worden, die technisch gesehen in Ordnung und sicher seien. Das muss der Flughafen nun nachweisen und sich beim Landesamt für Bau und Verkehr in Cottbus eine sogenannte „vorhabenbezogene Bauartgenehmigung“ erteilen lassen. Wie lange das dauert, ist unklar. Und ob das so reibungslos läuft, wie Lütke Daldrup sich das vorstellt, ist fraglich. Er selbst gibt sich gelassen. Er hält das Dübel-Problem für „medial aufgebauscht“.

CDU will Sonderermittler an den BER schicken

Auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats steht am Freitag außerdem der Jahresabschluss für 2018. Die Flughafengesellschaft macht seit Jahren Miese, wegen der Einnahmeausfälle am BER und den sich summierenden Baukosten. Wenn man nur das operative Geschäft der beiden ausgelasteten Flughäfen Schönefeld und Tegel betrachtet, konnte die FBB im Jahr 2017 knapp 102 Millionen Euro erlösen. Für 2018 wird ein etwas höheres operatives Ergebnis erwartet, da 2017 unter dem Einfluss der Air-Berlin-Pleite stand.

Zeitgleich zur Aufsichtsratssitzung diskutiert der Brandenburger Landtag auf Antrag der CDU-Fraktion über die Baurisiken. Oppositionsführer Ingo Senftleben (CDU) fordert von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ein klares Statement. Bis Ende Juli soll dem Landtag ein vollständiger Bericht über die vorhandenen Mängel und möglichen Mehrkosten vorgelegt werden. Außerdem will die CDU im Falle eines Wahlsiegs einen „Sonderermittler“ an den BER entsenden.

Dass Woidke sich am Freitag äußert, ist eher unwahrscheinlich. Bisher ist laut Staatskanzlei vorgesehen, dass Staatskanzleichef Martin Gorholt (SPD) in die Bütt geht. Schließlich sei er als Flughafenkoordinator auch zuständig.

Von Torsten Gellner

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