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Wirtschaft Nach Germania-Pleite: Brandenburger kämpft um Reisekostenerstattung
Nachrichten Wirtschaft Nach Germania-Pleite: Brandenburger kämpft um Reisekostenerstattung
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00:23 01.04.2019
Nach der Germania-Pleite im Februar fielen zahlreiche Flüge aus oder wurden umgebucht. Quelle: dpa
Potsdam

Per Direktflug von Berlin nach Lanzarote und zurück, das war der Plan. Stattdessen landete Peter Otto aus Kleinmachnow nach seiner zehntägigen Pauschalreise in Hamburg. Sein Reiseveranstalter TUI hatte ihn erst einen Tag vor Abflug darüber informiert, dass sein Flug infolge der Germania-Insolvenz umgebucht wurde. „Wenn ich den Computer nicht am Tag vor dem Urlaub eingeschaltet hätte, hätte ich das gar nicht gesehen“, so Otto.

Er übernachtete in Hamburg und fuhr am nächsten Tag zurück nach Berlin. Die Kosten dafür stellte er TUI in Rechnung. Eine Rückmeldung bekam er zunächst nicht.

Reise verlief anders als geplant

Der Kleinmachnower könne noch Verständnis dafür aufbringen, dass sein Flieger auf dem Hinflug einen ungeplanten Zwischenstopp in Leipzig einlegte, um zu tanken. Wenig Verständnis habe Otto jedoch dafür, dass sein Rückflug so kurzfristig in eine andere Stadt verlegt wurde.

Was ihn besonders ärgere: Nur eine halbe Stunde vor seinem unfreiwilligen Flug nach Hamburg flog eine andere Maschine nach Berlin. „Da war ein Tumult am Schalter im Flughafen, da standen bestimmt 300 Leute“, sagte er.

Kleinmachnower fordert Kostenerstattung

Das war Ende Februar. Unmittelbar nach seiner Rückkehr wandte er sich in einem Schreiben an seinen Reiseveranstalter, in dem er alle Reisemängel aufzählte. Er erwarte eine Erstattung von 20 Prozent der Kosten für die Pauschalreise, heißt es darin. Andernfalls werde er den Rechtsweg beschreiten.

20 Prozent entsprächen einem Betrag von fast 450 Euro. Bisher habe der Kleinmachnower allerdings nur eine formlose Überweisung über 96 Euro erhalten – weil der Flug nach Hamburg 96 Euro günstiger war als der nach Berlin, wie sich später herausstellte. Seine Beschwerde blieb unbeantwortet.

TUI will Ottos Fall prüfen

Otto wandte sich mit seinem Fall an die MAZ, die den Tourismuskonzern TUI damit konfrontierte. „Unsere Serviceteams haben mit Hochdruck daran gearbeitet, die Kunden, die von der Germania-Insolvenz betroffen waren, auf alternative Flüge umzubuchen und die Gäste über ihre neue Flugverbindung zu informieren“, erklärte daraufhin die TUI-Sprecherin Anja Braun.

Leider habe es nicht in jedem Fall einen „hundert Prozent passenden Ersatzflug“ gegeben, sagte die Sprecherin. So sei es auch im Fall von Herrn Otto gewesen. „Selbstverständlich erstatten wir Herrn Otto entstandene Mehrkosten“, so Braun.

Kurz darauf kontaktierte ein TUI-Mitarbeiter den Kleinmachnower Kunden. Er müsse nur die Belege für seine Mehrkosten einschicken, dann werde sein Anliegen geprüft. „Der Herr klang wirklich sehr konziliant“, sagte Otto. Er glaube aber nicht, dass er ohne das Zwischenspiel mit der Pressestelle so schnell einen Rückruf bekommen hätte.

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Pauschalreisende haben bessere Möglichkeiten

Die Verbraucherzentrale Brandenburg bietet Rechtsberatung an. Quelle: Michael Hübner

Dabei stehen Pauschalreisende wie Otto rein rechtlich gesehen besser da als Indidvidualreisende. „Als Pauschalreisender hat man eigentlich noch gute Karten, wenn eine Airline pleite geht“, sagte Katarzyna Guzenda vom deutsch-polnischen Verbraucherinformationszentrum (VIZ) der Verbraucherzentrale Brandenburg.

„Der Reiseveranstalter muss bei Reisemängeln dafür sorgen, Abhilfe zu schaffen“, erklärte sie. Das heißt: Wenn ein Reisender nach der Landung noch eine weite Heimreise mit dem Zug antreten muss, ist der Veranstalter verpflichtet, die Kosten erstatten.

„Das Reiserecht ist allerdings ein ziemlich kompliziertes Konstrukt“, sagte die Juristin. Bei jedem Einzelfall müsse überprüft werden, ob die Änderung des Reiseplans zumutbar ist. „Viele Fälle enden mit einem Gerichtsurteil“, erläuterte Guzenda. Bis es eine Einigung gibt, dauere es manchmal drei Monate.

Viele Fälle landen vor Gericht

Rechtlich gegen die Reiseveranstalter vorzugehen, sei zudem mit einem Risiko verbunden. Unterliegt der Passagier im Rechtsstreit, muss er die Verhandlungskosten übernehmen. Viele verprellte Urlauber schrecke das ab.

Noch schlechter stünden die Chancen für Individualreisende, die ihren Flug direkt bei der Airline gebucht haben. Meldet die Fluggesellschaft Insolvenz an, ist es laut Guzenda unwahrscheinlich, dass die Urlauber ihr Geld zurückbekommen. Diese Passagiere haben keinen Vermittler und müssen sich direkt beim Insolvenzverwalter melden. Eine Kostenerstattung sei in so einem Fall „wenig realistisch“.

Rechtsberatung bei der Verbraucherzentrale

Brandenburgs Verbraucherzentralebietet Reisenden eine außergerichtliche rechtliche Vertretung gegenüber Reiseunternehmen an. Pauschal kostet die Rechtsvertretung 40 Euro pro Fall.

Beratungsgesprächewerden persönlich, telefonisch oder per E-Mail angeboten. Eine Übersicht über die Kosten finden Sie hier.

Terminekönnen online oder unter 0331/98 22 999 5 vereinbart werden. Die Beratung per Videochat im sogenannten Digimobil ist kostenlos.

Von Hannah Rüdiger

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