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00:18 29.01.2019
Hannelore Wodtke vor dem Tagebau in Welzow. Quelle: privat
Potsdam

Hannelore Wodtke ist Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Welzow und saß in der Kohlekommission. Als einziges Mitglied des Gremiums stimmte sie gegen den Abschlussbericht, der einen Ausstieg aus der Kohle bis 2038 vorsieht. Im Gespräch mit der MAZ erklärt sie, warum sie standhaft blieb.

Frau Wodtke, warum haben Sie den Empfehlungen der Kohlekommission als einzige nicht zugestimmt?

Hannelore Wodtke: Ich sitze für die Dörfer in der Kommission, die von der Abbaggerung bedroht sind. Es war mein Ziel, diese Menschen vor der Heimatlosigkeit zu bewahren. In Proschim sind 370 Menschen von der Abbaggerung bedroht. Aber unsere Ost-Ministerpräsidenten haben geblockt, während die Regierung von Nordrhein-Westfalen den Hambacher Forst geschützt hat. Ich wollte mir noch ins Gesicht schauen können. Deswegen habe ich das Papier am Ende abgelehnt.

Was heißt das jetzt für die Menschen in Proschim?

Für sie geht die Zeit der Unsicherheit weiter. Die Leag hat angekündigt, dass sie bis 2020 entscheiden will, ob das Dorf abgebaggert werden soll. Wir wissen nicht, wie sich die Leag entscheiden wird. Es kann sein, dass sie jetzt sagt, dass Proschim weichen muss, weil das Kraftwerk Jänschwalde noch zehn Jahre weiter befeuert wird. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Aber andererseits: Ich habe alles getan, um das zu verhindern.

Die Vertreter der Umweltorganisationen in der Kommission haben dem Ergebnis zugestimmt. Sind Sie enttäuscht?

Nein. Ich bin ja im Großen und Ganzen auch für das Papier. Es besiegelt den Einstieg in den Ausstieg. Das war wichtig für die Umweltverbände.

Der Kompromiss sieht den Ausstieg bis 2038 vor. Damit dürfte der Bergbaubetreiber Leag sein Revierkonzept weitgehend umsetzen können. Hat sich die Kohlelobby durchgesetzt?

Die Leag hatte die volle Rückendeckung der Landesregierungen von Sachsen und Brandenburg. Die Stilllegung der Kraftwerke wird in der Lausitz äußerst zaghaft angegangen. In Nordrhein-Westfalen herrscht da ein anderes Denken. Das ist schade.

Sie werfen den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und Michael Kretschmer vor, Marionetten der Braunkohlelobby zu sein. Es stehen aber auch Tausende Jobs auf dem Spiel, und im Herbst ist in beiden Ländern Wahl. Soll das der Politik egal sein?

Woidke und Kretschmer stehen für reines Konzerndenken. In deren Politik regiert allein der Bergbau. Es ist ja nicht so, dass von heute auf Morgen alle Beschäftigten ihre Jobs verloren hätten. Die Jobs im Bergbau wären durch Altersteilzeit und Verrentung nach und nach ausgelaufen. Niemand wäre in die Armut gestürzt. Es fließen ja auch Milliarden an Kompensationen in die Region.

Glauben Sie, dass man einen Strukturwandel hinbekommt, indem man möglichst viel Geld in eine Region pumpt?

Ja, das wird funktionieren. Die Menschen hier haben eine fundierte technische Ausbildung, die in anderen Branchen gebraucht wird. Aber wenn die Politik ausgeschlafen gewesen wäre, hätte sie den Strukturwandel viel früher anpacken können. Es war seit Jahren bekannt, dass der Ausstieg irgendwann kommt.

Wie bewerten Sie die Arbeit der Kohlekommission insgesamt – war sie ausgewogen besetzt?

Das kann man schon sagen. Es waren alle Fachgruppen und gesellschaftlichen Bereiche vertreten. Wir hatten auch ein gutes Miteinander. Da herrschte keine Feindseligkeit. Es lief wirklich gut.

Von Torsten Gellner

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