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Wirtschaft Klöckner legt sich fest: So soll das Nährwert-Logo aussehen
Nachrichten Wirtschaft Klöckner legt sich fest: So soll das Nährwert-Logo aussehen
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21:05 30.09.2019
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Kloeckner, CDU, zeigt auf einer Pressekonferenz das neue Nährwert-Logo. Den sogenannten "Nutri-Score". Quelle: imago images/photothek
Berlin

Nach einer jahrelangen Debatte um eine klarere Kennzeichnung des Zucker-, Fett- und Salz-Anteils in Lebensmitteln hat Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) nun bekanntgegeben, dass die Nährwerte von Lebensmitteln im Supermarkt künftig mit dem NutriScore-Modell gekennzeichnet werden sollen - einer fünfstufigen Ampel mit zusätzlicher Buchstaben-Bewertung.

„Ein Meilenstein in der Ernährungspolitik“, nannte das Klöckner bei der Verkündung am Montag in Berlin. „Verbraucher erwarten vor allem eine zusammenfassende Bewertung, die schnelle Orientierung gibt."

Auf einer Packung Joghurt ist der sogenannte «Nutri-Score» zu sehen. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hat sich für das farbiges Logo Nutri-Score als klarere Kennzeichnung von Zucker, Fett und Salz in vielen Lebensmitteln ausgesprochen. Das System habe in einer offiziellen Verbraucherbefragung am besten abgeschnitten, wie die CDU-Politkerin am 30.09.2019 in Berlin mitteilte. Quelle: Christophe Gateau/dpa

Vorausgegangen war eine Verbraucherumfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstitut Info im Auftrag des Ministeriums. Laut Klöckner war das Ergebnis der Studie maßgeblich für sie, welches Modell zur freiwilligen Nutzung auf Packungen empfohlen werden soll.

57 Prozent der seit Mitte Juli 1600 Befragten sprachen sich demnach für die fünf-stufige Farbskala NutriScore aus. Vor allem Personen, die sich selten oder gar nicht mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln beschäftigen, fühlten sich von dem aus Frankreich stammenden System angesprochen. Insgesamt waren vier Modelle untersucht worden.

Grün bis Rot: So wird die Zusammensetzung der Nährwerte eingeordnet

Ungünstige Nährstoffe wie Kalorien, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Natrium werden darin mit Ballaststoffen, Eiweiß, Obst, Gemüse und Nüssen, also günstigen Nährstoffen, abgewogen. Mit dem errechneten Wert können Produkte einer Farbe zugeordnet werden: Grün (A) steht für viele günstige und Rot für viele ungünstige Nährstoffe. „Das Modell an sich wird das Übergewichtsproblem nicht lösen.

Es kann aber die gesunde Wahl zur einfachen Wahl machen“, sagte Klöckner. Erleichtert wird dank NutriScore vor allem die Unterscheidung von Produkten, die einander ähnlich sind. Es sei auf den ersten Blick erfassbar, leicht zu verstehen und nutze die „bereits gelernte Farbwelt einer Ampel“, sagte Klöckner.

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Allerdings betonte die Ministerin, dass das neue Label als eine Erweiterung zu der bereits europaweit festgelegten Nährwerttabelle und Zutatenliste zu verstehen sei. Lebensmittelhersteller seien nicht verpflichtet, die Kennzeichnung auf die Verpackung zu drucken.

Verbindliche Lösung wäre verboten

Hintergrund ist, dass die EU-Verordnung hat allerdings keine empfehlende Lebensmittel-Ampel wie Nutri-Score vorsieht. Das hat die Lebensmittel-Lobby verhindert. Es gilt nun sogar das Gegenteil: Weitergehende verbindliche Vorschriften, die im EU-Recht nicht vorgesehen sind, sind den Mitgliedstaaten ausdrücklich verboten. So soll der freie Warenverkehr gesichert werden.

Deutschland kann die Lebensmittel-Ampel also wohl tatsächlich nicht verbindlich einführen. Die Verbände fordern daher eine Änderung der EU-Verordnung: Die Ampel soll EU-weit vorgeschrieben werden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat dazu bereits eine Online-Unterschriftensammlung gestartet.

Neu ist das Modell nicht

In Deutschland haben sich bereits einige Unternehmen freiwillig zu dieser Kennzeichnung verpflichtet – unter anderem der Lebensmittelkonzern Danone, auf dessen „Fruchtzwergen“ die Kennzeichnung bereits zu finden ist. Auch Bofrost und Iglo nutzen das Modell bereits in ihren Online-Shops und Webseiten. In Frankreich gibt es schon seit 2017 die bunte Skala - in Belgien und Spanien seit 2018.

Auch in Hinsicht auf die Verbraucherumfrage präsentiert die Regierung keine Neuheiten: Noch bevor das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Ergebnisse seiner eigenen vorgestellt hatte, präsentierte die Verbraucherorganisation Foodwatch eigene Ergebnisse einer Umfrage mit 1003 Personen.

Allerdings wurden dort nur zwei der vier zur Auswahl stehenden Modelle untersucht - Nutri-Score und das Waben-Sterne-Modell des Max-Rubner-Instituts (MRI). 69 Prozent der Befragten sprachen sich darin für das Farb- und Buchstabenmodell aus.

Wann kommt das Label?

Verschiedene Verbraucherorganisationen hatten schon seit Jahren eine Kennzeichnung ungesunder Lebensmittel gefordert. Laut Foodwatch hatte sich die Lebensmittel-Lobby jedoch bisher erfolgreich gegen Farb-Symbole gewehrt, die diese Information auf den ersten Blick vermittelt. Stattdessen habe sich die Industrie mit freiwilligen Selbstverpflichtungen um transparente gesetzliche Regelungen zu drücken versucht.

Wann das neue Kennzeichen in Deutschland eingeführt wird, ließ die Ernährungsministerin offen. Zunächst würden bekannte Schwachstellen des Algorithmus optimiert, der die Nährwert-Berechnung steuert. „Für den deutschen Markt werde ich sehr zeitnah die rechtliche Grundlage für die Verwendung von NutriScore schaffen und dem Kabinett zur Zustimmung vorlegen“, kündigte Klöckner an.

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Von Fabian Boerger, Christian Rath/RND

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