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Wirtschaft Noch 1169 junge Leute noch ohne Ausbildungsplatz
Nachrichten Wirtschaft Noch 1169 junge Leute noch ohne Ausbildungsplatz
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18:37 30.11.2017
Ein Auszubildender mit einem Schweißbrenner an einer Stahlwand. Quelle: dpa
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Potsdam

Auf dem Ausbildungsmarkt in Brandenburg gibt es zum zu Ende ausgehenden Jahr Licht, aber auch jede Menge Schatten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit haben aktuell 1169 Jugendliche noch keinen Ausbildungsplatz gefunden – das sind 223 mehr als 2016. Zugleich stehen mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung als im Jahr davor. Große Sorgen bereiten Arbeitsagentur, Land, Verbänden und Gewerkschaften die zurückgehende Zahl an Unternehmen, die überhaupt ausbilden.

Der Chef der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Arbeitsagentur, Bernd Becking, sagte, insgesamt sei die Entwicklung „recht gut“, aber von Entwarnung könne nicht gesprochen werden. Nach seinen Angaben bleibt die Zahl der Jugendlichen, die in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz suchten, mit rund 14 500 fast konstant. Einen Rückgang gab es allerdings nur deshalb nicht, da in diesem Jahr 456 junge Geflüchtete eine sogenannte duale Ausbildung aufnahmen. Es gibt einen Anstieg an betrieblichen Ausbildungsstellen. Die Zahl stieg um 515 auf 13 640.

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Brandenburgs Arbeits- und Sozialministerin Diana Golze (Linke) nannte die Beteiligung von Unternehmen an Ausbildung einen „Wermutstropfen“. In Brandenburg hätten 54 Prozent aller Unternehmen die Möglichkeit, junge Leute auszubilden. Aber nur 22 Prozent wären dazu auch bereit. Im Osten liegt der Schnitt bei 23 Prozent, im Westen bei 29 Prozent. Vor zehn Jahren lag die sogenannte Ausbildungsbetriebsquote landesweit noch bei 27 Prozent, wie Bernd Becking von der Regionaldirektion hervorhob. Auch die Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Doro Zinke, bedauerte diese Entwicklung. „Es wird weniger ausgebildet als früher“, meinte sie. Brandenburg sei damals „richtig gut“ gewesen. „Inzwischen ist es fast so schlecht wie Berlin.“

Ministerin Golze fordert die Unternehmen in Brandenburg auf, mehr auszubilden. „Ich appelliere an alle Ausbildungsunternehmen, Chancengeber für Jugendliche zu sein“, betonte sie. „Ein junger Mensch, der in Brandenburg keine Ausbildung bekommt, scheitert oder er geht.“ Betriebe dürften nicht nur auf die Schulnoten achten: „Theoretisches Wissen ist wichtig, aber viele verborgene Talente entfalten sich erst in der Praxis.“

Regional-Chef der Bundesagentur Bernd Becking meinte, auch für Brandenburg gelte: „Die Ausbildungslosen von heute sind die Arbeitslosen von morgen.“ Brandenburg müsse mehr ausbilden. Das gehe nur über „werben, werben, werben“. DGB-Chefin Zinke meinte, viele der Unterstützungsleistungen seien zu wenig bekannt. Der Geschäftsführer der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg, Alexander Schirp, sagte, die Ausbildung müsse insgesamt attraktiver werden. Dabei spiele zunehmend auch die Erreichbarkeit und die Anbindung per Bus und Bahn eine wichtige Rolle.

Um Jugendliche und Firmen noch besser zu erreichen, hat das Land gemeinsam mit dem Bund seit Oktober 2017 ein Programm mit dem Titel „Assistierte Ausbildung Brandenburg“ laufen. Dabei sollen Bildungsdienstleister die Betriebe bei der Organisation der Ausbildung unterstützen. Zugleich würden Auszubildende individuell begleitet und dabei flexibel unterstützt, sagte Ministerin Golze. Dabei gehe es auch um die Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie oder die Hilfe junger Eltern bei der Wohnungssuche.

Von Igor Göldner

30.11.2017
30.11.2017