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Wirtschaft Plan bis 2050: Allianz will Vermögen “klimaneutral“ anlegen
Nachrichten Wirtschaft Plan bis 2050: Allianz will Vermögen “klimaneutral“ anlegen
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14:25 08.05.2019
Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender des Versicherungskonzerns Allianz SE, will das Unternehmen langfristig auf mehr Nachhaltigkeit ausrichten. Quelle: Sven Hoppe/dpa
München

Die Allianz geht auf Bedenken von Umweltschützern und kritischen Aktionären ein. Der Versicherungskonzern will sein dreistelliges Milliardenvermögen bis 2050 in Gänze „klimaneutral“ anlegen. Das sagte Vorstandschef Oliver Bäte am Mittwoch bei der Hauptversammlung vor gut 3600 Aktionären und Aktionärsvertretern in der Münchner Olympiahalle. 

Außerdem will Europas größter Versicherer bis 2023 den gesamten Stromverbrauch des in über 70 Ländern aktiven Konzerns aus erneuerbaren Energien decken. „Es ist uns sehr ernst mit diesem Thema“, sagte Bäte. Kritik von Aktionärsaktivisten gab es dennoch - am Versicherungsgeschäft mit Staudämmen in Südamerika und Kapitalanlagen von Rüstungsunternehmen.

Allianz-Chef Bäte verfolgt seit längerem das Ziel, den Konzern zu einem Vorzeigeunternehmen im Klimaschutz machen. Seit vergangenem Jahr schließt die Allianz keine neuen Versicherungsverträge für Kohlekraftwerke mehr ab, bis 2040 soll jegliches Versicherungsgeschäft mit der Kohlebranche beendet werden.

Druck von Umweltschützern

Dabei treibt Bäte auch der Druck an, den Umweltschützer derzeit auf Unternehmen aufbauen. Bei der jüngsten Hauptversammlung des Stromversorgers RWE redete unter anderem Luisa Neubauer, eine Aktivistin von Fridays for Future. Ihrem dramatischen Appell für mehr Klimaschutz und gegen Kohlestrom folgten auch einige Aktionäre. Unter anderem die Sparkassen-Gesellschaft DEKA forderte RWE auf, nachhaltiger zu agieren.

Andere Fonds und Banken sind diesen Weg des sogenannten Divestments bereits teilweise gegangen: Norwegens 835 Milliarden Euro schwerer Staatsfond zieht sich aus Unternehmen zurück, die mehr als 30 Prozent ihrer Geschäfte mit Kohle machen. Die Stiftung der US-Milliardärsfamilie Rockefeller gibt Investments in fossile Energien ganz auf.

Allianz auch Vermögensverwalter

Derzeit verfügt die Allianz über eigene Kapitalanlagen in Höhe von etwa 650 Milliarden Euro. Darüber hinaus ist der Konzern einer der weltgrößten Vermögensverwalter für externe Kunden, die rund 1,4 Billionen Euro angelegt haben.

In diesem Bereich gibt es bisher keine Ausschlusskriterien, doch will die Allianz einen größeren Anteil der Kundengelder klimafreundlich anlegen. Das aber genügt kritischen Aktionären nicht: Wegen des verheerenden Dammbruchs einer brasilianischen Mine mit mutmaßlich rund 300 Toten im Januar forderte der Dachverband der kritischen Aktionäre die Allianz auf, keine umweltschädlichen Dämme mehr zu versichern.

Rüstungsgeschäfte ebenfalls umstritten

Die Initiative Urgewald verlangte außerdem, der Versicherer solle Rüstungsunternehmen keine Kapitalanlagen mehr anbieten: „Das sind Unternehmen, die die Despoten dieser Welt aufrüsten“, sagte Urgewald-Vertreterin Kathrin Petz.

Bäte sagte zu beiden Themen: „Wir gucken uns das jetzt etwas genauer an.“ Insbesondere bei den Staudämmen ist Bäte nach eigenen Worten „not amused“. 

Nach einem Gewinnsprung im vergangenen Jahr bekräftigte Bäte das vorsichtige Ziel für dieses Jahr: stabil 11,5 Milliarden Euro operatives Ergebnis - mit einer möglichen Abweichung von 500 Millionen Euro nach unten oder oben. 

Von RND/dpa