Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wirtschaft So können sich Betroffene gegen sexuelle Belästigung auf der Arbeit wehren
Nachrichten Wirtschaft So können sich Betroffene gegen sexuelle Belästigung auf der Arbeit wehren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:20 02.07.2019
Oft sind solche Berührungen ungewollt – doch wie können sich Betroffene dagegen wehren? Quelle: Foto: Frank May/Dpa
Hannover

Saloppe Sprüche, unerwünschte Berührungen oder der Wandkalender mit Pin-up-Girls – geht es um sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt am Arbeitsplatz, ist die Bandbreite groß. Entsprechende Erfahrungen haben Studien der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zufolge etwa die Hälfte aller Beschäftigten schon gemacht. Und nach der #metoo-Debatte wehren sich immer mehr Betroffene dagegen, wie die Fallzahlen der Antidiskriminierungsstelle zeigen. Doch wie kann man sich erfolgreich zur Wehr setzen?

Was ist überhaupt Belästigung?

Juristisch ist seit dem Jahr 2006 das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) der Maßstab. Es soll Betroffene vor Benachteiligungen un­ter anderem wegen des Geschlechts schützen. Wobei Benachteiligung ein weit gefasster Begriff ist. Denn Diskriminierung könne einerseits mit physischer Gewalt wie ungewollten Berührungen oder einer Vergewaltigung einhergehen, erklärt Anita Eckhardt vom „Make it work“-Projekt des Bundesverbands der Frauennotrufe in Berlin. Es gehe allerdings auch um verbale Belästigungen wie Sprüche oder Witze, die auf das Geschlecht abzielen. Häufig sind dies laut der Antidiskriminierungsstelle auch nonverbale Übergriffe in Form von Pfiffen, Anstarren oder herabwürdigenden Gesten.

Wo ist die Grenze zu Flirt, Witz und Lappalien?

Entscheidend ist, ob über das Verhalten Einvernehmlichkeit besteht. „Wenn Betroffene merken, dass sie ein ungutes Gefühl haben, sollten sie das ernst nehmen“, rät Eckhardt. Dabei gehe es nicht zwangsweise um direkte Belästigung, denn auch ein Wandkalender mit Pin-up-Girls könne herabwürdigend sein. Das empfänden zwar Kollegen und Chefs manchmal als spitzfindig, „aber was für ein Frauenbild das transportiert, wird oft nicht bedacht“. Gleiches gelte für unerwünschte Kommentare über Kleidung und Aussehen.

Wann sollten Betroffene tätig werden?

Aus Eckhardts Sicht wehren sich viele erst zu spät. „Betroffene halten das oftmals jahrelang aus“, weiß die Beraterin aus Erfahrung. Sie zögerten, weil sie nicht wüssten, wie sie sich gegen Belästigung wehren können, Angst vor den Reaktionen hätten oder unsicher seien, ob sie vielleicht eine Mitverantwortung an der Situation trügen. „Schuld ist aber immer die Person, die es macht“, betont deshalb Eckhardt.

Lesen Sie auch

Gefahr für Kinder und Jugendliche: Experten warnen vor Sextortion und Cybergrooming

Aus juristischer Sicht gibt es keinen Grund für eine Zurückhaltung, denn das AGG definiert eindeutig, dass sich Beschäftigte wegen Benachteiligungen bei ihrem Arbeitgeber beschweren dürfen. Und dass solchen Fällen auch nachgegangen werden muss. Die Voraussetzungen dafür: Die Vorfälle sollten dokumentiert sein, beispielsweise in Form von Gedankenprotokollen. Ort, Datum, Täter und der Vorfall sollten darin genau vermerkt sein. Ebenfalls sei es wichtig, E-Mails oder SMS mit kritischen Inhalten nicht zu löschen. Denn diese könnten als Beweismittel dienen.

Sollte man die Täter konfrontieren?

Ein entschlossenes „Hör auf damit!“ sei zwar oft die wirksamste Maßnahme, aber auch die schwerste, sagt Eckhardt. Wichtig sei es, zunächst abzuwägen. „Bringt das was, oder muss ich mir Unterstützung suchen?“, sollten sich Betroffene fragen. Unterstützung könne sowohl von Vorgesetzten und Betriebsräten als auch von verschiedenen spezialisierten und unabhängigen Beratungsstellen kommen. Vor allem die örtlichen Frauennotrufe und die An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le des Bundes kommen dafür in Frage. Sie bieten gegebenenfalls auch Anonymität.

Was können Kollegen und Vorgesetzte tun, um Betroffenen zu helfen?

„Erfahrungsgemäß herrscht oft ein Klima, das Belästigung toleriert“, sagt Eckhardt über die Situation in Unternehmen. Deshalb seien auch Kollegen gefragt. Diese sollten die Gefühle von Betroffenen ernst nehmen und sich gegebenenfalls einmischen sowie im Nachhinein als Zeugen zur Verfügung stehen. Genauso wichtig ist, dass sich Chefs klar positionieren – was im Interesse des Unternehmens sei, wie Eckhardt betont. Denn Betroffene sind meist häufiger krank oder brechen ihre Karriere ab. „Unternehmen verlieren deshalb gute Kräfte, und Teams leiden“, betont die Expertin.

Und wenn all das nicht ausreicht?

Grundsätzlich sind Unternehmen verpflichtet, die Missstände abzustellen. „Schließlich muss man ja arbeiten“, erläutert Eckhardt, warum der Gesetzgeber sich in dem Punkt einmischt. Wenn sich nichts ändert, rät Eckhardt zum Gang zum Anwalt. Der könne bei möglichen Strafanzeigen helfen und qualifizierte Einschätzungen zur Rechtslage geben. Was viele laut Eckhardt nicht wissen: „Betroffene haben ein Recht, bezahlt zu Hause zu bleiben, wenn der Arbeitgeber nicht genug unternimmt.“ Eckhardt warnt allerdings, dass das ein Schritt sei, der unbedingt mit einem Anwalt besprochen werden müsse. Kommt es zum Prozess, können Gerichte Unternehmen, die entsprechende Beschwerden nicht ernst nehmen, entlang des AGG auch zur Zahlung von Schadensersatz verurteilen.

Von RND/Christoph Höland

Im Juni ist es im deutschen Stromnetz offenbar zu erheblichen Problemen gekommen: Medienberichten zufolge wurde die Energie knapp, Nachbarländer halfen hektisch aus und die Preise explodierten. Für die Stromnot könnten Spekulanten verantwortlich sein.

02.07.2019

Die Küchenmaschine Thermomix soll künftig nicht mehr in Wuppertal gefertigt werden. Nach Angaben des Unternehmens soll stattdessen der chinesische Markt erschlossen werden, was betriebsbedingte Kündigungen mit sich bringt.

02.07.2019

Die USA lassen bei ihren Handelskonflikten keine Verschnaufpausen zu. Nachdem am Wochenende beim G20-Gipfel ein „Waffenstillstand“ mit China ausgemacht wurde, ist nun die EU an der Reihe. Es geht wieder um den alten Streit um illegale Staatshilfen beim Flugzeugbau.

02.07.2019