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Wirtschaft Strom teuer wie nie: Brandenburg mit zweithöchster Belastung
Nachrichten Wirtschaft Strom teuer wie nie: Brandenburg mit zweithöchster Belastung
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12:31 01.04.2019
Die Strompreise sind weiter gestiegen. Quelle: Marcus Brandt/dpa
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Potsdam

Strom war für Privathaushalte in Deutschland noch nie so teuer wie in diesen Tagen. Im bundesweiten Durchschnitt koste eine Kilowattstunde Strom derzeit 29,42 Cent, teilte das Vergleichs- und Vermittlungsportal Verivox in Heidelberg mit. Auch das Portal Check24 aus München berichtete von einem Rekord beim durchschnittlichen Strompreis, der im März den siebten Monat in Folge gestiegen sei.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben laut Verivox etwa zwei Drittel der 826 Grundversorger in Deutschland die Preise erhöht - und zwar um durchschnittlich rund 5 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden sind das Mehrkosten von rund 60 Euro im Jahr.

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Für April und Mai hätten weitere 62 Grundversorger Preiserhöhungen angekündigt. Vereinzelte Versorger haben aber auch die Preise gesenkt. Laut Verivox senkten von Januar bis März 24 Anbieter ihren Tarif um durchschnittlich rund 2 Prozent.

Brandenburg und Schleswig-Holstein am teuersten

Ein Ende der Preisrunde ist vorerst wohl nicht in Sicht. „Dieser Anstieg wird sich auch in den kommenden Monaten weiter verfestigen“, erwartet Valerian Vogel von Verivox. Auch Check24 geht bei der Grundversorgung „zunächst von weiter steigenden Strompreisen aus“.

Brandenburg hat nach Daten des Verlgeichsportals Check24 bundesweit die zweithöchsten Strompreise: 1602 Euro zahlt ein Haushalt für die Grundversorgung bei einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden im Jahr. 1666 Euro sind es in Schleswig-Holstein, dem Land mit den derzeit teuersten Strompreisen. Etwa 14 Prozent oder 218 Euro können Verbraucher in Brandenburg sparen, wenn sie sich nach einem alternativen Anbieter umsehen, hieß es.

Beschaffungspreise gehen hoch

Die Verbraucher bekommen mit Verzögerung die im vergangenen Jahr gestiegenen Beschaffungspreise der Versorger zu spüren. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lag der Großhandelspreis für Strom im Durchschnitt des vergangenen Jahres um rund 30 Prozent über dem Durchschnittspreis für 2017.

In den vergangenen Monaten hat sich der Anstieg an der Strombörse allerdings verlangsamt und lag unter den Höchstwerten vom Herbst 2018. „Beim Großhandelspreis ist eine Seitwärtsentwicklung mit leicht fallender Tendenz zu beobachten“, sagte Fabian Huneke vom Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool. „Seit dem Höchststand im Oktober 2018 ist der Preis an der Leipziger Strombörse zur Lieferung im Jahr 2020 um etwa 10 Prozent gesunken.“

Gesunkene Nachfrage nach Steinkohle

Noch stärker hätten allerdings die Kosten für Kohle und Gas nachgegeben. Sie seien im gleichen Zeitraum sogar um 20 Prozent gefallen, da die Nachfrage nach Steinkohle auf dem Weltmarkt derzeit deutlich geringer sei als noch vor drei Jahren erwartet, erläuterte Huneke. „Das drückt jetzt auf den Kohlepreis.“ Auch die nach dem warmen Winter in Deutschland für diese Jahreszeit ungewöhnlich gut gefüllten Gasspeicher wirkten preisdämpfend.

Der Großhandelspreis für Strom hat diese Entwicklung aber nur zu einem Teil mitgemacht. „Das liegt auch an dem nach wie vor hohen Preisniveau der CO2-Zertifikate von über 20 Euro je Tonne“, betonte Huneke. Stromerzeuger müssen solche Verschmutzungsrechte besitzen, deren Preise im vergangenen Jahr kräftig gestiegen waren. Auch in diesem Jahr mussten bei den Versteigerungen der Emissionszertifikate bisher im Durchschnitt mehr als 20 Euro je Berechtigung gezahlt werden.

Netzentgelte, EEG-Umlage und Steuern treiben die Preise

Auf den Preis für den Haushaltsstrom hat der Rückgang bei den Großhandelspreisen nach Einschätzung von Huneke vorerst keine Auswirkungen. „Dafür sind die Rückgänge zu gering“, sagte der Experte. Die Beschaffungskosten machen nach Branchenangaben nur etwa 18 Prozent des Endpreises aus. Größeres Gewicht am Gesamtpreis haben Netzentgelte, EEG-Umlage sowie Steuern und Abgaben. An dieser Stelle könnte es aber eine Entlastung der Haushalte bei weiter steigenden Strompreisen geben. Die Kohlekommission hat vorgeschlagen, dass der Bund von 2023 an Privatleuten und Unternehmen einen Zuschuss zu den Netzentgelten zahlen soll.

Von Claus Haffert