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Wirtschaft Studie zu sinkendem Vermögen: Arme Reiche? Von wegen!
Nachrichten Wirtschaft Studie zu sinkendem Vermögen: Arme Reiche? Von wegen!
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17:05 09.07.2019
Einer Studie zufolge haben die Reichen und Superreichen 2018 viel Vermögen verloren – doch was ist an der Statistik dran? Quelle: imago/LAT Photographic
Italy

Müssen wir jetzt Mitleid haben? Weltweit ist 2018 die Zahl der Millionäre erstmals seit der großen Finanzkrise vor knapp zehn Jahren gesunken. In Deutschland erwischte es nach Berechnungen der Beratungsfirma Capgemini allein 15 000 Frauen und Männer. Ihr verfügbares Vermögen rutschte unter die Schwelle von umgerechnet einer Million Dollar.

Nein, wir müssen mit diesen Leuten kein Mitleid haben. Denn trotz des Minus dürften sich auch die Ex-Millionäre nach wie vor über dicke finanzielle Polster freuen. Außerdem haben viele die Einbußen des vergangenen Jahres längst wieder gutgemacht. Denn seit Jahresbeginn haben die Börsen deutlich zugelegt.

Ausrutscher vom Langfristtrend

Alles spricht dafür, dass sich nach dem kleinen Ausrutscher der Langfristtrend fortsetzt und die Reichen immer reicher werden. Das kann man ihnen ruhig gönnen. Das Pro­blem ist nur, dass deren Vermögen hierzulande und anderswo erheblich schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft.

Dies bedeutet zugleich, dass die Ärmeren die Zeche zahlen. Die Schere geht immer weiter auseinander. Verwerfungen vielfältiger Art sind die Folge. Populisten vom rechten Rand sind besonders da stark, wo die Armut größer wird. Siehe beispielsweise Italien. Durch schwindende Kaufkraft kommen Teufelskreise in Gang, die auch mit wachsender Kriminalität und der Verödung ganzer Landstriche einhergehen können. Sozialer Zusammenhalt zerbröselt.

Dagegen gibt es ein Mittel: öffentliche Investitionen zum Beispiel in die Infrastruktur schwacher Regionen, um Lebensverhältnisse anzugleichen – finanziert auch durch höhere Steuern für die Reichen. Noch wichtiger sind leistungsfähigere Sozialsysteme. Und Löhne, die die Existenz sichern.

Von RND/Frank Wenzel