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Wirtschaft Trotz Männerfreundschaft: Ein britisch-amerikanischer Handelspakt wird kompliziert
Nachrichten Wirtschaft Trotz Männerfreundschaft: Ein britisch-amerikanischer Handelspakt wird kompliziert
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14:23 09.09.2019
US-Präsident Donald Trump und Großbritanniens Premierminister Boris Johnson. Quelle: Getty Images

Geht es um Großbritanniens Premierminister Boris Johnson, findet US-Präsident Donald Trump im Regelfall warme Worte: Er sei ein Freund und "er weiß, wie man gewinnt", betonte Trump jüngst angesichts der Brexit-Querelen, mit denen sich Johnson derzeit rumschlägt. Und auch auf politischer Ebene hoffen die USA auf eine Annäherung an an die Briten - die unter anderem mit einem Handelsabkommens nach dem Brexit Gestalt annehmen könnte.

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So schnell geht es allerdings dann doch nicht. Neue britisch-amerikanische Handelsbeziehungen auf den Ruinen des Brexit aufzubauen, wird beileibe nicht so einfach sein. London pocht auf Augenhöhe mit den mächtigen USA bei den Verhandlungen. Und schon jetzt zeichnen sich Spannungsfelder ab, etwa wenn es um in Europa geächtete Hühnchen aus Amerika und schottische Fleischspezialitäten für die USA geht.

Premier Johnson gab schon mal einen kleinen Vorgeschmack. "Ich weiß, dass ihr Typen ziemlich harte Verhandlungsführer seid", sagte er seinem zu US-Vizepräsident Mike Pence während dessen Besuch in London. Johnson betonte, sein Land werde sehr intensiv darauf hinarbeiten, dass der Freihandelspakt für alle Seiten funktioniere.

Als EU-Mitglied hat Großbritannien bisher seine Handelspolitik weitgehend in die Hände der Brüsseler Bürokraten gelegt. Ehe die Regierung in London den Bereich an sich reißen und einen brandneuen Deal mit den Amerikanern schmieden kann, müsste sie einen Brexit-Deal mit der Europäischen Union aushandeln - oder einen ungeordneten Sturz aus dem Staatenbund ohne vertragliche Absicherung mit der möglichen Folge von Versorgungsengpässen, Chaos und Wirtschaftskrise riskieren.

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Bis das nicht geklärt sei, sei alles Spekulation, resümiert Christine McDaniel vom Mercatus Center für Politologie und Ökonomie an der George Mason University im US-Staat Virginia. Und wie kompliziert oder einfach sich ein Deal mit den Amerikanern gestaltet, hängt davon ab, unter welchen Bedingungen sich ein Brexit vollzieht.

Knackpunkt Irland

Keine Hürde ist vor diesem Hintergrund kniffliger als die strittige irische Grenzfrage. Derzeit können sich Personen und Waren frei zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem zum Vereinigen Königreich gehörenden Nordirland bewegen, ohne auf Zoll- und Einreisekontrollen zu stoßen. Was aber passiert mit der irischen Grenze, wenn Großbritannien die EU verlässt?

Bleibt die Grenze offen, würde ein britisch-amerikanisches Handelsabkommen nicht funktionieren. Denn eine schrankenlose Grenze würde dafür sorgen, dass Güter aus den 27 verbliebenen EU-Ländern über die Republik Irland ihren Weg nach Großbritannien finden. Diese Waren könnten wiederum in die USA ausgeführt werden - und zwar zu den günstigen Konditionen, die eigentlich unter dem Exklusivdeal zwischen dem Vereinigten Königreich und Amerika gelten sollten.

Kommt es hingegen zu einer harten Grenze auf der irischen Insel, könnten der alte Nordirlandkonflikt wieder hochkochen - und damit das historische Karfreitagsabkommen von 1998 bröckeln, das der Region nach jahrzehntelanger blutiger Gewalt Frieden gebracht hat.

Und mehr noch: In den USA hat die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, wiederholt klargestellt, dass es im Kongress "keine Chance" auf grünes Licht für einen Handelspakt mit Großbritannien gebe, falls der Brexit die irische Grenze schließe.

Britische Farmer in Angst

Das Dilemma um die Grenzfrage ist längst nicht alles. Britische Farmer waren unter der protektionistischen EU-Landwirtschaftspolitik bisher vor Exportwettbewerb geschützt. Die USA hätten aber gerne nach einem Brexit mehr Zugang zum britischen Agrarmarkt, wie aus einer Liste mit Verhandlungspunkten hervorgeht, die im Februar vom Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer veröffentlicht wurde. Und den Briten zu verkaufen, dass ihre Bauern künftig stärker mit ihren US-Kollegen konkurrieren müssen, dürfte schwierig werden.

Beim Handel mit Erzeugnissen aus der Tiermast gibt es offenbar auch schon konkrete Vorstellungen mit potenziellem Zündstoff. Johnson will ein US-Importverbot für schottischen Haggis - gefüllter Schafsmagen - aufgehoben sehen. Zugleich witzelte er über britische Ängste vor möglichen US-Forderungen nach einer Lockerung der Standards für Lebensmittelsicherheit.

Keine Chlorhühnchen für die Briten

Vor allem graust es seinen Landsleuten vor einer Überschwemmung mit Chlorhühnchen aus Amerika. Auf solches Fleisch habe das Königreich keine Lust, stellte Johnson klar, nur um dann eine Breitseite auf Oppositionsführer Jeremy Corbyn abzufeuern: "Wir haben schon unser eigenes gigantisches Chlorhühnchen auf der Oppositionsbank."

Überhaupt sieht die Expertin Amanda Sloat den britischen Premier im Umgang mit den Amerikanern auf einer Gratwanderung. Einerseits brauche er Trump, um zu demonstrieren, dass das Königreich noch immer enge Freunde und Verbündete habe, sagt die Forschungsbeauftragte von der US-Denkfabrik Brookings Institution. Andererseits sei der US-Präsident auf der Insel extrem unpopulär. Daher müsse Boris Johnson sicherstellen, dass er nicht wie Trumps Schoßhund wirke.

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RND/AP

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