Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wirtschaft Warum RWE plötzlich beim Kohleausstieg drängelt
Nachrichten Wirtschaft Warum RWE plötzlich beim Kohleausstieg drängelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:59 30.09.2019
RWE will mit Ökostrom weltweit wachsen. Quelle: Marcel Kusch/dpa

Der Essener Energiekonzern RWE will als Produzent von grünem Strom künftig größer denken als bisher: „Wir wollen die Energiewende voranbringen. Dabei orientieren wir uns nicht an Landesgrenzen“, sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz bei der Präsentation zur Neuaufstellung des Konzerns am Montag in Essen. Als internationales Unternehmen müsse sich RWE im globalen Wettbewerb behaupten.

Mehr zum Thema: Deutschland droht Energiewendeziele um Jahre zu verpassen

In Deutschland sieht Schmitz derzeit nur geringe Investitionsmöglichkeiten beim Ökostrom. „Im Moment ist das Umfeld schwierig.“ Vor allem bei der Windkraft an Land dauere alles viel zu lange. „Das ist kein Geschäft in Deutschland für uns.“ Schmitz stellte das neue RWE-Konzept an historischer Stelle vor. Die Unternehmenszentrale der neuen RWE wird derzeit auf dem Gelände gebaut, auf dem das 1898 gegründete „Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk“ sein erstes Kraftwerk errichtet hatte.

RWE will pro Jahr 1,5 Milliarden Euro in Erneuerbare investieren

Deutschlands größter Braunkohleverstromer wird durch die Übernahme der erneuerbaren Energien des bisherigen Konkurrenten Eon und der Anlagen seiner zerschlagenen Tochter Innogy zu einem der international führenden Unternehmen beim Ökostrom - bei Strom aus Windkraftanlagen auf See rangiert RWE nach eigenen Angaben sogar weltweit auf Platz zwei. Die aktuelle Konzentration auf Projekte im Ausland wird auch an den Zahlen zur Erzeugungskapazität deutlich, die Schmitz präsentierte. Von den 9 Gigawatt, die derzeit am Netz sind, entfallen nur 1,5 Gigawatt auf Deutschland. Die großen in Bau befindlichen Wind- und Solarparks sind in den USA und Australien. Auch im asiatisch-pazifischen Raum will RWE aktiver werden. Pro Jahr sollen 1,5 Milliarden Euro in die Erneuerbaren investiert werden. Geld für die Investitionen soll auch aus der Beteiligung von 16,7 Prozent am bisherigen Rivalen Eon kommen, wie Finanzchef Markus Krebber sagte. Den Aktionären, darunter sind zahlreiche Kommunen, stellte er eine langfristig leicht steigende Dividende in Aussicht.

RWE-Boss Schmitz kritisiert Bundesregierung

In Deutschland produziert RWE derzeit aber noch viel Strom aus der als besonders klimaschädlich geltenden Braunkohle. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Der Energiekonzern RWE will bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden. Neben Strom aus Wind und Sonne will der Energieriese künftig auf Biomasse und auf „grünes“ Gas setzen. Bei den gesetzlichen Regelungen für den Kohleausstieg fordert Schmitz mehr Tempo. „Mich befremdet es auch etwas, dass es länger braucht, es umzusetzen als es zu erfinden“, sagte der RWE-Chef. „Das sollte vielleicht die Bundesregierung mehr beunruhigen als uns.“ Je eher man in den Ausstieg einsteige, desto früher gingen auch die Emissionen zurück. Deshalb sei der Gesetzgeber „stärker am Zug als wir“.

Wie sich RWE zum Ökostromanbieter wandelte

Gespräche über die Abschaltung von RWE-Braunkohlekraftwerken würden mit dem Bundeswirtschaftsministerium derzeit alle 14 Tage geführt. RWE werde die Hauptlast der 3 Gigawatt Braunkohlekapazitäten, die bis 2022 abgeschaltet werden sollen, tragen müssen, betonte Schmitz. Der RWE-Chef hatte wiederholt Entschädigungen von bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt abgeschalteter Leistung und der daran hängenden Tagebaukapazitäten gefordert.

Mehr zum Thema: Ohne Ökostrom drohen höhere Preise und Jobverluste

Der Wandel von RWE zum Ökostrom-Anbieter ist Folge eines weitreichenden Tauschgeschäfts mit Eon. Die beiden Energieriesen haben Innogy unter sich aufgeteilt. Eon übernimmt das Netz- und das Endkundengeschäft und reicht die eigenen Erneuerbaren und die von Innogy an RWE weiter. Die Wettbewerbshüter der EU hatten den Deal mit einem Gesamtwert von mehr als 40 Milliarden Euro vor kurzem genehmigt.

RWE wird grün. Der Börse gefällt's

An der Börse kommt die neue RWE bislang gut an. Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast um die Hälfte zugelegt und gehört damit zu den Top Drei im Leitindex Dax. Damit schneidet RWE deutlich besser ab als Eon. Der Aktienkurs des bisherigen Konkurrenten, der durch den Deal mit RWE keine eigene Stromproduktion mehr hat, kommt seit Monaten nicht von der Stelle.

Lesen Sie auch: Wer emissionsfreien Strom will, muss Windräder akzeptieren

RND/dpa

Wie gesund ein Lebensmittel ist, soll zukünftig auf einen Blick erkennbar sein. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat sich nun festgelegt, wie das künftige Nährwert-Logo aussehen soll.

30.09.2019

Das Thema Arbeitszeitverkürzung wird zum Trend: In den heute begonnenen Tarifgesprächen versucht mit der IG BCE eine weitere große Gewerkschaft, flexiblere und kürze Arbeitszeiten statt mehr Geld rauszuholen.

20.10.2019

Ein Mix aus Raumschiff und Rakete: Tesla-Boss Elon Musk will Menschen zum Mond und zum Mars bringen. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX hat jetzt den Prototyp vorgestellt, der für bis zu 100 Astronauten Platz bietet. Die Testphase soll schon bald beginnen.

30.09.2019