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Wirtschaft regional Mandy Beckmann ist mobile Friseurin
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Friseurmeisterin Mandy Beckmann mobile Friseurin

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15:17 04.09.2021
Mandy Beckmann frischt Fabian Fraas regelmäßig an dessen Arbeitsplatz, dem Industriemuseumn Brandenburg, die Frisur auf.
Mandy Beckmann frischt Fabian Fraas regelmäßig an dessen Arbeitsplatz, dem Industriemuseumn Brandenburg, die Frisur auf. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/Havel

Mandy Beckmann setzt Kamm und Schere an, um bei Fabian Fraas den inzwischen schon gewohnten Fasson-Haarschnitt in Form zu bringen. Die Kulisse ist indes alles andere als gewöhnlich für das Handwerk rund um die Kopfhaut. Hinter dem improvisierten Friseurinnen-Stuhl türmt sich das rostige Metallgebirge eines Siemens-Martin-Ofens auf. Manchmal findet der Sitz auch Platz vor den ausgestellten Oldtimern alter Werksfahrzeuge. In der einzigen in Westeuropa noch erhaltenen Anlage dieser Art wurde bis vor knapp 30 Jahren noch Stahl gewonnen. Hinter der Meisterin der Haarschneide-Kunst prangt noch ein blaues rundes Werksemblem mit einem großen „B“ im Zentrum. „Das Namensschild meines Salons“, scherzt die 36-Jährige und ihr vom Hals an mit einem schwarzen Umhang bedeckter Kunde lächelt wissend.

Das Etablissement ist natürlich mitnichten Mandy Beckmanns Haarschneidestudio sondern das in den früheren Hallen des ehemaligen Stahl- und Walzwerks Brandenburg untergekommene Industriemuseum der Havelstadt. Fabian Fraas leitet Führungen durch das Industriemonument und liefert sich etwa einmal im Monat in einer frei bleibenden Stunde Pausenzeit hier Mandys Schere und anderen Instrumenten aus ihrem Epuipment-Koffer aus. „Mobile Friseurmeisterin“, nennt sich die in Brandenburg/Havel geborene Kirchmösererin. In Pandemie-Zeiten würde wohl auch Friseurin im Homeoffice passen.

Studio im Seniorenheim

Nur dass es meist nicht ihr eigenes Zuhause ist, in dem sie ihre Dienste anbietet. Die Mutter einer dreijährigen Tochter schwingt Schere, Kamm, Sprühflasche und die anderen Utensilien nicht nur im ehemaligen Stahlwerk. Ihr mobiler Salon findet sonst auch Platz etwa in Hochzeitslokalitäten, Privatwohnungen, einem Behinderten-Quartier und einem Seniorenheim, wo sie auch ein kleines Zimmer als Studio gemietet hat. Der eine Tag pro Woche, an dem sie hier geöffnet hat, ist meist gut besucht und erhält immer mehr Zuspruch. Auch die Hausbesuche in Privatwohnungen haben oft nicht nur einen Soloklienten zur Folge. Häufig gilt es auch eventuellen Kindern oder hinzugekommenen Verwandten die Haare zu schneiden. Inzwischen hat auch die Nachfrage nach einer Hochzeitsfriseurin wieder deutlich angezogen.

„Es rentiert sich“, sagt Beckmann zu ihrem Entschluss Ende des vergangenen Jahres, sich nach der Meisterprüfung als Hausfriseurin selbstständig zu machen. „Angebote zur Übernahme eines bestehenden Salons gab es eh nicht“, die Voraussetzungen mitten in der Pandemie etwas komplett Neues aufzumachen, waren kaum gegeben und irgendwie „passt die Arbeitsweise ja zu Corona“, sagt sie. Nicht zuletzt sieht Beckmann das Metier auch besser vereinbar damit, Tochter Marthilda mehr Aufmerksamkeit widmen zu können.

Mandy Beckmann geht dort hin, wo ihre Kunden sind Quelle: JACQUELINE STEINER

„Viel Unterstützung“, hat sie bei ihrem Weg zum Meisterbrief, der ihr bei der Meisterfeier am vergangenen Sonnabend überreicht wurde, und in die Selbstständigkeit auch von Susanne Folz bekommen. In deren Salon in Potsdam „Hair & Make up“ hat die frisch gebackene Meisterin zuletzt als angestellte Friseurin gearbeitet. 2018 hatte sie mit der Meisterschule in Vollzeit in Götz begonnen und konnte parallel dazu bei Folz weiter arbeiten. Die Prüfungen in den vier verschiedenen Bereichen, Praxis mit ihrem Meisterprojekt, Fachtheorie, Betriebswirtschaft und Ausbildungsbefähigung hat sie im vergangenen Jahr abgelegt. Das Meisterstück oder -projekt kam ihrem auch in Stilfragen offenen Wesen dabei sehr entgegen. Ein junges Paar im Avantgarde-Look suchte nach dem Motto „Marionetten bestimmen ihr Schicksal“ für ein besonderes Festival noch ein spezielles Qutfit für Haupt und Haar. Mandy Beckmanns Vorschlag kam auch in der Prüfungskommission sehr gut an.

Die Gesellinnen-Ausbildung begann Mandy Beckmann, die ihre Kreativität im Haare schneiden schon als Kind bei ihren Puppen mit viel Erzählfreudigkeit unter Beweis gestellt hatte, 2002 in einem klassischen Friseurgeschäft in Brandenburg. Nach einem Ausflug ins eher jugendlich orientierte, schnelllebige Cut&Go-Geschäft in Potsdam hatte sie in der Landeshauptstadt 2010 wieder zu einem Familienfriseur gewechselt, der auf „Qualität und Handwerk“ setzte.

Die Abwechslung, die das Umfeld ihrer Tätigkeit immer wieder gebracht hat, unterstreicht ein Zitat von Konfuzius, das Mandy Beckmann häufig zu ihrem Wirken als Friseurin einfällt: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag mehr in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Und so ist und bleibt ihr Beruf für sie immer mehr, als nur Broterwerb.

Von Gerald Dietz