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Wirtschaft Palmer-Kritik an Bahn: Darum wird Werbung immer vielfältiger
Nachrichten Wirtschaft Palmer-Kritik an Bahn: Darum wird Werbung immer vielfältiger
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18:53 23.04.2019
Mit dieser Bildauswahl hat die Bahn den Grünen Bürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, zu vielen Mutmaßungen veranlasst. Quelle: Bahn/dpa
Hannover/Tübingen

Boris Palmer sorgt für Diskussionen: Der grüne Bürgermeister von Tübingen hat auf der Webseite der Deutschen Bahn Bilder von Bahnkunden entdeckt, die seiner Meinung nach nicht der gesellschaftlichen Realität in Deutschland entsprechen – und damit in sozialen Medien heftige Diskussionen ausgelöst.

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Gepostet von Boris Palmer am Dienstag, 23. April 2019

Denn Palmer stieß sich offensichtlich am Bildmotiv: Der Sternekoch Nelson Müller als schwarzer Reisender, der während der Zugfahrt ins Brötchen beißt, ein Geschäftsmann mit sonnengebräunter Haut sitzt an seinem Laptop, und die türkisch-stämmige Moderatorin Nazan Eckes spielt mit ihrem Smartphone. Außerdem zu sehen: Eine schwarze Frau mit ihrem Kind und Nico Rosberg als junger weißer Mann, der im ICE Kaffee trinkt. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“, fragt der Grünen-Politiker.

Auf seine Frage hat die Deutsche Bahn eine Antwort parat: „Herr Palmer hat offenbar zum wiederholten Male Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft.“ Und weiter: „Solch eine Haltung lehnen wir ab.“ Nico Rosberg, Nazan Eckes oder Nelson Müller stünden „für besondere Talente, die viele Menschen begeistern“. Sie passten zur aktuellen Werbekampagne und seien „positive und repräsentative Identifikationsfiguren“.

Vielfalt in der Werbung nimmt zu

Marketing-Experten in Deutschland setzen ebenfalls auf ein vielfältiges Gesellschaftsbild. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Bildvermarkters Shutterstock gaben 86 Prozent der befragten deutschen Werber an, dass es gut wäre, bei der Bildauswahl mehr auf die Vielfalt der abgebildeten Personen zu achten – um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen. 20 Prozent sagten außerdem, dass sie schon jetzt oft auf ethnisch vielfältigere Bildmotive setzen.

Im Vergleich zu den befragten Marketing-Experten aus anderen Ländern hinkt Deutschland damit hinterher: In den USA machten gut 30 Prozent aller Befragten die gleiche Angabe, in Großbritannien 33 Prozent und in Brasilien 45 Prozent.

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Ähnlich sieht es demnach auch bei der Abbildung von Menschen mit Behinderungen aus: 32 Prozent der brasilianischen Marketingfachleute gaben an, Motive mit Menschen mit Behinderungen häufiger zu verwenden. In Großbritannien waren es noch 25 Prozent, in den USA 20 Prozent und in Deutschland 13 Prozent.

Dass deutsche Werbeagenturen weniger Vielfalt abbilden, heißt allerdings nicht, dass Ihnen das Thema nicht am Herzen liegt: Hiesigen Werbern ist es am wichtigsten, dass ein Bild eine emotionale Reaktion auslöst (32 Prozent). Briten und Amerikaner hingegen achten viel mehr darauf, dass die Bilder auch zu einer modernen Gesellschaft passen (45 und 37 Prozent).

Vor allem bei Bildmotiven, die diskriminierende Geschlechterrollen aufgreifen, sind sich Werber über die Grenzen hinweg einig: Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben gegenüber Shutterstock länderübergreifend an, dass es mehr Regeln dagegen geben müsse.

Insgesamt befragte Shutterstock 2500 Werber aus den USA, Groß Britannien, Frankreich, Deutschland und Brasilien.

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