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Wissen Die Sehnsucht nach den Außerirdischen
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13:57 08.08.2012
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POTSDAM

„Seit der Antike haben sich Menschen mit der Frage befasst“, erklärt der Astronomiehistoriker Pietro Daniel Omodeo vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Griechische Philosophen wie Plutarch, die erkannt hatten, dass die Planeten eigene Himmelskörper waren, dachten sie sich meist belebt. Lukian von Samosata schrieb im zweiten Jahrhundert nach Christus schon einen Vorläufer heutiger Science-Fiction-Romane mit Heeren von Außerirdischen.

Seit dem sechzehnten Jahrhundert konnte man Planeten und ihre Monde durch das Fernrohr beobachten. Sie waren keine Lichtpunkte mehr, sondern Himmelskörper mit erkennbaren Ausmaßen. Sind wir einzigartig, fragten sich nun Forscher wie Johannes Kepler und Denker wie Giordano Bruno. Der als Ketzer verbrannte Bruno ging von einem unendlichen Weltall mit unendlich vielen Lebewesen aus. Der rationale Philosoph Immanuel Kant entwickelte 1755 eine eigene Theorie des Lebens auf fremden Himmelskörpern. Die Existenz von Lebewesen auf den damals bekannten Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn hielt er für sehr wahrscheinlich. Wenn die Erde Leben hervorgebracht habe, sei es kaum denkbar, dass dies bei allen anderen Planeten nicht der Fall wäre.

Eine regelrechte Außerirdischen-Hysterie entstand 1877, als der Astronom Giovanni Schiaparelli meinte, im Teleskop Kanäle auf dem Mars entdeckt zu haben. Es gab Spekulationen über eine hochentwickelte Zivilisation auf dem Nachbarplaneten, die Schmelzwasser von den Polen zur Bewässerung umleitete. 1898 schrieb H.G. Wells sein Buch „Krieg der Welten“, in dem technisch überlegene Mars-Bewohner die Erde angreifen. Noch die Hörspielfassung von 1938 löste Panik aus, weil Hörer die berichtete Invasion für Realität hielten. Erst die Raumfahrt, die seit den 1960-er Jahren genaue Marsbilder zur Erde funkte, gab solchen Ideen den Todesstoß. Die Marsianer wurden als kleine grüne Männchen zur Comicfigur. Für die Menschen wurden hochgespannte Erwartungen enttäuscht, sagt Astronomiehistoriker Omodeo. Schließlich war man auf der Erde auch in den unwirtlichsten Gebieten auf Leben gestoßen.

Ganz aufgegeben haben die Menschen die Hoffnung noch nicht, im Sonnensystem auf Leben zu stoßen. Auf dem Mars könnte es zumindest Spuren von vergangenen Lebensformen geben. Auch der mit Wasser-Eis bedeckte Jupitermond Europa ist ein Kandidat für einfache Organismen, sagt Werner von Bloh vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Hoffnung, Leben im All zu finden, konzentriert sich aber auf Exoplaneten, die ferne Sterne umkreisen. Davon kennt man inzwischen viele, die sich in einer Zone um ihren Stern bewegen, in der flüssiges Wasser möglich ist. Nur in wässriger Lösung können sich hochkomplexe Kohlenstoffmoleküle entwickeln, die Basis für die ersten Mikroorganismen, sagt der Heidelberger Astrobiologe Michael Hausmann. Er hält es für wahrscheinlich, dass irgendwo im All Leben entstanden ist, vielleicht auch intelligentes Leben. Aber ein Kontakt sei fast ausgeschlossen. Selbst mit Lichtgeschwindigkeit würden Signale zum nächsten Exoplaneten und zurück 1000 Jahre oder länger brauchen. Botschaften, die für Außerirdische ins All geschickt wurden, blieben ohne Antwort.

Die Suche nach Leben im All aber wird weiter gehen. Bisher lassen sich Exo-Planeten allerdings mit den vorhandenen technischen Mitteln kaum orten. Lediglich deren Sterne sind sichtbar. Von Bloh rechnet aber damit, dass ihre Atmosphäre künftig untersucht werden könnte, wenn mehrere Weltraumteleskope parallel auf das Objekt gerichtet werden. „Sauerstoff in der Atmosphäre wäre ein Hinweis auf Leben“, so von Bloh. Das Molekül entsteht bei der Photosynthese der Pflanzen. (Von Ulrich Nettelstroth)

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