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11:26 30.05.2019
Der Körper ruht – das Hirn rotiert. Während der Nacht muss der Kopf verarbeiten, was tagsüber passiert ist. Quelle: Christin Klose/dpa
Mannheim

Das Gehirn gönnt sich keine Pause, rund um die Uhr ist es aktiv. Nachts beschert es Schlafenden so Träume – Szenen oder Erlebnisse spielen sich vor seinem geistigen Auge ab. Doch nach dem Aufstehen wissen viele oft nicht, ob und was sie geträumt haben. „Das ist völlig normal“, sagt Prof. Michael Schredl, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim.

Wer nicht träumt, bei dem stimmt was nicht

„Im Prinzip träumen alle Menschen beim Schlafen, andernfalls ist etwas mit dem Gehirn nicht in Ordnung“, erklärt Schredl. Wie die Träume genau aussehen, ist dabei ganz unterschiedlich: Manchmal sind es Gedanken und Erinnerungen, manchmal eher fantasievolle Neuschöpfungen.

Und auch die Art des Traumerlebens ist im Lauf der Nacht ganz unterschiedlich. „Das liegt an den unterschiedlichen Zyklen, die der Körper während des Schlafens durchläuft“, erläutert Alfred Wiater. Der Kinder- und Jugendarzt ist Vorstandsreferent der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Intensivste Träume während der REM-Phase

So gleitet der Mensch nach dem Einschlafen über den Leichtschlaf zunächst in eine Tiefschlafphase. Der Körper ist entspannt, das Gehirn arbeitet wenig. Die Träume in diesen Schlafphasen sind kurz und abstrakt. Dann geht es hinüber in den REM-Schlaf. REM steht für „Rapid Eye Movements“, also schnelle Bewegungen der Augen bei geschlossenen Lidern. „Im REM-Schlaf sind die Träume am intensivsten“, so Wiater.

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Doch was träumen Menschen überhaupt? „In der Regel geht es um das, was einen tagsüber beschäftigt“, erklärt Schredl. Das können schöne Dinge wie eine geplante Reise sein, aber ebenso Stress oder Ärger mit dem Vorgesetzten. Mitunter zeigt das nächtliche Kopfkino auch Szenen oder Erlebnisse, die mit der eigenen Welt erst einmal nichts zu tun haben. „Das zeigt, wie kreativ das Gehirn manchmal ist“, so Schredl.

Auseinandersetzung mit Träumen ist lehrreich

Sich mit Träumen auseinanderzusetzen, lohnt sich nach Angaben des Experten auf jeden Fall. Denn so könne man viel über sich selbst lernen – selbst und gerade von belastenden Träumen. „Ihnen liegt eine psychische Störung zugrunde, die aber sehr gut behandelbar ist“, erläutert Annika Gieselmann, Psychologische Psychotherapeutin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Kehren Alpträume immer wieder, gehen Experten davon aus, dass sich die zugrundeliegende Geschichte als Skript im Gedächtnis festgesetzt hat. Der Alptraum hat damit ein Eigenleben und sich von der Verarbeitung des Erlebten entkoppelt. Dagegen können Betroffene etwas tun, sagt Gieselmann. „Oft hilft es, sich entweder alleine oder mit einem Vertrauten zu überlegen, wie die Geschichte des Alptraums so verändert werden kann, dass sie nicht mehr schlimm ist.“

Wenn diese Strategie nicht hilft, sollten Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. „Ursache könnte dann gegebenenfalls eine psychische Belastungsstörung sein“, erklärt Wiater.

Wer sich nicht an seine Träume erinnert, kann das trainieren. So kann es zum Beispiel helfen, sich vor dem Einschlafen fest vorzunehmen, sich an den Traum erinnern zu wollen, sagt Schredl. Etwas zum Aufschreiben und Diktieren sollte griffbereit neben dem Bett liegen. Und während des Aufwachens wiederholt man das Geträumte immer wieder, wie ein Gedicht – so bleibt es im Gedächtnis.

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Von RND/dpa/Sabine Meuter