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12:30 20.06.2012
POTSDAM

„Mit mir nicht“, sagte auch Sachsens Bildungsminister Roland Wöller (CDU) vor drei Monaten und schmiss sein Amt demonstrativ hin. Inklusion und Sparauftrag seien nicht zu vereinbaren. Brandenburg bleibt unterdessen bei seinem schnellen Schritt zur Inklusion, obwohl es in der Bildung 24 Millionen Euro einsparen muss.

84 Brandenburger Schulen haben sich freiwillig gemeldet, behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam zu unterrichten, obwohl die personelle Ausstattung noch verhandelt wird und die notwendigen Rahmenlehrpläne bisher nicht existieren. Außerdem werden sie ohne wissenschaftliche Begleitung starten, weil das Ministerium diese Arbeit gerade erst bundesweit ausgeschrieben hat. Offenbar konnte sich Bildungsministerin Martina Münch (SPD) nicht für die langjährige Inklusions-Expertin der Uni Potsdam, Karin Salzberg-Ludwig, erwärmen, die öffentlich vor einer überstürzten Einführung warnt. Eine Inklusion unter Sparzwang werde den selektiven Charakter des aktuellen Schulsystems verstärken. „Bei 30 Prozent Privatschulen in Potsdam kann Inklusion nicht gelingen“, führt sie als weiteres Argument an. Privatschulen können nämlich nicht zur Inklusion verpflichtet werden.

Staatssekretär Burkhard Jungkamp pflichtet ihr öffentlich bei: „Die Einheitsschule muss neu diskutiert werden.“ Derweil werden Brandenburgs Lehrer auf einer Fachtagung des Lehrerausbildungs-Instituts (Lisum) ermahnt, das Inklusionsprojekt auf keinen Fall negativ zu diskutieren. „Das ist schlimmer als zu DDR-Zeiten“, schimpft eine Sonderpädagogin aus Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), wo sich bisher keine Schule am Pilotprojekt beteiligt.

Auf die eine oder andere Weise integrieren Brandenburgs Schulen schon seit vielen Jahren behinderte Kinder in ihren Klassen. Etwa Dreiviertel aller rund 820 körperbehinderten Schüler werden längst integriert, ebenso viele der rund 620 hör- und sehgeschädigten Kinder. Brandenburgs Reformpläne zielen aber vor allem auf jene rund 7600 Schüler, denen eine Lernbehinderung attestiert wurde. Sie besuchen bisher zu knapp 80 Prozent dauerhaft eine Förderschule. Offenbar fällt ihre Integration bisher besonders schwer. Hinzu kommen rund 1300 sprach- und 2600 emotional auffällige Kinder, von denen allerdings keine 30 Prozent eine Förderschule besuchen. Insgesamt machen diese Kinder mit Förderbedarf Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung fünf Prozent der gesamten Schülerschaft aus.

Gern verschwiegen werden jene zehn bis 15 Prozent lernauffälligen Kinder, die eine Regelschule besuchen und deren Förderbedarf nie diagnostiziert wurde, denen aber oft die Grundlagen zum Lesen, Schreiben und Rechnen fehlen – ein Beleg, wie sehr Brandenburgs Schulen schon jetzt lernschwache Schüler benachteiligen. Der Pisa-Sieger Finnland unterstützt solche Schüler unter großem finanziellen Aufwand. Dagegen muss Brandenburg vor allem eines: sparen.

Inklusionsklassen erhalten gerade mal fünf Stunden in der Woche einen zweiten Lehrer, sowie fünf Stunden einen Sonderpädagogen. Inklusionsklassen sollten nicht mehr als 23 Schüler haben, doch selbst die Pilotschule in Groß Glienicke startet im August zwei Inklusionsklassen mit 27 und 28 Kindern.

Ob in einer Klasse zehn Kinder oder gar kein Kind einer Lern-, Sprach- oder Verhaltensförderung bedarf, spielt keine Rolle: Die personelle Ausstattung bleibt die gleiche. Bisher wurden lernauffällige Schüler an ihren Regelschulen ein Jahr lang diagnostisch begleitet. Dieses Verfahren soll verkürzt werden, glaubt man den Stellenausschreibungen im Landkreis Teltow-Fläming.

Inzwischen formiert sich Widerstand gegen das Auslaufen der Förderschulen. Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) geht schon seit Monaten auf Gegenkurs und hat erst einmal die Stärkung seiner Förderschulen beschlossen. In Potsdam erhalten Förderschullehrer von ihren Stadtverordneten bereits erste vergleichbare Signale. (Von Nathalie Wozniak)

Ein neuer Studiengang „Inklusionspädagogik“ Die „Tage der Lehrerbildung“, die seit gestern an der Universität Potsdam laufen, widmen sich dieses Jahr ebenfalls dem Thema „Inklusion“. Morgen will Lisa Pfahl von der Universität Bremen ausgehend von den Erfahrungen der Bremer „Forschungsstelle Inklusion“ Anstöße zur Neuausrichtung der Lehrerbildung geben. Anschließend diskutieren Lehrer und Erziehungswissenschaftler über mögliche Wege zur Inklusionsschule.

Einen eigenen Studiengang „Inklusionspädagogik“ soll die Universität Potsdam laut Kabinettsbeschluss ab Wintersemester 2013/14 anbieten. Dafür soll es 60 Bachelor- und 50 Masterstudienplätze geben. bra

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