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08:01 24.08.2019
Schätze auf dem Meeresgrund: Die Industrie hat es auf den Abbau von Manganknollen abgesehen. Quelle: Keith Bishop/iStock

Ein rosa schimmernder Kalmar, ein bläulicher Oktopus. Gläserne Garnelen, deren Organe knallrot im Scheinwerferlicht leuchten. Schwimmende Seegurken und Seesterne in allen Farben, bizarre Nesseltiere und Tiefseekorallen. Faszinierende Wesen leben auf dem Meeresgrund in ein paar Tausend Metern Tiefe. Das zeigen mit Tiefseekameras aufgenommene Bilder von der Clarion-Clipperton-Zone, einem gut 7000 Kilometer langen Gebiet zwischen der mexikanischen Küste und Hawaii im nord-östlichen Pazifik.

Das Gebiet weckt aber aus einem ganz anderen Grund Begierden bei der Rohstoffindustrie: Der Boden dort ist mit Manganknollen bedeckt.

Metalle für Hightech-Geräte

Die Knollen, die über Jahrmillionen auf dem Meeresboden um einen Kern von Kalkschalen abgestorbener Kleinstlebewesen oder Haifischzähne entstehen, sind etwa so groß wie Kartoffeln und enthalten neben den Metallen Mangan und Eisen weitere begehrte Elemente – Kupfer, Kobalt, Nickel, Lithium oder seltene Erden. Die Industrie braucht diese Rohstoffe für Hightech-Geräte – von Smartphones bis hin zu Satelliten, aber auch für „grüne“ Technologien wie Speicherbatterien und Windräder.

Um den wachsenden Bedarf an den Metallen zu decken, treiben Firmen seit Jahren den Rohstoffabbau auf dem Meeresgrund voran. Dafür gibt es zwar noch keine Genehmigungen, aber viele Pläne. Es geht um viel Geld.

Wertvoller Rohstoff: Manganknollen aus der Tiefsee des Pazifiks. Quelle: imago/blickwinkel

Umweltschützer und Wissenschaftler auf der ganzen Welt fürchten indes um die noch nahezu unberührten Ökosysteme der Tiefsee und warnen vor einem Kahlschlag. „In den Arealen mit Manganknollen herrscht eine deutlich höhere Artenvielfalt als anderswo“, sagt Biogeochemiker Matthias Haeckel vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Der Projektleiter ist gerade zurück von einer Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff „Sonne“. Es war bereits seine dritte Expedition zu den Manganknollen im Pazifik, er ist überzeugt: „Wenn die Schicht mit den Manganknollen abgetragen wird, zerstört das die komplette Fauna.“

Es würde wahrscheinlich viele Hundert bis Tausend Jahre dauern, bis sich in den Gebieten wieder Leben ansiedelt.

Matthias Haeckel;Biogeochemiker

Die Staaten und Firmen haben jedoch Großes vor. 200 bis 300 Quadratkilometer wollen sie künftig im Jahr abtragen – pro Abbaugebiet. Panzergroße Kollektoren sollen die Knollen ernten, sie absaugen und dann an die Meeresoberfläche pumpen. Das Verfahren sei nachhaltig zerstörerisch, sagt Haeckel. „Es würde wahrscheinlich viele Hundert bis Tausend Jahre dauern, bis sich in den Gebieten wieder Leben ansiedelt.“

Derzeit geht es noch um die Forschung darüber, wo die meisten Knollen zu holen sind. Die für Gebiete außerhalb staatlicher Wirtschaftszonen zuständige Internationale Meeresbodenbehörde (Isa) hat bislang 29 sogenannte Explorationslizenzen vergeben, unter anderem an Staaten der EU, an China, Russland und Japan. 17 davon betreffen Manganknollenfelder in der Clarion-Clipperton-Zone. Auch Deutschland ist dort auf Schatzsuche. Im Auftrag der Bundesregierung erforscht die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe das Lizenzgebiet im Pazifik, welches allein 75 000 Quadratkilometer umfasst.

Greenpeace kritisiert den Abbau

Insgesamt habe die Isa schon eine Million Quadratkilometer an Lizenznehmer verteilt, also eine Fläche größer als Spanien. Dies sei ohne Rahmenbedingungen des Abbaus und ohne Prüfung der Umweltverträglichkeit geschehen, kritisiert die Umweltorganisation Greenpeace. „Der Abbau von Kobalt, Kupfer oder seltenen Erden am Meeresboden kann einzigartige marine Ökosysteme zerstören und zahlreiche Arten auslöschen“, heißt es in einem aktuellen Report. „Die möglichen katastrophalen Folgen des Tiefseebergbaus sind der zuständigen Behörde, der Isa in Jamaika, bekannt.“

Tatsächlich hat die Isa erst jetzt – mehr als zehn Jahre nach der Vergabe der ersten Lizenzen – damit begonnen, Umweltstandards zum Abbau der Rohstoffe zu erarbeiten. Helfen soll das von mehreren europäischen Staaten finanzierte internationale Forschungsprojekt MiningImpact, das die Umweltfolgen des Tiefseebergbaus untersucht.

In dessen Rahmen war auch Meeresforscher Haeckel mit seinem Team zuletzt im Pazifik, um herauszufinden, wie viel Sediment bei der Knollenernte aufgewirbelt wird und in welchem Radius es sich verteilt. Erste Tests hätten gezeigt, dass die Abtragung eine riesige Sedimentenwolke freisetze, die dann „wie Asche herunterregnet – und alles unter sich erstickt, was dort sitzt, steht, schwebt oder sonst irgendwie da ist.“

Um die Folgen weiß man schon länger. Seit Ende der Siebzigerjahre ist der Abbau von Manganknollen am Meeresgrund mehrfach simuliert worden. „Es gibt alte Pflugspuren, in denen sich das Ökosystem auch nach 30 bis 40 Jahren nicht erholt hat“, berichtet Haeckel. Viele dieser Testflächen sähen aus wie frisch umgegraben. Größere Lebewesen suche man dort meist vergeblich.

Von Sonja Fröhlich/RND

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