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11:00 13.06.2012
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POTSDAM

. Eine Zeitlang versorgte sie beide gleichzeitig mit Muttermilch. Das war unproblematisch, wie sie findet. In ihrem Internet-Blog „langzeit-tanden-stillen.blogspot.de“ berichtet die 41-Jährige von ihren Erfahrungen.

Für ein Titelbild beim Stillen fotografieren lassen würde sie sich aber nicht, wie es die 26-jährige Jamie Lynne Grumet aus Los Angeles für das „Time Magazine“ getan hat. Grumet ist Anhängerin des „Atachment Parenting“, auf deutsch etwa: bindungsorientierte Elternschaft. Sie propagiert enge körperliche Beziehungen, etwa Langzeitstillen und Schlafen im Elternbett. In den USA löste der Beitrag teils heftige Ablehnung aus, auch in Deutschland schlagen die Wellen bei dem Thema hoch. „Das ist esotherischer Quatsch“, kommentiert Ulrich Fegeler, Chef des Verbands der Berliner Kinder- und Jugendärzte. Stillen sei etwas für die ersten Lebensmonate, danach habe es keinen biologischen Nutzen. Zu langes Stillen behindere die Autonomieentwicklung. Der Kinderpsychologe Holger Simonszent zieht eine Grenze beim Alter von eineinhalb Jahren. Über diese Schwelle hinaus sollten Mütter nicht stillen. „Dann entsteht oft eine einseitige Abhängigkeit von der Mutter“, erklärt er. Kinder in diesem Alter müssten lernen, eigene Schritte zu machen.

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Kirsten von Sydow von der Psychologischen Hochschule Berlin will keine feste Altersgrenze ziehen. „Das ist eine sehr stark kulturell bestimmte Frage“, sagt sie. Bei Naturvölkern wurde teils über das vierte Lebensjahr hinaus gestillt. Unter den Bedingungen der westlichen Wohlstandsgesellschaft müsse man aber fragen, ob bei langzeitstillenden Müttern wirklich die Interessen des Kindes im Vordergrund stehen. In manchen Fällen könne auch ein „sublimierter erotischer Missbrauch“ dahinter stehen, sagt sie, wenn es der Mutter zuerst um ihre eigenen guten Gefühle beim Stillen oder ihre Unersetzlichkeit gehe.

Langzeitstillerin Schickhoff verwundert die Aufregung. „Ich finde es lustig, dass immer wieder diese Einwände kommen“, sagt sie. Man sollte nicht so viel Wind um die Sache machen. Sie jedenfalls habe ihre Kinder nicht gedrängt, weiter an ihre Brust zu kommen. „Sie genießen es, sowohl die Nahrung als auch die Nähe“, sagt sie.

Die meisten Hebammen und Stillberaterinnen pflichten Schickhoff bei. Wie lange gestillt werde, sei eine Sache, die Frau und Kind unter sich klären müssten, sagt Martina Schulze, Vorsitzende des Hebammenverbands Brandenburg. „Grundsätzlich wird eher zu kurz gestillt“, sagt die Potsdamer Stillberaterin Katja Gilbert. In Deutschland stillen weniger als 50 Prozent der Mütter länger als ein halbes Jahr. Viele geben schon kurz nach der Geburt auf, weil sie – oft zu Unrecht – den Eindruck haben, ihre Milch reiche nicht aus.

Detlef Reichel, Chef des Brandenburger Landesverbands der Kinder- und Jugendärzte, orientiert sich an der Nationalen Stillkommission, die in der Stilldauer eine individuelle Entscheidung zwischen Mutter und Kind sieht, sofern nach dem sechsten Lebensmonat vernünftige Beikost zugefüttert wird. Er verweist auf den Evolutionsbiologen und Buchautor Herbert Renz-Polster, der schreibt, die Stilldauer beim Menschen nicht genetisch festgelegt, damit sie den sozialen Gegebenheiten angepasst werden könne. Unabhängig von der Dauer empfiehlt er, das Kind stets nur nach und nach abzustillen. (Von Ulrich Nettelstroth)

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