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Wissen Alles nur ein PR-Gag? Zeitfreie Insel in Norwegen wirft Fragen auf
Nachrichten Wissen Alles nur ein PR-Gag? Zeitfreie Insel in Norwegen wirft Fragen auf
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10:06 27.06.2019
Mit einem Facebook-Video, das über 200.000 Mal geschaut wurde, verlieh der vermeintliche Initiator seiner Idee Nachdruck. Quelle: Goran Mikkelsen/Innovation Norway/dpa
Kopenhagen

Eine von übermäßig Mitternachtssonne gesegnete Insel in Norwegen möchte zeitfrei werden – diese Geschichte haben in den vergangenen drei Wochen Millionen Menschen in aller Welt gelesen. Der US-Sender CNN berichtete ebenso über die kuriose Idee des kleinen Eilandes Sommarøy wie die britische Zeitung „Guardian“ und die Deutsche Presse-Agentur, womit die Geschichte auch in zahlreichen deutschen Zeitungen und Online-Medien landete. Nun stellt sich heraus: Die Idee hat einen Haken – sie entstammt ursprünglich den Köpfen einer staatlichen Behörde, die damit Touristen in die Region nördlich des Polarkreises locken wollte. Aber die Initiative lebt – sagt die Behörde zumindest. Doch es sind noch viele Fragen ungeklärt.

Am 6. Juni berichtet der norwegische Rundfunksender NRK über die kuriose Idee. Eine nordnorwegische Inselgemeinde wolle die Zeit loswerden, titelt der Sender auf seiner Webseite. Als Initiator der Idee wird Kjell Ove Hveding genannt und zitiert. Auch andere norwegische Medien greifen die Geschichte auf. Ein Video, das von der Initiative auf Facebook zu sehen ist, wird Zehntausende Male angeschaut.

„Initiator“ bestätigte Pläne und Petition

Eine Woche später äußert sich die norwegische Innovationsbehörde Innovation Norway zu der Kampagne. Die Menschen auf Sommarøy im hohen Norden Norwegens wollten, dass ihre Insel als zeitfreie Zone anerkannt werde, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Begonnen habe all das vor einigen Wochen, als die Menschen auf Sommarøy während eines Town Hall Meetings eine entsprechende Petition unterzeichnet hätten. Kjell Ove Hveding – auch hier taucht der Initiator wieder auf – habe diese Unterschriften der Einwohner am 13. Juni einem Parlamentsabgeordneten übergeben.

Einige Tage später spricht auch die Deutsche Presse-Agentur mit Hveding. Im Telefon-Interview bestätigt er die Angaben der Behörde, unter anderem auch, dass er hinter der Idee stehe sowie in Oslo eine Petition an einen Parlamentsabgeordneten übergeben habe. Ein von Innovation Norway bereitgestelltes Fotos zeigt, wie Hveding den Parlamentarier trifft. In einem Korrespondentenbericht beschreibt die dpa daraufhin am 19. Juni, was sich die Bewohner von Sommarøy ausgedacht haben. Titel: „Einfach mal die Zeit vergessen? Eine Insel möchte zeitfrei werden“.

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Idee kommt eigentlich von PR-Profis

Doch jetzt stellt sich heraus: Die Idee entstammt gar nicht dem Kopf von Hveding, sondern denen von PR-Profis. Das deckt am späten Dienstagabend wiederum der norwegische Rundfunksender NRK auf. Innovation Norway sei mit der Idee an die Inselbewohner herangetreten, um mehr Touristen nach Nordnorwegen zu locken. Statt Town Hall Meeting ist nun von einer Informationsveranstaltung die Rede.

Mit den Vorwürfen konfrontiert entschuldigt sich die Behörde am Mittwoch dafür, ihre Rolle bei dem Ganzen nicht ausreichend klargestellt zu haben. „Wir haben den Menschen auf Sommarøy die Kampagne vorgeschlagen, und sie haben die Idee gemocht und sie sich zu Herzen genommen. Wir haben sie bei ihren Aktivitäten unterstützt und die Geschichte international beworben.“ Die Mehrheit der Inselbewohner stehe hinter der Initiative, der Parlamentsabgeordnete Kent Gudmundsen habe die Unterschriften – in PDF-Form – erhalten.

Behörde stellt Aktivitäten ein – Bewohner bleiben dran

Kjell Ove Hveding ist für die dpa am Mittwoch trotz mehrmaliger Versuche nicht zu erreichen. Innovation Norway schreibt jedoch, Hveding und andere Menschen auf Sommarøy hätten am Mittwoch noch einmal klargemacht, dass sie die Initiative weiter verfolgen wollten.

Es bleibe dabei, dass Tages- oder Nachtzeiten im Alltag der Inselbewohner schlichtweg kaum eine Rolle spielten. Die Initiative, offiziell eine zeitfreie Zone zu werden, sei aber immer auch ein mit einem Augenzwinkern versehenes Projekt gewesen. Die Behörde habe ihre Aktivitäten in Verbindung mit der Kampagne unterbrochen.

Und die Petition? Auch diese existiere, der Parlamentsabgeordnete habe aus erster Hand einen Blick auf die Unterschriften werfen können, erklärt Innovation Norway.

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Von RND/dpa

Titus Dittmann ist Skateboard-Pionier, Unternehmer und ehemaliger Lehrer. In seinem Buch „Lernen muss nicht scheiße sein“ macht sich der 70-Jährige Gedanken über Bildung und elternfreie Zeit. Ein Gespräch über Noten, Lernmotivation, Freiheit und darüber, warum Wissen pauken und auskotzen gar nichts bringt.

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