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Deutschland Ausstellung in Bayreuth zeigt Kriege in Franken und Syrien
Reisereporter Deutschland Ausstellung in Bayreuth zeigt Kriege in Franken und Syrien
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14:38 29.01.2020
Syrische Flüchtlinge während der Überfahrt von der Türkei auf die griechische Insel Lesbos. Quelle: Nicolas Armer/dpa
Bayreuth

Die graue Tapete in einer Wohnung in Aleppo ist aufgerissen, in der Mauer klafft ein Loch - zu sehen auf einem Foto aus dem Krieg in Syrien. Die Aufnahme ist Teil einer Ausstellung in Oberfranken, die die syrischen Kriegsgräuel denen im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) gegenüberstellt.

Damals, im 17. Jahrhundert schrieb ein Pfarrer: "Dieweil das Land verheeret/ die Kirch und Schul verstöret." Rund 40 Jahre und mehr als 3000 Kilometer liegen zwischen dem Zitat und dem Foto - und doch haben sie etwas gemeinsam. Sie schildern die "Auflösung der Ordnung".

Ausstellung stellt den Menschen in den Mittelpunkt

Im Historischen Museum Bayreuth wagen Dozenten, Studenten und Flüchtlinge gemeinsam den Vergleich zweier Kriege. Stationen mit Titeln wie "Krieg unter Nachbarn", "Massaker" sowie "Hunger und Krankheit" zeigen eine kurze Einführung, ein von den Geflüchteten beigesteuertes Foto, einen Text aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs und einen symbolhaften Gegenstand wie eine verrußte Gabel, eine Plane oder einen Wasserkanister.

Den Organisatoren um Stefan Benz von der Geschichtsdidaktik und Marcus Mühlnikel vom Institut für Fränkische Landesgeschichte an der Uni Bayreuth geht es dabei nicht um den historischen Vergleich von Herrschaft oder Militär, wie sie bekunden. Das Erleben und Erleiden der Menschen stehe im Krieg im Mittelpunkt.

Die Idee zur Ausstellung sei 2018 aufgekommen, als sich der Beginn des Dreißigjährigen Krieges jährte. Über Sprachkurse der Universität sowie über muslimische und christliche Organisationen fanden sie fünf Syrer, die inzwischen in Franken leben und Fotos zur Verfügung stellten. Die fränkischen Quellen liehen sie sich von Bibliotheken, der Kirche und anderen Museen.

Kriegserleben ist vergleichbar

Sie kombinieren beispielsweise eine Predigt eines Pfarrers bei der Beerdigung einer jungen Frau - deren fünf Kinder starben - mit dem Foto eines Jungen aus Aleppo, der die Folgen eines Raketenangriffs betrachtet. "Es wird das gleiche Gefühl transportiert", meint Mühlnikel. "Aber es muss jeder für sich selbst herausfinden: Passt das zusammen?"

Natürlich lasse sich Kriegserleben vergleichen, findet Georg Schmidt, der an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Geschichte der Frühen Neuzeit forschte und zahlreiche Publikationen zum Dreißigjährigen Krieg verfasste. "Vertreibungen, Gräuel und Elend gibt es in jedem Krieg und diese treffen das menschliche Individuum oft existenziell. Diese Erlebnisse werden gewiss auch in vergleichbarer Weise wahrgenommen."

Gerade der Dreißigjährige Krieg werde in Deutschland "oft als Vergleichsfolie herangezogen wegen der vielen Opfer und wegen der späteren Einschätzung, dass er Urkatastrophe, Trauma und Mythos der deutschen Geschichte ist", erklärt der Professor. Doch selbst wenn sich Parallelen zum Kriegserleben ziehen lassen, stelle sich die Frage, was solche Vergleiche bringen. "Aus der Geschichte lässt sich nichts lernen, alles bleibt beim Alten?" Blicke man auf die Hintergründe beider Kriege, dominiere die Unvergleichbarkeit.

Ähnliche Gefühlswelten

Selbst unter den fränkischen Quellen gebe es Unterschiede, räumen die Organisatoren der Ausstellung ein. Während eine Nonne aus Würzburg nüchtern ihre Erlebnisse berichte, schildere eine Nonne aus Bamberg eher illustrativ. Auch die an der Ausstellung beteiligten Syrer hätten unterschiedliche Auffassungen vom Syrienkonflikt, sagt Mühlnikel. "Trotzdem teilen sie viele gemeinsame Erfahrungen wie das Gefühl der Ohnmacht."

Für Ausstellungsmacher Hani Ntaifa funktioniert der Vergleich. Stundenlang habe er sich in die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges eingelesen. "Ich fand das interessant - ich konnte manches vergleichen." Gerade das Auseinanderbrechen der Ordnung, Krieg unter Nachbarn. "Die Deutschen heute haben diesen Krieg, die Katastrophe nicht selbst erlebt", sagt Ntaifa. "Aber wir haben das. Wir wissen: Was essen die Leute, wo schlafen sie? Was passiert mit den Kindern?" Davon solle die Ausstellung erzählen, wünscht er sich. Bis März ist sie in Bayreuth zu sehen, danach in Kulmbach, Forchheim und Fürth.

dpa

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