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Rund um die Welt Paläste aus Zarenzeiten und ein Schwalbennest
Reisereporter Rund um die Welt Paläste aus Zarenzeiten und ein Schwalbennest
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05:55 17.10.2019
Bei einer Bootstour auf dem Schwarzen Meer zeigt sich die Architektur aus sowjetischen Zeiten entlang der Küste. Quelle: Ulf Mauder/dpa-tmn
Jalta

"Stadt des Glücks" steht auf dem Banner am steinigen Strand von Jalta. Ein Spruch wie aus einer anderen Zeit. Über dem Schwarzmeer-Kurort auf der Halbinsel Krim hängt an diesem Tag eine bleierne Hitze. Auf der Uferpromenade flanieren Besucher - vorbei an Cafés und Restaurants mit vielen freien Plätzen.

"Es kamen früher Touristen aus vielen Ländern mit riesigen Ausflugsdampfern", sagt Swetlana an ihrem kleinen Stand mit großem Angebot. Sie verkauft Touren zu den einstigen Sommerresidenzen der Zarenfamilie und des russischen Adels - allerdings alles auf Russisch, weil Gäste aus dem Ausland hier heute eher selten sind. Seit Russland sich die

Krim vor fünf Jahren einverleibte, ist vor allem das Reisen aus dem Westen schwieriger geworden.

Reisen ist schwieriger geworden

Für 1400 Rubel (20 Euro) bietet Swetlana einen fünfstündigen Ausflug mit Minibus und Boot an geschichtsträchtige Stätten, zum Liwadija-Palast zum Beispiel. Hier legten 1945 der sowjetische Diktator Josef Stalin, US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges die Nachkriegsordnung fest.

Ein neues Monument mit den drei Staatenlenkern erinnert an das historische Ereignis. Es ist auch ein Denkmal für den Sieg der Sowjetunion über den Hitlerfaschismus. Bis 1944 hatte die Wehrmacht die Krim besetzt. Mit der Annexion vor fünf Jahren holte sich Russland auch ein Stück seiner Geschichte zurück.

Bei einer international nicht anerkannten Volksabstimmung entschieden sich die Krim-Bewohner 2014 für den Beitritt zum russischen Staatsgebiet. Das Völkerrecht aber sieht die Halbinsel weiterhin als Teil der Ukraine. Die EU und die USA erließen Sanktionen, um Moskau unter Druck zu setzen. Doch das Leben hier wird nun wieder komplett aus der russischen Hauptstadt gesteuert.

Direkte Verbindungen nach Russland

Eine Autobahnbrücke vom russischen Festland gibt es, bald auch eine Eisenbahnverbindung. Auf dem Flughafen der Krim-Hauptstadt Simferopol starten und landen täglich Tausende Urlauber. Doch der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hinterlässt seine Spuren.

Touristen aus dem Westen müssen Bargeld bei sich haben, weil Bankautomaten, Läden, Hotels und Restaurants weder westliche Geldkarten noch Schecks akzeptieren. Der

Massentourismus mit dem Zug vom ukrainischen Kernland ist weggebrochen. Zudem klagen viele Einheimische darüber, dass alles viel teurer geworden ist.

Die Reiseführerin Warwara spart diese konfliktreichen Punkte in ihrer Reisegruppe aus. Ihr Thema sind die schönen Seiten, die prachtvollen Paläste, die Gärten. Ein Höhepunkt der Tour ist der Ort Alupka mit dem Woronzow-Palast, wo Churchill einst übernachtete.

Prachtbauten waren früher Sanatorien

Wie viele der Prachtbauten an der Küste diente auch dieser Palast dem sowjetischen Arbeiter- und Bauernstaat einst als Sanatorium. Heute ist die Anlage als Museum geöffnet.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang geht es weiter mit dem Minibus auf der holprigen Straße. Die Luft ist wegen der vielen Autos und Schiffe mit ihren wabernden Abgasen dick in Jalta. Der Luftkurort sei nicht mehr, was er mal war, sagt Gästeführerin Warwara.

Dann taucht es auf über dem Meer: das märchenhafte Schlösschen "Schwalbennest". Im mittelalterlichen Stil mit seinen spitzen Türmen ist es das Wahrzeichen der Südküste. Ein Ausflugsschiff wartet unter dem Schloss auf die Gäste - für die Rückkehr in den Hafen von Jalta.

Gigantische Hotelburgen auf den Bergen

Die Schiffstour geht vorbei an hohen Bergketten mit gigantischen Hotelburgen aus Sowjetzeiten. Am Pier in Jalta erinnern Wracks und Ruinen alter Bootsstege daran, dass es hier schon glücklichere Zeiten gegeben hat.

Wohlhabende Russen erholen sich im Urlaub lieber anderswo. "Natürlich verstehen wir, dass sich der Komfort noch verbessern muss", sagt auch der Krim-Politiker

Juri Gempel in der Hauptstadt Simferopol. Er weiß, dass viele Russen die Ferien lieber in der Türkei oder in Spanien verbringen. Aber auch Touristen aus dem Westen kämen weiterhin und immer zahlreicher auf die Krim trotz der Sanktionen, sagt Gempel.

dpa

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