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Rund um die Welt Utah ist ein Wintermärchen
Reisereporter Rund um die Welt Utah ist ein Wintermärchen
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09:07 14.01.2020
Wegen ihrer wabenartigen Oberfläche werden diese Felsen auch «Brainrocks» (Gehirnfelsen) genannt. Quelle: Michael Juhran/dpa-tmn
Bryce Canyon City

Die schneebedeckten Kalksteinfelsen sehen aus wie eine Armee rosaroter Zwerge mit weißen Zipfelmützen, die eine Festung stürmen wollen. Die Burg ist in diesem Fall der Upper Inspiration Point, ein Aussichtspunkt im Bryce Canyon National Park im US-Bundesstaat Utah.

John Holland steht allein hier oben. Kein Wunder, es ist Winter. Dann kommen kaum Touristen. Im Tal erstreckt sich ein großes Amphitheater, gefüllt mit Tausenden Felstürmchen, Säulen, Pyramiden und schroffen Zinnen. Die Luft ist klar, der Schnee funkelt in der Sonne.

Holland stand schon Hunderte Male auf seinem Lieblingsaussichtspunkt. Doch jedes Mal ist er aufs Neue fasziniert von dieser Naturbühne, die Wind, Regen, Frost und Hitze geformt haben. Die Schönheit kommt im Winter erst richtig zur Geltung, und zwar durch einen Kontrast: ein von Mangan- und Eisenoxiden gefärbtes Gestein und weißer Schnee.

Rot angemalte Gesichter

Der US-Amerikaner Holland war viele Jahre für eine Computerfirma in aller Welt unterwegs. Doch es zog ihn zurück in die Heimat, er wurde zum Naturführer. Heute ist Holland fast täglich in seiner Märchenwelt unterwegs, führt Gäste durch natürliche Gesteinstore, zur Felsikone "Thors Hammer" und zum "Garten der Queen".

"Die bizarren, bis zu 60 Meter hohen Felstürmchen entstanden aus den Sedimenten eines Sees", erklärt der Guide. Über Millionen von Jahren verwitterte das durch tektonische Prozesse angehobene Plateau. Niederschläge und jährlich bis zu 200 Frostperioden spalteten den Sandstein und das Basaltgestein auf.

"Der Legende der indianischen Ureinwohner nach sind diese Felsskulpturen Menschen, die in Stein verwandelt wurden", erzählt Holland. In der Sprache der Paiute werden sie "rot angemalte Gesichter" genannt.

Lange galt die Gegend als verwunschene Welt, die von Menschen gemieden wurde. Heute herrscht in der Hochsaison im Sommer dichtes Gedränge auf den Aussichtsplattformen. Anders im Winter: Dann genießt man die Szenerie häufig ganz für sich.

Fotografische Freuden

Noch ruhiger geht es im 35 Kilometer entfernten Kodachrome Basin State Park zu. Dort erheben sich 67 Felsspitzen. Schneewolken verleihen der Landschaft zuweilen eine dramatische Stimmung, wenn die Felsmonolithe gleichzeitig von der Sonne beleuchtet werden. Das begeistert jeden Fotografen.

Auch im Zion National Park ist die Schar der Besucher im Winter übersichtlich. An den Emerald Pools und am Weeping Rock hat der Frost die Wasserfälle in Eiskaskaden mit langen Zapfen verwandelt, die in der Sonne funkeln und zur Mitte des Tages bei Plusgraden krachend zu Boden stürzen. Manche Wanderer geraten auf dem eisigen Untergrund unfreiwillig ins Rutschen. Andere lassen es sich selbst bei den niedrigen Temperaturen nicht nehmen, durch den Virgin-Fluss zu den sogenannten Narrows zu wandern, engen Felsdurchbrüchen.

Eine Tour in einem abseits gelegenen Teil des Zion-Parks führt zur menschenleeren Kolob Terrace. Nur einige Wapitis stapfen auf Nahrungssuche durch den Schnee. Völlig ungestört lassen sich auch die Felszeichnungen der Ureinwohner in einer Felsgrotte betrachten. Dann geht es auf den Kamm einer Bergkette. Oben angekommen, wird man mit einem Panoramablick auf das Colorado Plateau belohnt.

Ohne Allrad geht nichts

Selbst in der ansonsten überlaufenen Paria Canyon-Vermilion Cliffs Wilderness Area an der Grenze zu Arizona bringt der Winter der Natur eine Ruhepause. Zwar ist der Andrang für das fotografische Highlight "The Wave" in den Coyote Buttes auch bei Minusgraden ungebrochen. Entschließt man sich aber, sein Fotoglück in der wenige Kilometer entfernten White Pocket zu finden, so benötigt man statt einer offiziellen Genehmigung nur einen guten Guide mit einem hochgelegten Geländewagen, um die Felslandschaft zu finden.

Jeff Welker ist ein solcher Guide. Er fährt seine Gäste von Kanab aus in die Wildnis des Paria Plateaus. Auf den sandigen Wegen bleiben immer wieder Ortsunkundige stecken. Die Wahrscheinlichkeit, sich in dem unwegsamen Gelände zu verfahren, ist groß. Selbst für vierradgetrieben Fahrzeuge wird die Strecke bei Regen zu einer echten Herausforderung. Doch die Mühen werden belohnt.

Törtchen mit Zuckerguss

Plötzlich tauchen inmitten der wüstenähnlichen Steppe skurrile Gesteinsformationen auf. Als hätte ein Bäcker rotbraune Schokoladentörtchen und ockerfarbene Sandkuchen mit Zuckerguss glasiert, ragen die Felsen aus der Paria-Hochebene.

Wie in den Coyote Buttes handelt es sich bei der White Pocket um versteinerte Sanddünen, doch nur hier überdeckt eine weiße Kruste die darunter liegenden Gesteinsschichten. Schneefelder verstärken den Kontrast zum stahlblauen Himmel. Die Erosion hat hier als Landschaftsarchitekt ganze Arbeit geleistet - und die winterliche Ruhe ist besonders zauberhaft.

dpa

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