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Promi-Talk Haben Sie den dritten Weltkrieg verhindert?
Sonntag Promi-Talk Haben Sie den dritten Weltkrieg verhindert?
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00:38 02.10.2015
Bevor Frederick Forsyth zu einem Krimiautor von Weltrang avancierte, arbeitete er als erster westlicher Medienkorrespondent in Ost-Berlin. Quelle: dpa

Wie gut ist Ihr Deutsch noch, Herr Forsyth?
Ich glaube, für ein Gespräch reicht es noch. Es kann allerdings sein, dass mir ab und zu ein paar Wörter nicht mehr einfallen.

Gut, dann lassen Sie uns beginnen: Ihr Leben war eine ganz schöne Achterbahn. Immer wieder ganz unten – und dann wieder ganz oben …
Achterbahn?

Rollercoaster …
Ja, das Bild trifft es ziemlich gut. Aber wenn ich nicht einmal wieder ganz unten gewesen wäre, hätte ich auch nie meinen ersten Roman geschrieben.

„Der Schakal“. Und der war auf Anhieb ein Weltbestseller …
Ja, das war 1971. Ich war aus dem Biafra-Krieg in Nigeria zurückgekommen, wo ich es mir durch meine kritischen Berichte mit der britischen Regierung und allen großen Zeitungsverlagen in England für alle Zeit verdorben hatte. Mein Vater lieh mir ein paar Hundert Pfund. Ich schlief bei einem Freund auf dem Sofa und wusste absolut nicht, wie es jetzt weitergehen sollte. Das Einzige, was ich noch besaß, war die Idee für einen Roman, die ich noch aus meiner Zeit als Korrespondent in Paris mit mir herumschleppte.

Die Geschichte eines Profikillers, der den französischen Präsidenten Charles de Gaulle töten soll …
Genau. Ich habe den Roman in 35 Tagen geschrieben. Auf meiner alten Reiseschreibmaschine. Und ich hatte keinen blassen Schimmer, wie man einen Roman verkauft. Monatelang holte ich mir eine Absage nach der anderen: von Hilfslektoren und anderen Assistenten, denen man auch heute noch die „unverlangt eingesendeten“ Manuskripte in die Hand drückt. Bis mir auf einer Party dann wirklich ein waschechter Verleger über den Weg lief, der mir nicht mehr entrinnen konnte.

In Ihrer Autobiografie schildern Sie immer wieder solche schicksalhaften Begegnungen. Immer wieder laufen Sie zur richtigen Zeit den richtigen Menschen über den Weg.
Ich kann mich wirklich nicht beschweren, dass ich in meinem Leben nicht genügend Glück gehabt hätte. Ganz so, wie es mir in jungen Jahren einmal vorausgesagt wurde.

Von einem Wahrsager?
Von einem Schneider, mit dem ich nach einem schweren Autounfall über Wochen mein Zimmer in einer Klinik teilte. Irgendwann erzählte er mir, dass er die schreckliche Gabe besäße, aus der Hand zu lesen.

Schrecklich?
Ja. Auf einer Kirmes hatte er in der Hand einer Dorfgröße die Anzeichen eines nahenden Todes gesehen, ihr aber von einem bevorstehenden „Glücksfall“ erzählt. Der Mann verließ bester Laune das Festzelt – und blies sich zwei Tage später den Kopf weg. Diese Geschichte hat mich natürlich so fasziniert, dass ich nicht lockerließ, bis er auch mir aus der Hand las. Wenn auch aus der „falschen“ rechten. Meine Linke war nach dem Unfall noch ein übler zusammengeflickter Trümmerhaufen.

Und?
Ich war und bin natürlich noch skeptisch, bis heute. Und als er mir erst einmal mein ganzes bisheriges Leben erzählte, dachte ich: Na gut, das kann er sich auch aus unseren ganzen Gesprächen zuvor zusammengereimt haben. Aber heute, mehr als 50 Jahre danach, muss ich gestehen, dass er auch meine Zukunft ziemlich genau vorhergesagt hat. Manchmal bis ins Detail. Sogar den Zeipunkt meines Todes hat er mir genannt.

Darf ich fragen, wann der sein soll? Und: Wie gehen Sie mit einer solchen Prophezeiung um?
Ich bin jetzt 77 Jahre alt. Und wenn es nach diesem Handleser geht, könnte ich nach wie vor jede Straße in London überqueren, ohne nach links und rechts zu schauen. Mache ich aber nicht. Genauso wenig, wie ich nach dieser Prophezeiung als junger Reporter in den Krisen- und Kriegsgebieten, aus denen ich berichtete, pfeifend durch einen Kugelhagel gelaufen bin. Wenn es stimmt, was in meiner Hand steht, werde ich irgendwann in meinen Achtzigern diesen Planeten verlassen. Also warten wir’s ab.

Zurück in die Vergangenheit. Sie waren gerade einmal 25 Jahre alt, als Sie für die Nachrichtenagentur Reuters als Korrespondent nach Ost-Berlin gingen.
Ja. Zwei Jahre nach dem Bau der Mauer. Ich war damals der einzige westliche Korrespondent in der DDR. Ohne Handy, ohne Internet. Meine einzige Verbindung zum Westen war ein Fernschreiber und ein Schwarz-Weiß-Fernseher, den die Stasi mit einer Wanze bestückt hatte. Herrlich, diese Zeiten damals! Der Fernseher war ein Vier-Röhren-Modell, das aber fünf hatte. Als ich die fünfte herausnahm, stand innerhalb einer Stunde ein „Fernsehtechniker“ vor der Tür, um angeblich eine Störung zu beheben. Bevor ich ihn hereinließ, setzte ich schnell die fünfte Röhre wieder ein, was zur Folge hatte, dass sich der verdutzte Techniker vielmals für sein Auftauchen entschuldigte.

Sie blieben nur ein Jahr in Ost-Berlin?
Diese Tristesse hielt damals kein Korrespondent lange aus. Ich konnte zwar immer rüber nach West-Berlin, musste aber vor Mitternacht wieder im Osten sein, und da waren die Bürgersteige schon seit Stunden hochgeklappt. Davon abgesehen, kam bei mir noch ein anderer Grund dazu, dieses gastfreundliche Land Hals über Kopf zu verlassen.

Und der war?
Die einzigen Vergnügungen, die es damals in Ost-Berlin gab, waren Alkohol – und Sex. Mit einer Flasche Cognac, einem französischen Parfüm oder ein paar Nylons warst du König. An Mädchen hat es also nie gemangelt. Und eines Tages lernte ich Sigrid kennen. Angeblich war sie mit einem Unteroffizier der Nationalen Volksarmee verheiratet, der die Woche über Dienst in Cottbus schob. Trotzdem blieb sie nie über Nacht bei mir, sondern bestand darauf, dass ich ihr ein Taxi vom Nachtstandplatz an der Frankfurter Straße rief. Ob Sigrid für die Stasi arbeitete, war mir egal. Ich hatte nichts zu verbergen. Aber irgendwann war mein Misstrauen so groß, dass ich ihren Taxifahrer mit D-Mark bestach. Und siehe da: Sie ließ sich stets nach Pankow fahren, dorthin, wo nur die Bonzen und ganz großen Tiere wohnten. Von wegen Frau eines Unteroffizieres. Sigrid war nebenbei auch die Geliebte des Verteidigungsministers der DDR, des Generals Karl-Heinz Hoffmann, gewesen. Als ich das herausgefunden hatte, wurde mir die Affäre doch zu heiß. Außerdem hätte ich damals fast den dritten Weltkrieg ausgelöst.

Wie das denn? Und wie haben Sie den Ausbruch schließlich verhindert?
Ich erinnere mich noch genau. Es war der 24. April 1964, und es war zwei Uhr morgens. Ich kurvte mit dem Auto durch die stockdunklen Straßen, auf dem Rückweg aus dem Bett eines charmanten jungen Mitglieds des Chors der Staatsoper. Doch an jeder Kreuzung war mir der Weg versperrt. Überall russische Militärpolizisten und Panzerkolonnen, die sich rasselnd gen Westen bewegten. Als ich endlich auf Schleichwegen mein Wohnbüro erreichte, setzte ich meine Beobachtungen sofort per Fernschreiber ab. Von London bis Washington, überall glühten die Drähte, wurden Geheimdienstler aus den Betten gescheucht – doch keiner konnte sich einen Reim auf die Truppenbewegungen machen. Bis man sich entschloss, Moskau direkt zu kontaktieren. Aber die wussten zunächst auch nichts. Bis sich das Rätsel dann doch löste: Der sowjetische Oberbefehlshaber in der DDR hatte eine Generalprobe für die Parade zum Maifeiertag befohlen. In seltener Rücksicht auf die Bürger Ost-Berlins ausnahmsweise zu nachtschlafender Zeit, als die Straßen leer waren. Und wie die Kommunisten damals so waren, taten sie das natürlich, ohne vorher jemanden in Kenntnis zu setzen.

Haben Sie manchmal noch Sehnsucht nach diesen alten Zeiten, Herr Forsyth?
Höchstens ein bisschen Wehmut. Was sich vielleicht darin manifestiert, dass ich immer noch auf einer Schreibmaschine schreibe. Und mit dem Internet kann ich mich auch nicht anfreunden. Ich misstraue ihm.

Und was ist dran an den Gerüchten, dass Sie damals auch für den britischen Geheimdienst MI6 gearbeitet haben?
Das stimmt. Aber nicht als eine Art James Bond. Und nie für Geld. Ich habe lediglich ab und zu meine Informationen als Auslandskorrespondent mit denen geteilt. Oder bin einer Bitte nachgekommen, mal hier oder da die Ohren besonders weit offen zu halten. Immer verbunden mit der höflichen Frage: „Wollen Sie etwas für ihr Land tun?“ Und das hielt ich nie für verwerflich.

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