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Promi-Talk Wie viel Angst haben Sie vor dem Tod?
Sonntag Promi-Talk Wie viel Angst haben Sie vor dem Tod?
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20:00 25.09.2015
Woody Allen: nur echt mit der schwarzen Hornbrille. Quelle: Imago

Er war damals 55, sie 35 Jahre jünger – und die Adoptivochter seiner Ex-Lebensgefährtin Mia Farrow. Heute gibt Woody Allen zu, dass die Beziehung "irrwitzig" war. Er hielt sie für eine vorübergehende Affäre. Es wurde eine Ehe daraus, die seit 20 Jahren hält und "gut geht". Warum? Wegen des Altersunterschieds: "Sie sprach auf eine Vaterfigur an und ich liebte ihre Jugend und Energie."

Mr. Allen, Wie geht es Soon-Yi?
Bei ihr ist alles bestens. Sie ist gerade mit den Kindern unterwegs. Sie sehen sich am Broadway das Musical "Ein Amerikaner in Paris" an. Ich hatte heute Mal richtig Ruhe zu Hause, um zu arbeiten.

Woran?
An meiner Serie für Amazon. Sie ist fast fertig.

Eine Serie für einen Streaming-Dienst, das ist doppeltes Neuland für Sie. Wie haben Sie sich dazu verpflichten lassen?
Erst einmal gar nicht. Als mich Amazon angesprochen hat, habe ich auf Anhieb "Nein" gesagt. Weil mich solche Serien nicht interessieren und ich sie mir selbst nie anschauen würde. Doch Amazon war hartnäckig. Sie haben mich über zwei Jahre hinweg immer wieder angerufen und das Angebot nachgebessert.

Ihre Gage wurde erhöht?
Die auch. Aber sie haben mir auch immer mehr künstlerische Freiheiten zugestanden. Ich durfte plötzlich machen, was ich will, ohne etwas vorher absprechen zu müssen. Ich durfte mir die Länge der sechs Folgen selbst aussuchen, ob ich in Schwarzweiß oder Farbe drehe und wo die Serie spielen soll. Europa oder Amerika war egal. Irgendwann war dann das Angebot einfach zu gut, um es ablehnen zu können.

Wie groß war der Aufwand im Vergleich zu einem Kinofilm?
Den habe ich ehrlich gesagt sehr unterschätzt. Ich dachte, ich kassiere mal eben  für drei Stunden Geniestreich fürstlich ab. Ich habe mir eingebildet, so gut zu sein, und habe mich dann sehr schwer getan, ein gutes Produkt abzuliefern. Gott sei Dank bin ich jetzt fast fertig.

Ihr Arbeitspensum ist bemerkenswert. Schließlich werden Sie am 1. Dezember 80. Gibt es eine große Feier?
Es ist keine geplant. Ich finde es traurig, wenn Leute zum Essen und Trinken zusammen kommen und dir unehrliche Komplimente machen – nur weil du es geschafft hast, 70, 80 oder 90 zu werden. Ohne mich! Ich finde es viel besser, mit meiner Familie in ein Restaurant zu gehen und ein ruhiges Dinner zu genießen.

Mit Ehefrau Soon-Yi adoptierte Allen zwei Töchter. Quelle: afp/ Bertrand Langlois

Über welche Geschenke freut sich Woody Allen zum Geburtstag?
Gute Frage. Man weiß vorher nie, welche Präsente wirklich bedeutsam für einen werden. Ich habe mal nach einer von mir veranstalteten Silvesterparty von Mia Farrow als Dank ein Buch geschickt bekommen. Das hat mich so gefreut, dass ich sie spontan angerufen und mich mit ihr zum Lunch verabredet habe. Daraus ist dann ein weltweites Unternehmen geworden (lacht).

Was machen Sie, um fit zu bleiben?
Ich bin sehr aktiv. Ich kann einfach nicht still sitzen. Ich treibe Sport, esse gesund und rauche nicht. Ich habe keine wirklich schlechten Angewohnheiten, die meine Gesundheit ruinieren würden. Und trotzdem weiß man nie, was passiert. Ich könnte morgen einen Schlaganfall erleiden und nicht mal mehr meinen Namen wissen. Dann ist es aus und vorbei.

Sie drehen seit 1969 Filme. Haben Sie sich seither als Regisseur verändert?
Meine Persönlichkeit ist dieselbe geblieben. Ich tendiere am Set dazu, eher ruhig und desinteressiert zu wirken. Ansonsten ist vieles anders geworden. Selbst die dümmsten Filmemacher, zu denen ich mich zähle, lernen im Laufe der Zeit – was Techniken and Stil angeht. Ich habe gut 45 Filme gemacht und halte mich inzwischen für einen guten Regisseur, allerdings nicht für einen großartigen.

Was machen Sie denn heute anders als früher?
Ich finde, meine Filme sind heute erwachsener und tiefschürfender. Früher war ich nur auf Lacher aus. Heute stehen bei mir Menschen und ihre komplexen Beziehungen im Mittelpunkt. Natürlich baue ich den einen oder anderen Witz mit ein. Ich liebe es, wenn die Zuschauer lachen. Doch ich bin davon nicht mehr abhängig.

Sie haben in den vergangenen fünfzehn Jahren fast alle Ihre Filme in Europa gedreht. Barcelona, Rom, Paris...
.... und ich habe damit meiner Frau tolle Reisen geboten. Nur hat sie leider inzwischen die Nase voll davon. Sie will allerdings unbedingt mit mir nach Seoul, weil sie ja koreanische Wurzeln hat. Ganz ehrlich gesagt: Ich habe dazu überhaupt keine Lust. Ich habe es ihr allerdings versprochen. Ich bin indes ja nicht mehr der Jüngste und hoffe insgeheim, dass ich sterbe, bevor ich das Versprechen einlösen kann.

Woody Allen und Emma Stone bei der Premiere von "Irrational Man" in Cannes. Quelle: dpa

Für Ihren neuen Film "Irrational Man" sind Sie überhaupt nicht mehr gereist. Er spielt in der Umgebung von New York. Warum haben Sie in Ihrer Heimatstadt so lange nicht mehr gedreht?
Weil die Filmproduktion dort leider sehr teuer geworden ist. Das ist schade. Ich liebe diese Stadt.

Hat sich dort seit Ihren "Stadtneurotiker"-Zeiten der Siebzigerjahre eigentlich sehr viel verändert?
Die Stadt ist im Grunde dieselbe geblieben. Selbst 9/11 hat das nicht ändern können. Die Menschen dort leben mit viel Energie und Enthusiasmus. Es ist ein sehr kreatives, aufregendes und romantisches Fleckchen Erde. Ich glaube, es ist auch die Umgebung, die mir Millionen von guten Ideen gibt…(Allen hält inne) Ich hoffe wirklich sehr, dass ich noch lange genug auf der Erde bin, um einige der Besten davon zu verwirklichen.

Der Hobby-Klarinettist Allen liebt Ragtime und war mit seiner New Orleans Jazz Band auch schon auf Europatournee. Quelle: afp

Ruhestand ist also ausgeschlossen?
Wenn es meine Gesundheit zulässt, will ich so lange wie möglich arbeiten. Ich hoffe, dass ich genetisch auf meine Eltern herauskomme. Meine Mutter ist 100 geworden, mein Vater 96.

Denken Sie manchmal über den Tod nach?
Ich bin mein gesamtes Leben von meiner Sterblichkeit besessen gewesen. Für mich stand schon im zarten Alter von fünf Jahren fest, dass ich auf der Schwelle des Todes stehe. Das hat mir damals schon richtig Angst gemacht. Und das wird sich auch mit 80 Jahren nicht ändern.

In Amerika brodelt es auf politischer und sozialer Ebene. Homoehe, Rassenunruhen, Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehungen mit Kuba. Nutzen Sie das als Stoff für neue Filme?
Als Künstler versuche ich, unpolitisch zu bleiben und die Leute zu unterhalten.  Oft ist ein Thema bereits vom Tisch, wenn man es schafft, endlich einen Film darüber in die Kinos zu bringen. Wen würde jetzt zum Beispiel noch der Kampf eines Homopaares interessieren, das heiraten will, wenn das doch landesweit bereits Gesetz ist?

Aber Sie werden doch Ihre private Meinung zu solchen wichtigen Dingen haben?
Als Privatmensch bin ich sehr daran interessiert, was mein Präsident und meine Regierung in meinem Namen unternehmen. Ich bin politisch ein liberaler Demokrat, dem die immer größer werdene Kluft zwischen Arm und Reich sehr nahe geht. Es stimmt mich traurig, dass es in Manhattan so gut wie keine Mittelklasse mehr gibt.   

Haben Sie jemals über eine Karriere in der Politik nachgedacht?
Nein. Wenn überhaupt, hätte ich das Zeug zu einem Uni-Professor. Ich glaube, ich wäre sehr gut, weil ich meine Gedanken sehr klar und logisch wiedergeben kann. Ich bin vielleicht sogar ein zu rationaler und zu organisierter Mensch. Das kann in meiner Branche manchmal problematisch sein. Doch um Leute etwas lehren zu können, ist es eine perfekte Kombination.

Waren Sie ein guter Schüler?
Ich war ein äußerst schlechter Schüler. Ich habe die Highschool gerade so geschafft. Meine Eltern zwangen mich dann, auf die New Yorker Universität zu gehen. Dort haben Sie mich nach einem Jahr wieder rausgeworfen, weil ich kaum einen Kurs bestanden habe. Das war das Ende meiner akademischen Karriere.

Und der Anfang einer großen künstlerischen. Glauben Sie, dass alle Entscheidungen, die wir treffen – selbst die trivialen – unser Leben bestimmen?
Auf jeden Fall. Und wir treffen diese Entscheidungen doch ständig. Wir gehen eine Straße runter und alles ist in Ordnung. Wir nehmen die andere, und uns fällt ein Klavier auf den Kopf, das gerade in eine Wohnung hochgezogen wird.

Denken Sie über Ihre Entscheidungen ständig nach?
Das könnte zwanghaft werden und einen regelrecht lähmen. Nein, man muss seinen Weg gehen.

Und öfter mal nach oben gucken, ob da ein Klavier hängt.
(kichert) Genau.

Eine Sportskanone mit Angst vorm Publikum

Das Image des introvertierten Sonderlings haftet an ihm wie eine Klette – doch in Wirklichkeit ist Woody Allen fast das Gegenteil davon. Der Sohn einer Buchhalterin mit österreichischen Wurzeln und eines jüdisch-orthodoxen Arbeiters wuchs als Allen Steward Konigsberg in Brooklyn auf. In der Schule galt er als Sportskanone.

Als Teenager verbrachte er jede freie Minute im Kino und war ein großer Fan des Comedytrios Marx Brothers. Seinen Filmkonsum finanzierte er, indem er für stattliche 200 Dollar pro Woche der örtlichen Zeitung Witze lieferte – unter dem Pseudonym Woody Allen. Mit 17 änderte er seinen Namen offiziell in Haywood „Woody“ Allen.

Hang zur Selbstironie

Das Studium an der New Yorker Universität gab er nach einem Semester auf, nachdem er durch einen Filmkurs gerasselt war. Allen schlug sich danach als Witzeschreiber für die Comedyserie "Caesar’s Hour" des Fernsehsenders NBC durch. Bis er beschloss, selbst auf die Bühne zu steigen – trotz lähmenden Lampenfiebers. Bei seinem ersten Auftritt hatte Allen so große Angst vor der Reaktion des Publikums, dass er sich nach jedem Witz die Ohren zuhielt. Die Zuschauer hielten das für einen Gag. Sie klatschten noch lauter.

Allen entwickelte eine Comedypersonality – einen neurotisch-nervösen, jüdischen Intellektuellen aus New York, von Gewissensbissen geplagt, stets leicht stotternd. Er machte sich in seiner Show über alles lustig – vornehmlich über sich selbst. 1965 wurde Allen beauftragt, ein Drehbuch für einen Warren-Beatty-Film zu schreiben.

Der Kontrollfreak

Es entstand "Was gibt’s Neues, Pussy?". Da ihm eine Rolle in dem Film zugesichert worden war, schrieb er die witzigsten Dialoge für sich selbst. Sehr zum Ärger von Beatty, der die Rolle aufgab und durch Peter Sellers ersetzt wurde. Sellers verlangte, dass das Drehbuch für ihn umgeschrieben wurde. Die Produzenten willigten trotz Allens Protest ein. Der schwor sich, in Zukunft nur noch Filme zu produzieren, in denen er die komplette Kontrolle über Inhalt und Regie hätte. Weltweit berühmt wurde Allen 1977 mit "Der Stadtneurotiker", der ihm einen Oscar als "bester Regisseur" einbrachte. 1979 folgte "Manhattan" – eine autobiografische Ode an sein geliebtes New York.

Seine größten kommerziellen Erfolge erzielte er erst 20 Jahre später – nachdem er schon von vielen Kritikern abgeschrieben worden war. Mit der romantischen Komödie "Vicky Cristina Barcelona" gewann er 2008 eine neue Fangeneration. Drei Jahre später war das Märchen "Midnight in Paris" sein größter Kassenerfolg.

24 Oscar-Nominierungen

Bis heute wurde Woody Allen 24 Mal für einen Oscar nominiert. Er gewann drei Mal in der Kategorie "bestes Drehbuch" und wurde einmal "bester Regisseur". Schlagzeilen wider Willen machte Allen, als 1992 sein Verhältnis mit der 20-jährigen Soon-Yi herauskam, der Adoptivtochter seiner Ehefrau Mia Farrow. 1997 heiratete er Soon-Yi und adoptierte mit ihr zwei Töchter. Ronan, sein leiblicher Sohn mit Mia Farrow, sagte sich daraufhin von seinem Vater los. Wobei sich in der Filmbranche das Gerücht hartnäckig hält, der 27-Jährige sei Ergebnis einer Affäre Farrows mit deren Ex-Gatten Frank Sinatra.

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