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Sportbuzzer Brandenburger sehen in Kristina Vogel ein Vorbild
Sportbuzzer Brandenburger sehen in Kristina Vogel ein Vorbild
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18:07 17.12.2018
Ronny Ziesmer nahm im Sommer bei der EM der Para-Leichtathleten im Berliner Jahn-Sportpark am Keulenweitwurf teil.
Ronny Ziesmer nahm im Sommer bei der EM der Para-Leichtathleten im Berliner Jahn-Sportpark am Keulenweitwurf teil. Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa
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Potsdam

Kontrovers diskutiertes Interview: Das Gespräch im ZDF-Sportstudio am Sonnabend zwischen Dunja Hayali und Kristina Vogel sorgte für ein großes Echo. Der Grund: Die TV-Moderatorin fragte die zweifache Bahnradsport-Olympiasiegerin, die nach einem Trainingsunfall querschnittsgelähmt ist, auch zu möglichen Selbstmordgedanken und ob die 28-Jährige über eine Bein-Amputation nachgedacht habe. Die MAZ fragte bei Ralf Paulo, Ronny Ziesmer und Maike Naomi Schnittger nach, wie sie das Interview bewerten.

Direkt verhindert Missverständnisse

Ronny Ziesmer, einst deutscher Meister im Turn-Mehrkampf aus Cottbus, der nach einem Trainingsunfall 2004 ebenfalls querschnittsgelähmt ist, sagt: „Ich fand das Interview völlig problemlos. Es kommt natürlich auch auf den Typ an, wie offen man fragen darf, aber das wurde im Vorgespräch geklärt – insofern ist alles gut. Ich fand die Fragen der Moderatorin auch nicht zu direkt – im Gegenteil: Direkt verhindert Missverständnisse.“

Grenzwertig

Ralf Paulo, paralympischer Beauftragter des Landes Brandenburgs: „Ich fand das Interview grundsätzlich in Ordnung. Als Reporter bewegt man sich oft in einem Grenzbereich: Es ist sehr schwierig, zu entscheiden, welche Frage lasse ich jetzt weg und welche nicht. Ich denke, dass vorher geklärt war, welche Fragen gestellt werden durften, deshalb war das für mich okay. Dazu kommt, das Kristina ein unglaublich positiver Mensch ist – deshalb konnte sie auch über Themen sprechen, die sehr tief gingen. Manche Menschen in einer anderen Situation vor dem Fernseher fanden das mit Sicherheit grenzwertig. Das Kristina Zweite bei der Sportlerwahl wurde und den Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport bekommen hat, fand ich schon deshalb gut, weil auch das Thema damit in den Fokus gerückt ist – diese Chance gibt es nicht so oft. Ich fand es sehr viel sinnvoller, als stundenlang über Fußball zu sprechen.“

Probleme hat jeder Mensch

Die stark sehbehinderte Maike Naomi Schnittger aus Potsdam, Weltmeisterin im Paraschwimmen, meinte: „Es gibt keine falschen Fragen. Gerade wenn es um die körperlichen Einschränkungen geht, ist es völlig legitim, alles zu erfragen. Ich fand das Interview im Sportstudio von A bis Z gelungen. Ich bin mit damals 13 Jahren plötzlich nahezu erblindet. Man muss sich auf die andere Lebenssituation einstellen. Das Leben geht weiter, so wie Kristina Vogel gesagt hat. Sie ist ein Vorbild für alle. Ihr Leben wurde mit dem Unfall auf den Kopf gestellt, aber sie hat das bisher prima gemeistert. Natürlich gibt es auch dunkle Tage. Aber Probleme hat doch jeder Mensch.“

Von Lars Sittig und Peter Stein