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Sportbuzzer Dirk Nowitzki: “Basketball ist für mich abgehakt”
Sportbuzzer Dirk Nowitzki: “Basketball ist für mich abgehakt”
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06:26 25.10.2019
Dirk Nowitzki Quelle: imago images / Imaginechina

Dirk Nowitzki, rund sechs Monate ist es her, dass Sie Ihre Karriere beendet haben. Hat Ihre Frau schon gesagt: Du bist viel zu oft daheim, mach mal wieder was?

Nein, das nicht. Ich war ja auch nicht die gesamte Zeit zu Hause. Zur Basketball-WM in China bin ich allein geflogen, auch die Woche zuletzt in Deutschland mit der Frankfurter Buchmesse war ich allein in der Heimat unterwegs. Ich glaube, dass es für beide Seiten gut ist, wenn ich ab und zu mal einen Trip mache. Aber das kommt jetzt natürlich viel seltener vor als noch zu Spielzeiten.

Wie ist denn Ihr Leben so als Ex-Basketballprofi?

Ex-Basketballprofi – das hört sich schon komisch an ... Ich habe in den sechs Monaten viel Familienzeit genossen. Es ist schön, zu Hause zu sein und mit den Kids alle Events mitzumachen, sie jeden Tag zur Schule zu bringen und sie wieder abzuholen – das bringt Spaß. Wir sind auch zwei Monate mit den Kids rumgereist. Dann war ich erst in China und danach voll involviert in unser Tennisturnier in Dallas. Es war also viel los.

Haben Sie etwas anderes erwartet?

Ich habe immer gedacht, dass ich nach meinem letzten Spiel zwei Monate lang nur im Bett liegen und Netflix schauen würde. Aber das kam selten vor.

Und Ihr Karriereende verlief nach all den Jahren der Disziplin, der Entbehrung und der sportlichen Leistung auf höchstem Niveau reibungslos? Oder sind Sie in ein Loch gefallen?

Gar nicht. Bisher geht es mir sehr, sehr gut mit der Entscheidung. Das letzte aktive Jahr war einfach sehr schwierig für mich wegen meiner Fußverletzung. Ich brauchte Injektionen, musste Tabletten schlucken, um überhaupt spielen zu können. Das hat mir total den Spaß genommen. Es war Zeit aufzuhören. Von daher freue ich mich jetzt aufs neue Leben.

Zum Frühstück gibt es manchmal Eis

Wie halten Sie sich denn momentan fit?

Seit dem letzten Spiel habe ich keinen Work-out mehr gemacht, ich habe den Sommer genossen. Und viel geschlemmt – auch Eis zum Frühstück.

Wirklich kein Basketball gespielt?

Nein!

Haben Sie keinen Korb zu Hause?

Nein. Basketball interessiert mich gerade überhaupt nicht. Tennis schon mehr. Basketball ist abgehakt. Klar ist es komisch, weil jetzt gerade die NBA-Saison losgegangen ist. Da kribbelt es schon ein bisschen. Und ich werde auch zu ein paar Partien gehen, aber hoffentlich nicht zu allen 41 Heimspielen. Es ist ein bisschen bizarr: Ich will ein bisschen Abstand gewinnen, aber ich werde diesen Sport auch vermissen.

Karrierehöhepunkt: Dirk Nowitzki als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 in China. Quelle: dpa

Der zweite Mann auf dem Mond, Buzz Aldrin, sagte nach der Mondlandung: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wisse er nicht, was er tun soll, niemand schicke ihn mehr auf eine Mission, jetzt, da die Aufgabe erledigt ist. Können Sie das nachvollziehen?

Ja. Das Gefühl kam bei mir allerdings nach den Olympischen Spielen 2008. Ich hatte so lange daran gearbeitet, dorthin zu kommen. Und dann war es eine unglaubliche Zeit im olympischen Dorf. Dazu durfte ich die Fahne tragen. Nach dem Ende der Spiele bin ich heim nach Würzburg gekommen – und dachte: Und jetzt? Da herrschte eine große Leere. Ich war schon wehmütig und traurig, dass es so schnell vorbeigegangen war. Jetzt nach dem Karriereende oder nach der NBA-Meisterschaft 2011 hatte ich diese Leere nicht.

Buchprojekt hat sieben Jahre gedauert

Thomas Pletzinger hat eine großartige Biografie über Sie geschrieben. Aber dies ist ja nicht das erste Buch über Sie. Warum haben Sie diesem Buch ausdrücklich ihren Segen gegeben?

Ich wollte eigentlich nicht noch eine Biografie. Dann kam vor sieben Jahren Thomas Pletzinger auf uns zu und erzählte uns von seiner Idee, ein Buch über mich zu schreiben. Da habe ich erst mal gesagt: Lass mal stecken. Ich habe genug gemacht. Damals war der Film „Der perfekte Wurf“ auch gerade erst fertig gedreht. Und ich wollte nicht schon wieder einen, der mich ständig verfolgt.

Warum haben Sie sich dann doch anders entschieden?

Ich mochte Thomas und kannte sein Buch über (den Basketball-Bundesligisten) Alba Berlin. Also habe ich mich dann doch noch einmal auf so ein Projekt eingelassen. Geplant war, dass er mich zwei Jahre lang begleitet. Dass es dann am Ende sieben Jahre dauert, bis die Biografie fertig wird, das war am Anfang nicht abzusehen. Und dass Thomas zum Teil der Familie, zum Teil der Crew wird und überall mit hinreist, genauso wenig.

Das ist ja fast eine so große Verzögerung wie am Berliner Flughafen. Warum hat es denn so lange gedauert?

Ich habe ja immer noch eine Saison drangehängt und noch eine und noch eine. Und es wäre komisch gewesen, wenn Thomas mein Karriereende nicht im Buch beschrieben hätte. Jetzt ist der Abschluss, das Ende der Karriere, dabei. So ist es perfekt. Aber dadurch hat es halt auch gedauert.

Haben Sie das Buch im Vorfeld gelesen und freigegeben?

Nein. Ich habe es erst jetzt kurz vor der Buchmesse zu Ende gelesen.

Und wie finden Sie es?

Sehr gut. Das Emotionalste war gleich der Anfang, der hat mir die Tränen ins Gesicht getrieben. Die letzte Woche, das letzte Heimspiel – das hat er echt superschön beschrieben. Die Fahrt zur Halle, der Besuch der ganzen Legenden, so konnte ich das alles noch mal erleben.

Ihre Karriere war so ausgelegt, dass man wenig über den Privatmann Nowitzki erfährt. Der Basketballer stand immer im Vordergrund. In diesem Buch erfährt man jetzt aber auch jede Menge von Ihnen als Mensch.

Ich war am Schluss auch ein bisschen überrascht, wie viel Privates im Buch steht. Etwa, wenn er mein Haus so detailliert beschreibt. Aber das ist schon okay.

Trainer hat Nowitzki zum Lesen gebracht

Welche Bedeutung haben Bücher für Sie?

Schon eine große. In der Schule wird einem der Spaß am Lesen leider ein bisschen ausgetrieben. Wenn du irgendwelche dicken Bücher lesen musst, ist das kein Spaß für einen Teenager. Das wird in der Schule ein bisschen falsch angegangen. Später hat Holger Geschwindner (Dirk Nowitzkis langjähriger persönlicher Trainer) versucht, mich langsam wieder ans Lesen heranzuholen.

Wie das?

Mit kleineren Büchern, die mir Spaß gemacht haben. Das hat dann sogar dazu geführt, dass ich in Dallas einen eigenen Buchclub gegründet habe. Ich hätte mir mit 20 nicht vorstellen können, dass ich später mal einen Buchclub in einer NBA-Mannschaft haben würde. (lacht) Das zeigt, wie skurril die vergangenen 21 Jahre teilweise auch waren.

Wie haben Sie reagiert, wenn Holger Geschwindner immer wieder mit einem Buch um die Ecke kam?

(breitet die Arme aus) Zu Weihnachten: „Holger! Ein Buch! Super!“ Und zum Geburtstag wieder: „Holger! Ein Buch!“ Er war wirklich einfallsreich. (lacht) Nein, im Ernst: Es war gut so. So habe ich den Spaß am Lesen, den Spaß am Forschen, wie wir es genannt haben, wiedergefunden.

Sie hätten in der Sommerpause in den größten und schönsten Hallen der Welt trainieren können. Trotzdem sind Sie jedes Jahr nach Rattelsdorf in die Nähe ihrer Heimatstadt Würzburg gefahren. Was bedeutet Ihnen Heimat?

Heimat ist für mich beides: Dallas und Deutschland. Ich habe mich so eingerichtet, dass ich problemlos hin- und herpendeln kann, dass ich mich sofort wohlfühle, hier und da. Für mich wird das immer so bleiben. Ich komme immer gern nach Würzburg zurück. Aber klar liegt unsere Zukunft eher in Amerika.

Holger Geschwindner hat Sie entdeckt und während Ihrer gesamten Laufbahn mit zum Teil sehr eigenwilligen und ungewöhnlichen Trainingsmethoden begleitet. Nun ist das alles nicht mehr nötig. Werden Sie trotzdem in Zukunft weiter zusammenarbeiten?

Es war für uns beide emotional, dass das, was wir die vergangenen 25 Jahre zusammen aufgebaut haben, zu Ende geht. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Holger wird immer aktiv in meinem Leben bleiben. Wir werden immer Kontakt haben und weiter eng zusammenarbeiten. Er ist ja nur einen Anruf weg.

25 Jahre lang die gleichen Trainingseinheiten

Werden Sie das Training mit ihm vermissen?

Nein, das nun wirklich nicht. Beim letzten Training habe ich gesagt: Das tue ich mir nicht mehr an. 25 Jahre immer dasselbe, das hängt mir zum Hals raus.

Sie haben vorhin gesagt, Sie haben in den vergangenen sechs Monaten eher wenig Sport getrieben. Als Ex-Profi müssen Sie ja aber abtrainieren. Große Menschen sind da besonders gefährdet, das sprechen Sie im Buch auch nachdenklich an. Wie ist Ihr Plan, und wann geht es los?

Ja, der Plan ... Der hört sich gut an. Aber ich habe ihn noch nicht so richtig angegangen. Ich habe wirklich fast sechs Monate nichts gemacht. Es fehlt mir bisher die Motivation und Inspiration. Aber ich werde wieder eine Routine finden, zwei-, dreimal die Woche ein bisschen Rad zu fahren, ein bisschen Krafttraining wird auch dabei sein. Aber den Plan, erst mal gar nichts zu machen nach meinem Karriereende und das zu essen, was mir in den Weg kommt, den gab es eben auch.

Wissen Sie schon, was Sie in Zukunft machen wollen? Werden Sie Trainer, Manager oder gar Teambesitzer Ihres langjährigen NBA-Vereins Dallas Mavericks?

Das ist noch nicht so richtig raus. Ich habe gesagt, dass wir uns mit den Mavericks gern zusammensetzen können und dann gemeinsam schauen, wo ich helfen kann – in ein oder zwei Jahren. Aber ich will wirklich erst einmal Abstand gewinnen. Klar ist: Eine Zusammenarbeit macht Sinn, mein Herz schlägt weiterhin für die Mavs. Das wird es auch immer tun. Aber es ist nichts konkret.

Es soll das Angebot geben, dass Sie Teilhaber der Mavericks werden können.

Davon habe ich auch gelesen. (lacht) Davon weiß ich eigentlich nichts. Das kann man alles später besprechen. Jetzt stehen andere Dinge im Vordergrund: besonders meine Familie, die viel zurückgesteckt hat in den vergangenen Jahren. Ich mache mir in den nächsten Monaten keinen Stress. Ich will weiter viel reisen, wir werden Ski fahren, Weihnachten wahrscheinlich in Europa verbringen.

"Ich habe meine Kindheit genossen"

Sie haben schon sehr früh sehr viel trainiert. Mussten Sie dafür auf einen Teil Ihrer Kindheit und Jugend verzichten?

Nein. Ich habe meine Kindheit und Jugend genossen. Ich wollte ja immer Sport treiben, ich war teilweise in drei Sportarten gleichzeitig unterwegs. Das hat einfach Spaß gemacht. Klar, mit 16, 17 gingen die anderen aus in die Clubs. Da habe ich schon versucht, nicht überall mitzufeiern, sondern nur hier und da mal.

Zum Schicksal von Stars gehört, dass sie überall angesprochen werden. Nervt es Sie, dass Sie sich nicht unerkannt bewegen können?

Das hat sich so entwickelt, dass es Teil meines Lebens ist. Ich scheue vor solchen Sachen nicht zurück. Ich kann mich frei bewegen, in Würzburg und in Dallas, ich muss mich nicht zu Hause verstecken. Ich bin da nicht so eingeschränkt, dass ich mein Leben nicht mehr genießen kann. Aber klar ist, dass ich nicht an einem Samstagnachmittag in Dallas in eine Mall gehe, wo Tausende von Leuten sind.

Weil dann weder Sie noch Ihre Fans den Einkauf erledigen können. Was bedeutet Ihnen die Verehrung Ihrer Fans?

Es ist schon Wahnsinn mitzubekommen, wie viele Leute an meiner Karriere teilhatten. Richtig gesehen habe ich das 2011, als wir die NBA-Meisterschaft gewannen. Umgehauen hat mich nicht nur die Parade in Dallas, sondern auch die in Würzburg. Da habe ich erst verstanden: Das ist auch hier in Deutschland ein Riesending. Wie viele Leute mir erzählt haben, dass sie sich die Nächte um die Ohren geschlagen haben. Das hat mir ziemlich viel bedeutet.

Und jetzt nach dem Karriereende?

Das war für mich auch emotional: Da sind erwachsene Frauen und Männer, die weinen, weil du zurückgetreten bist. Das hat mich schon berührt.

Gemischtes Verhältnis zu Geld

Sie haben sehr viel Geld verdient bei den Mavericks, in 21 Jahren etwa 250 Millionen Dollar. Aber Sie haben auch auf rund 190 Millionen Dollar verzichtet, damit Mavericks-Chef Mark Cuban wieder ein Topteam aufbauen kann. Geklappt hat das seit der Meisterschaft nicht mehr. Die Mavs haben meistens sogar die Play-offs verpasst. Trauern Sie dem Geld hinterher?

Nein. Ich sehe mich nach wie vor in der glücklichen Lage, dass ich sehr, sehr viel Geld verdient habe. Mit meinem Hobby, wohlgemerkt. Ich war mit 23 Jahren der bestbezahlte Spieler in meiner Mannschaft. Für lange, lange Zeit. Dass man überhaupt so viel Geld mit Sport verdienen kann, ist ja Wahnsinn. Da setze ich mich jetzt nicht hin und denke darüber nach, was noch alles möglich gewesen wäre.

Welche Bedeutung hat Geld denn für Sie?

Ich habe ein gemischtes Verhältnis zu Geld. Es ist gut, dass ich mir nie wieder Gedanken darüber machen muss und dass meine Kids das auch nicht müssen. Aber ich bin nicht der Typ, der auf materielle Dinge wert legt. Es war für mich immer das Ziel, genug zurückzulegen, dass ich nach meiner Karriere ein schönes Leben leben kann, dass ich keinen Job annehmen muss, wenn ich es nicht will.

Immer wieder wird erzählt, dass Sie nicht in der Lage seien, allein Geld abzuheben und deshalb – zumindest wenn Sie in Deutschland sind – immer noch von Ihrer Mutter Geld bekommen. Das ist eine nette Anekdote, aber nach all den Jahren Hand aufs Herz: Sie ist erfunden, oder?

Nein. In meinen Zwanzigerjahren war das so. Da hat die Mama das erledigt. Ich sagte zur ihr: Ich muss noch tanken, du musst mir noch mal ein bisschen Geld geben. Die Anekdote kommt nicht aus dem Nirgends, sie ist nicht erfunden. Aber mittlerweile kann ich das selbst und bin schon ein bisschen stolz drauf. (lacht)

Von Kristian Teetz, Simon Lange/RND

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